Schwertkämpfe statt Eiersuche

+
Stuntszenen hoch zu Ross erlebten die Besucher des Ritterspektakels, das während der Osterfeiertage auf der Reitanlage in Groß-Zimmern geboten wurde.

Groß-Zimmern ‐ Abenteuerliche Ritte waren unter dem Hallendach der Zimmerner Reiter zwar schon häufiger zu bestaunen. Rasende Schlachtrösser, mutige Recken und kämpfende Ritter boten jedoch ein völlig neues Bild.  Von Ursula Friedrich

Drei Tage lang zog das Ritterspektakel an den Osterfeiertagen hunderte von Besuchern auf die Sportanlage des Reit- und Fahrvereins. Statt Ostereiersuche im Garten genoss das staunende Publikum tollkühne Stunts hoch zu Ross. Der Wettkampf auf dem Rücken edler Araber- und Berberpferde führte zurück in die Zeit des 8. Jahrhunderts, als Lanze, Pfeil und Bogen, Streitaxt und Schwert ganz selbstverständlich zur Grundausstattung junger, betuchter Männer gehörten. „Zehn Bauern mussten arbeiten, um einen Ritter auszurüsten, ein Streitross hatte den Wert von 45 Kühen“, informierten die mutigen Reiter zum Auftakt ihres Ritterturniers.

Mehr Bilder vom Ritterspektakel

Ritterspektakel zu den Osterfeiertagen

Vor den Augen des Königs, dessen Gemahlin und dem staunenden Volk wetteiferten die Ritter bei unterschiedlichen Exerzitien um den Preis des Turniers: ein kostbares goldenes Schwert. Da galt es vom galoppierenden Pferd aus einen vollen Weinbecher zu ergreifen, eine Wildsau zu erlegen, einen Knappen mit schwungvollem Axthieb zu bekämpfen und natürlich, den Widersacher per Lanze aus dem Sattel zu stoßen. Glänzende Kinderaugen verfolgten die spektakulären Kampfszenen der Stars vom European Horse Show Team (EHS), die erstmals in Groß-Zimmern ihre Künste demonstrierten. Und Jungs, die lediglich zur Fastnachtszeit ins Ritterkostüm schlüpften, wurden in ihrem Traum bestärkt, doch noch den Ritterberuf zu ergreifen. Pferdefreunde bewunderten den Mut der schnellen, wendigen Rösser, die als Fluchttiere im Ernstfall eher geneigt sind, das Weite zu suchen, als kämpferische Auseinandersetzungen zu ertragen. 

Stolze Streitrösser und kühne Ritterhelden wetteiferten um das goldene Schwert.

Abgerundet wurde das sportliche Spektakel in der Halle vom mittelalterlichen Lager auf dem Außenterrain. Hier gab es Einblicke in den Alltag einfacher Bauern und wohlhabenden Adels. Mittelalterliche Folterinstrumente wie die Schandgeige durften probehalber angelegt werden. Publikumsmagneten waren ein mächtiger Steinadler und eine zarte Schleiereule, Gäste eine Falknerei. 
„Um ein Pferd für eine solche Disziplin auszubilden, muss man viele Jahre investieren“, schilderte Manuela Roth vom Organisationsteam. Nach der Grundausbildung, die jedes Pferd genießen sollte, würden zwei bis drei Jahre mit dem Tier für diese Anforderungen trainiert, erklärte auch Horst Bulheller aus Reinheim, Leiter des EHS-Teams, den Hals seines spanischen Hengstes klopfend. „Castanjero vertraut mir absolut, er folgt mir wie ein Hund“, schwärmte der „schwarze Reiter“ vom Charakter seines Pferdes. Schon öfter demonstrierte er bei Weihnachtsfeiern der Zimmerner Reiter ein paar Stunts. Nun reiste er mit seinem Team zum Ritterturnier an.

In der Rolle des König Artus steckte unter goldener Krone und purpurnem Mantel Prinz Michael von Anhalt, der die Schau gemeinsam mit zwei weiteren Unternehmen, den Firmen Belmodi und Schuhwelt unterstützte: Von jedem dort verkauften Ticket soll ein Euro in die Anhaltinische Sport-Integrationsstiftung zu Gunsten sozial schwacher und lernbehinderter Kinder und Jugendlicher fließen.

Kommentare