„Sehr große Fußstapfen“

Roswitha Göbel verlässt die Kinder- und Jugendförderung

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Roswitha Göbel verlässt am 31. Mai nach 19 Jahren ihren Platz im Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum.

Groß-Zimmern - Eigentlich liebt sie ihren Arbeitsplatz im Familienzentrum, aber dennoch freut sich Roswitha Göbel (63) nun auf den Ruhestand. Sie findet, 48 Jahre Arbeit sind genug – und die hat sie jetzt hinter sich. Von Agnes Badener 

Bereits mit 16 Jahren hat die gebürtige Groß-Zimmernerin Roswitha Göbel ihre Ausbildung zur Anwalts- und Notariatsgehilfin begonnen, danach arbeitete sie bei einem Inkasso-Büro und verschiedenen Rechtsanwälten, bis sie bei der Gemeinde landete und dort erst einmal auf 15-Stundenbasis und befristet eingestellt wurde. Acht Stunden waren damals für die Jugend geplant, die restlichen sieben Stunden sollte sie in der Verwaltung verbringen. Schon nach einem halben Jahr wurde sie fest eingestellt, und die Kinder- und Jugendförderung wollte diesen personellen Schatz auch nicht mehr hergeben.

„Tom Hicking hat ein Jahr vor mir angefangen“, erinnert sie sich, „und ich sollte ihm unterstützend helfen.“ Das ist ihr offensichtlich gelungen, Jugendpfleger Hicking ist voll des Lobes über die Verwaltungskraft. „Ohne Roswitha wären wir nicht da, wo wir heute sind“, sagt er, „es genügt nicht ein pädagogisches Konzept zu erstellen, das muss auch alles organisiert werden. Sie ist ein Fels in der Brandung, und es sind sehr große Fußstapfen, in der der Nachfolger tritt.“

Aber Göbel war nicht nur verwalterisch tätig. Der Kontakt zu den Kindern machte ihr auch Freude. Ihre Entscheidung ganz am Anfang, ihren Arbeitsplatz im damals ganz neuen Jugendzentrum (JUZ) statt im Rathaus einzunehmen, hat sie nie bereut. „Ich habe dann auch mal ein Pflaster aufgeklebt oder mich bei Not am Mann in der Küche betätigt“, sagt sie. Aus ihren ursprünglich 15 Stunden sind bis heute 31 geworden, auch weil die Aufgabenbereiche sich mit der Entwicklung des JUZ und erst recht mit der Entwicklung zum Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum erweitert haben. Zusätzlich war sie in das Projekt Soziale Stadt involviert, ein Themengebiet, das ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin kaum noch betreffen wird.

„Hier ist die Anlaufstelle für alles“, so Göbel, „für alle Anfragen, für Vermietungen, aber auch für die Beratung für Leute, die Anträge an das Jugendamt stellen.“ Die Ferienspiele wickelte sie verwaltungstechnisch ab, aber auch für Flüchtlinge ist sie oft die erste Ansprechpartnerin. Das hängt damit zusammen, dass sie vormittags, wenn Hicking zum Beispiel seiner Schulsozialarbeit nachgeht, die Einzige im Zentrum ist. Sie organisiert die Raumbelegung, eine schwierige Aufgabe, auch von Externen wie Sprachkursleitern wird das Zentrum genutzt. Der „Pfiffikus“, die Betreuung der Schule im Angelgarten, hat hier seit Jahren seine Heimstatt. Aber auch die Fahrradbörse wurde maßgeblich von Göbel organisiert. Es ließen sich noch viele Themen finden, an denen sie mitgearbeitet hat.

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Offiziell ist sie noch bis zum 31. Mai eingestellt. Aber da sie noch einige Urlaubstage hat, wird sie nur noch wenige Tage im Kinder-, Jugend und Nachbarschaftszentrum verbringen. Sie freut sich zwar auf ihren Ruhestand, aber ein bisschen merkwürdig ist es schon für sie. Auch wenn sie den Platz vor dem Computer bald freigibt, ganz wird sie sich nicht gleich verabschieden. Die Töpferkurse, die sie im Zentrum gibt, wird sie auch weiterhin veranstalten. „Und sie bleibt unsere Marmeladen-Beauftragte“, sagt Hicking. „Ich kann nicht zusehen, wie etwas einfach so kaputt geht“, erklärt Göbel diesen Job. Sie hat nämlich die Früchte der Bäume und Gehölze, die auf dem Gelände stehen, in leckerste Marmelade verwandelt.

Auf ihren Ruhestand freut sie sich, zum Beweis zeigt sie einen Würfel, aus dem ein Maßband heraushängt. Das ist mittlerweile kurz, weil sie jeden vergangenen Tag abschneidet. Künftig will sie sich mehr ihren drei Enkelkindern widmen und mit ihrem Mann spontane Reisen unternehmen. Eine der beiden Töchter wohnt in Berlin. Es darf aber auch ein bisschen weiter weg sein. Nach Andalusien und Irland will sie, Südtirol fällt ihr auch noch ein. Der Garten soll auch mehr Aufmerksamkeit erfahren. Konzerte besuchen, steht ebenso auf dem Programm. „Ich habe vor, so alt zu werden, dass ich das alles noch machen kann“, sagt sie.

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