Schuh und Kuh reimt sich gut

+
Lernort Kindergarten: Abonnesh Yilma-Wolf mit Kindern beim spielerischen Unterricht.

Groß-Zimmern (ula). „Eine Kuh hat keinen Schuh“, verkündet der Chor Fünf- und Sechsjähriger begeistert. Reimen macht der Lerngruppe im Kindergarten Hörnertweg großen Spaß, genau wie das Singspiel vom Pinguin. Bildkarten beschreiben hingegen ist weniger populär. Dabei tun sich einige schwer. Denn: All diese Kinder haben schlechte Deutschkenntnisse.

Um sprachliche Defizite zu beheben, werden Kindergartenkinder in den kommunalen und kirchlichen Betreuungseinrichtungen seit rund sieben Jahren speziell gefördert. Das Programm „Sprachfördermaßnahmen für Kinder im Kindergartenalter“ wurde vom Land Hessen für Kinder mit Migrationshintergrund initiiert. Die Kosten für die Initiative teilen sich das Land und die Träger der Kindergärten, also Kommunen und Kirchen.

Sprache dient zur Integration und um soziale Kontakte herzustellen“, sagt Abonnesh Yilma-Wolf, Erzieherin im Hörnertweg. Für die Unterrichtseinheit mit den zehn Kindern haben es sich alle auf Kissen bequem gemacht. Gemütlich lauschen die Kleinen einer Bilderbuchgeschichte. Präpositionen stehen an diesem Morgen auf dem Programm, Sprachkompetenz wird jedoch im freien reden erworben.

Spielerische Wissensvermittlung

In zahlreichen Fortbildungen wurde auch Pädagogin Gulay Kaya ausgebildet, um die Gruppe der kleineren, die Drei- und Vierjährigen, mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. „Ich lege großen viel Wert auf feinmotorische Ausbildung. Wir malen und basteln, üben Lieder und spielen auf Instrumenten“, so die junge Frau, die das Wissen spielerisch mit Handpuppen vermittelt.

Auch ihre Schützlinge haben eine andere Muttersprache, manchmal haben Mutter und Vater sogar unterschiedliche Herkunftsländer. „Viele Eltern bemühen sich, sprechen aber selbst nicht richtig deutsch“, weiß Yilma-Wolf, die selber zu Hause mehrsprachig aufwuchs. Ihr Credo: Eine Sprache richtig lehren, statt im kunterbunten Sprachenmix mit dem Kind zu kommunizieren.

„In den Familien wird zu wenig kommuniziert“

In den sechs kommunalen und kirchlichen Einrichtungen werden 70 Kinder mit dem Landesprogramm gefördert. Drei Stunden Arbeitszeit stehen den Erzieherinnen wöchentlich für diese Aufgabe zur Verfügung. Leider gehe jedoch der Löwenanteil für die Vorbereitung und anschließende Dokumentation des Unterrichts drauf. Denn: Alles muss schriftlich manifestiert werden, sonst gibt es im kommenden Semester kein Fördergeld – die Mittel sind jeweils auf ein Jahr befristet. Auch ist nicht jeder Bedürftige in eine Gruppe integrierbar. Verhaltsauffällige Kinder, deren Zahl stetig zunimmt, müssen individuell geschult werden.

Ein Manko sei auch, dass deutsche Kinder nicht berücksichtigt würden, erklären die Erzieherinnen im Hörnertweg. Denn: Sprachliche Defizite sind keinesfalls nur ein Problem bei Nicht-Muttersprachlern. Immer mehr deutsche Kinder können sich nur unzureichend verständigen. „In den Familien wird zu wenig kommuniziert“, meint Kaya. Die Sprache gerät in den Hintergrund, moderne Medien übernehmen diese Rolle im Familienalltag.

Seit einem Jahr bietet die Erzieherin daher ein zusätzliches Förderprogramm – auch ohne Finanzspritze vom Land: Deutsch lernen für deutsche Kinder.

Kommentare