Ungewöhnlicher Blick auf die Vorweihnachtszeit

Schrille Nacht mit Bel(i)ebt-Verein

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Swing in die Kirche brachte das Frankfurter Jazz-Trio beim Christmas-Special-Abend am Freitag.

Groß-Zimmern - Unheiliges an heiligem Ort? Nun denn, in mancher Kirche ist schon auf das Heftigste gelästert worden – sehr zur Freude des Herrn, so er denn mit Humor begabt ist.

Schauspielerin Ursula Illert las Texte von Brecht.

Auf diese Grundfrage, die sich durch Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ zieht, haben Ursula Illert und drei beswingte Jazzmusiker am Freitagabend im evangelischen Gotteshaus unterhaltsame Antworten gegeben. Und wie. Alle Weihnachtsskeptiker, hinter deren kritischer Haltung sich ja meist dennoch ein Stück Sehnsucht nach Weihnachtsromantik verbirgt, wurden mit dem „Christmas special“ des Vereins Bel(i)ebt Groß-Zimmern bestens bedient.

Bei Illert ist man zur Floskel „bekannt aus Funk und Fernsehen“ geneigt. Die ist nicht ganz falsch, denn tatsächlich verdient die Schauspielerin dort als Sprecherin einen Teil ihrer Brötchen. Hörbücher macht sie auch, und Live-Auftritte wie jetzt diesen unterm christlichen Dach. Sie las Texte von Bert Brecht über Erich Kästner und Hans Magnus Enzensberger bis hin zum genialen Robert Gernhardt. Nein, sie las nicht, sie zelebrierte, sie inszenierte und arbeitete so das hintersinnig Komische an manch weihnachtlichem Tüdeldü heraus. Ein wenig „schrille Nacht“ war das schon, auch wenn es das versierte Jazz-Trio – Thomas Cremer (drums), Martin Sasse (piano) und Ingo Senst (bass) – eher sanft angehen ließ mit den Traditionals in neuem Gewand und damit Momente des Innehaltens schuf, in denen Illerts Texte im Intellekt zergingen wie Oblaten auf der Zunge. (sr)

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