„Wachsamkeit, aber keine Panik“ / Erstmals gibt es eine Täterbeschreibung des möglichen Brandstifters

Wer ist der seltsame Radfahrer?

Besonders in der Nacht müssen die Feuerwehren in letzter Zeit häufig ausrücken. Freie Fahrt ist hierbei sehr wichtig. Foto: Feuerwehr

Groß-Zimmern (guf) - Lautes Dröhnen weckte am Mittwochabend diejenigen, die vor Mitternacht schliefen. Eine gute Stunde lang fanden die Bewohner in Groß- und Klein-Zimmern dann keine Ruhe mehr.

Der Lärm des Hubschrauber-Rotors schallte von oben herab, ließ Fenster vibrieren und versetzte Mensch und Tier in Schrecken. Mit dem Eurocopter (EC) 145 verfolgte die Polizei einen Verdächtigen. Der nachtflugtaugliche Helicopter ist mit Wärmebildkameras und speziellen Sichtgeräten ausgestattet.

Nachdem es bereits am Mittwochmorgen in Klein-Zimmern gebrannt hatte (wir haben berichtet), wurden Feuerwehr und Polizei gegen 23.30 Uhr ein weiteres Mal alarmiert. Diesmal hatte sich der Brandstifter eine Garage in der Markstraße ausgesucht. Entgegen der Alarmmeldung brannten jedoch auf dem Spitzboden lediglich einige Holzbretter. Die Klein-Zimmerner Einsatzkräfte waren sogleich vor Ort und konnten den eben erst aufgeflammten Brand schnell löschen. Es entstand kein Gebäudeschaden.

Erste Untersuchungen der Darmstädter Kriminalpolizei ergaben, dass in beiden Fällen von vorsätzlicher Brandstiftung ausgegangen werden muss. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, teilt Hauptkommissar Christopher Roth dem LA mit. Ob sie in direktem Zusammenhang stehen, sei jedoch nicht erwiesen. Bei dem Vorfall in der Nacht zu Donnerstag hat ein aufmerksamer Zeuge am Tatort einen jungen, etwa 1,75 Meter großen Mann beobachtet, der zu Fuß in Richtung Semder Pfad flüchtete.

Kurze Zeit später fiel anderen Zeugen in der Wilhelm-Leuschner-Straße in Groß-Zimmern ein etwa 17 bis 20 Jahre alter Radfahrer auf, der aus der Nase blutete und stark verschwitzt war. Er trug ein ärmelloses T-Shirt mit einem aufgedruckten roten Drachen. Er hatte einen Rucksack bei sich und war mit einem hellen, eventuell gelben Mountainbike (26 Zoll) unterwegs. Der junge Mann wollte keine ärztliche Hilfe, entgegnete, er suche die Feuerwehr, und fuhr dann weiter in Richtung Bahnstraße. Ein anderer Zeuge hat diesen Radfahrer später am Rathausplatz gesehen. Ob es sich um ein und dieselbe Person handelt, steht nicht fest. Die Fahndung, bei der neben mehreren Streifenwagen auch der Hubschrauber eingesetzt wurde, war nicht erfolgreich. Die beiden Odenwald-Brandstifter sitzen weiterhin in U-Haft, bestätigte Roth. Die Frage, ob sich der Einsatz des EC 145 lohne, beantwortet Roth: „Das Für und Wider wird gut abgewogen. Sicher ist es eine hohe Lärmbelästigung für die Bewohner. Aber die haben ja auch ein großes Interesse daran, dass der Brandstifter gefasst wird.“ Dieser Meinung sind auch die Feuerwehrleute und mit ihnen Bürgermeister Achim Grimm, der als oberster Chef bei jedem Einsatz vor Ort ist.

Roth rät „Wachsamkeit, aber keine Panik“ walten zu lassen.

Wichtig sei es, Ruhe zu bewahren, eine Hexenjagd oder Bürgerwehr bringe nichts. Allerdings ist die Polizei in solch einem Fall auf Mithilfe angewiesen. „In kleinen Orten kennt man sich. Wenn der Nachbar in Urlaub ist und das Gartentor offen steht, ist das schon ungewöhnlich.“ Zusätzlich zu den Ermittlungen der Polizei wird also um Hinweise aus der Bevölkerung gebeten: „Wer hat am Mittwoch Vormittag oder am Abend die beschriebenen Personen gesehen oder kann sonst Hinweise zu deren Identität geben? Jegliche Auffälligkeiten, mögen sie auch auf den ersten Blick noch so unwichtig erscheinen, können entscheidend für den Ermittlungserfolg der Polizei sein“, betont Roth.

Hinweise nimmt das Polizeipräsidium Südhessen jederzeit entgegen, unter s  06151/9690. Um die Nummer im Bedarfsfall parat zu haben, sollte man sie am besten sofort abspeichern.

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