Schule im Angelgarten

Gut, dass ihr bei uns seid

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Die internationale Gemeinschaft ist in der Schule im Angelgarten alltäglich und erwünscht.

Groß-Zimmern - Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen. Nachdem die Organisatoren der Lesefüchse im Februar zum Thema Flüchtlinge leider unter sich blieben (der LA berichtete), stand schnell fest, dass man einen anderen Rahmen finden muss.

So kam die Idee auf, dass man während der Lesewoche im Rahmen der Schulsozialarbeit mit den Kindern der Schule im Angelgarten (SiA) Lesungen anbieten könnte. Das Kollegium nahm dieses Angebot gerne an. So las Lesefüchsin Astrid Geiß in fünf Klassen und gab somit 110 Kindern die Gelegenheit, gemeinsam über Flüchtlinge, Asylbewerber und Migration zu reden. Jugendpfleger und Schulsozialarbeiter Tom Hicking konnte krankheitbedingt nicht teilnehmen. Durch Printmedien, Funk, Kindernachrichten und Internet haben viele Kinder schon von Flüchtlingen gehört und den Gründen, warum Menschen ihre Heimatländer verlassen. Man sprach davon, wie sich Familien fühlen müssen, wenn sie alles zurücklassen müssen, Angehörige, Freunde, Erinnerungen und - was für Kinder sehr greifbar ist - ihr Spielzeug. Vielleicht musste sogar das Lieblingskuscheltier in der alten Heimat bleiben, dem man somit nicht mehr all die Dinge erzählen kann, die einen bewegen, und das einem Halt geben und Trost spenden konnte.

Schlimm war für viele die Vorstellung, die Klassenkammeraden nicht mehr sehen und nicht mehr mit ihnen spielen zu können. Lehrerin Nicole Wulf erzählte davon, dass jeden Tag viele Kinder geboren werden, die in Krieg und Armut, ohne Vater und ohne ein sicheres Zuhause leben müssen. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben in Frieden und Freiheit, da waren sich alle einig. Natürlich wurde auch gelesen. Diesmal war es die Geschichte „Warum kommen die Ausländer zu uns?“ von Manfred Mai aus den Warum Geschichten „Ausländer bei uns“. In der Erzählung geht es darum, dass nach der Pause an der Tafel steht: Ausländer raus. Darüber sind alle Kinder erschrocken und gemeinsam klärt man, woher solche Aussagen kommen. So erfahren die Kinder, dass die Gastarbeiter aus vielen europäischen Ländern wie Italien, Griechenland, Spanien Portugal, dem ehemaligen Jugoslawien und später auch der Türkei waren, die vor 50 Jahren umworben und geholt wurden, um das kriegsgebeutelte Deutschland wieder aufzubauen und dass der heutige Wohlstand in Deutschland auch ihnen zu verdanken ist.

Heute Info-Abend zum Engagement in der Flüchtlingsarbeit

Leicht fiel es diesen Arbeitern natürlich nicht, getrennt von ihren Familien zu leben. Einige gingen wieder zurück, andere holten ihre Familien nach und so wurde Deutschland für sie zur neuen Heimat. Ebenso erfuhren die Kinder, dass Vorurteile oft nicht stimmen und dass es „überall auf der Welt gute und schlechte Menschen“ gibt.

Lehrein Petra Jörg verwies noch auf all die leckeren Speisen, die unseren Essenstisch bereichern und die oft aus anderen Ländern kommen. So sind Döner, Pizza und Pommes längst keine „Ausländer“ mehr und aus der Erfahrung wissen die Kinder, dass das Essensbüffet bei den Schulfesten immer durch die leckeren Speisen der Eltern sehr international und abwechslungsreich ist und so maches neue kulinarische Erlebnis bereit hält.

Da die Schule im Angelgarten von Kindern aus vielen verschiedenen Nationen besucht wird, bot sich ein kleines Experiment an. Alle Kinder, deren Eltern oder Großeltern ursprünglich aus einem anderen Land stammen, verließen den Sitzkreis, der somit sehr leer wurde. So würde es in der Schule aussehen, wenn alle Kinder mit ausländischen Wurzeln nicht mehr da wären.

Schnell war man sich in allen Klassen einig, dass sie wieder in den Kreis zurückkommen sollen, weil sie doch Teil der Klassen- und Schulgemeinschaft sind und dazu gehören. Keiner will auf seine Freunde verzichten, egal welcher Nationalität und Religion sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, ob sie gut deutsch sprechen, dick oder dünn, groß oder klein sind. Eine Gemeinschaft, die in der SiA alltäglich ist, von der manch ein Erwachsener lernen kann.

Am heutigen Montag, 26. Mai, um 19 Uhr findet in der Projektwerkstatt, Wilhelm-Leuschner-Straße 2, 618378, ein Informationsabend zum Engagement in der Flüchtlingsarbeit statt.

guf

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