Senioren stört die Hitze nicht

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Auch bei hochsommerlichen Temperaturen nicht zu bremsen: Im Seniorenheim widmen sich die Bewohner der Morgengymnastik.

Groß-Zimmern ‐ Die Bevölkerung stöhnt auch in Groß-Zimmern unter der Hitzewelle. Wem die Kleider nach kleinster Körperertüchtigung am Leibe kleben, der sehnt Schwimmbad, Cocktail und Eisbecher herbei. Ganz anders empfinden die 43 Bewohner des „Gersprenz“ Seniorenwohn- und Pflegeheims im Otzbergring. Von Ursula Friedrich

 Wer rüstig ist, sonnt sich im Eingangsbereich vorm Haus – hier lässt sich auch ein netter Plausch mit Nachbarn halten. „In der größten Mittagshitze gehen unsere Bewohner ohne Kopfbedeckung einkaufen“, staunt Franz-Josef Partsch, Leiter der Senioreneinrichtung.

Sein Versuch, mit Ventilatoren ein kühlendes Lüftchen zu erzielen, wird im Keim erstickt. „Es zieht!“ Dennoch ist er optimistisch, bald mit einer neuen Klimaanlage die Temperaturen im ganzen Haus senken zu können.

Alltagsbegleiterin Michaela Neuroth ist neben den Gersprenz-Pflegekräften zusätzlich im Einsatz, um dementen, geistig und psychisch kranken Bewohnern besondere Betreuung und Aktivierung zu bieten.

Sie hat ihr Beschäftigungsprogramm hitzebedingt modifiziert. „Die Senoren haben zum Teil keine Lust auf die Angebote“, erklärt sie.

Malzbier mögen alle gern

Deshalb sollen nun „Omas Rezepte“ in der Küche umgesetzt werden. Echte Zitronenlimonade steht auf der Wunschliste der älteren Herrschaften, die allerdings ganz modernen Getränken ebenfalls viel abgewinnen, etwa süffigen Cocktails oder leckeren Milchshakes. „Cola ist der Renner“, schmunzelt Franz-Josef Partsch. Nicht alle seine Schützlinge sind noch mobil und selbstständig. Für schwere Pflegefälle werden Trinkprotokolle geführt, denn genügend Flüssigkeit aufzunehmen ist nicht für alle selbstverständlich.

Um den in der Hitze nicht gerade üppigen Appetit zu steigern, gibt es neben Wasser mit Elektrolyten jede Menge Säfte, Fanta und Bouillon. Beim „Kinderbier“ werden nicht nur die Geschmacksnerven verwöhnt, sondern auch Erinnerungen aus der Kindheit freigesetzt. „Das Malzbier mögen alle gern“, so Michaela Neuroth.

Die älteren Herrschaften genießen dieses „Verwöhnprogramm“: „Herr Partsch ist einmalig“, schwärmt Gertrud Liedtke (86). „Er hat uns nasse Tücher ans Fenster gehängt und spendiert jeden Tag Eis.“ „Ich schwitze überhaupt nicht“, fügt Gretel Weihert (78) hinzu, „ich decke mich auch bei diesem Wetter noch mit einer Kolter zu.“ Ein Gutes hat es jedoch: Im Seniorenheim klagt keiner über die Hitze.

Aber das individuelle Wärmeempfinden der Senioren hat freilich auch seine Kehrseite: Im Winter wird reihum gefroren und die Heizung maximal hochgedreht. Und damit es nicht allzu stickig wird, sorgt dann das geklappte Fenster für ausreichend frische Luft.

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