Übung in Gersprenz-Wohnheim

Senioren warten auf die Retter

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Die 90-jährige Anna Hoffmann stieg am Arm der Retter die Treppe hinab.

Gross-Zimmern - Für die einen war es ein besonders kniffliger Rettungseinsatz – für die anderen ein großes Abenteuer. Freiwillige Feuerwehren und Sanitätsdienst retteten bei ihrer Großübung am Samstag die Bewohner des Seniorenheims Gersprenz. Von Ursula Friedrich

Im ersten Stock der Pflegeeinrichtung tobte ein fiktives Feuer. „So, meine Damen, jetzt geht es los – hier sind ihre Retter!“, mit diesen Worten präsentierte Franz-Joseph Partsch, Leiter des Seniorendienstleistungszentrums Gersprenz, den wartenden Bewohnern die Feuerwehrleute. Über die Treppen der Pflegeeinrichtung schleppten Einsatzkräfte alte Menschen, die zum Großteil auf den Rollstuhl angewiesen sind, aus vermeintlichem Rauch und tobender Feuersbrunst.

„Ausgangslage des Einsatzes ist, dass in einem Bewohnerzimmer im ersten Stock ein Brand ausgebrochen ist“, sagte Feuerwehrmann Klaus Küppers. 40 Einsatzkräfte der Feuerwehren Groß- und Klein-Zimmerns, Dieburgs und der Dieburger Johanniter Unfallhilfe arbeiteten bei der außergewöhnlichen Übung Hand in Hand.

42 Menschen werden im Seniorenheim der Gersprenz betreut, wer rüstig genug war und mitmachen wollte, durfte sich als vermeintliches Opfer bergen lassen.

15 Bewohner wurden so unter Leitung des Zimmerner Gemeindebrandinspektors James Bennett gerettet, das Feuer gelöscht. Neben Kommando-, Einsatzleit- und Löschfahrzeugen kam die Drehleiter der Dieburger Kollegen zum Einsatz, um Opfer über den Balkon zu bergen. „Zimmern verfügt leider nicht über eine Drehleiter“, bedauerte Küppers.

Die Evakuierung der Gersprenzbewohner aus dem dreigeschossigen Gebäude wäre im Ernstfall eine große Herausforderung.

Die Möglichkeit, im Seniorenheim den Ernstfall zu proben, verdanken die Wehren dem aufgeschlossenen Leiter der Einrichtung. Partsch trat selbst mit dieser Idee an die Feuerwehr heran. Mit der Möglichkeit, pragmatisch vor Ort zu üben, schließt sich ein Kreis aufwendiger Vorbereitungen. Denn seit rund einem Jahr erstellt Berufsfeuerwehrmann Küppers zusammen mit dem Groß-Zimmerner Gemeindejugendfeuerwehrwart Mark Czerny den Rettungsplan für die dreigeschossige Einrichtung. „Wir haben hier zwei Besonderheiten“, erläuterte Küppers. „Die optimale Aufstellung der Fahrzeuge in den engen Straßen rund um das Objekt ist ein enormes Problem.“ Ein Zweites: Die 42 Bewohner wären im Ernstfall nicht imstande, sich selbst zu retten. Die Generalprobe aller Beteiligten verlief reibungslos, und der Einsatzplan für das Objekt kann fertig gestellt werden. Senioren, die aktiv an der Übung teilnahmen, hatten zum Teil großen Spaß an dem ungewohnten Abenteuer.

„Das ist mir noch nie passiert, dass ich mich hab" tragen lassen“, lehnte Anna Hoffmann resolut die angebotene Hilfe zweier junger Feuerwehrmänner ab. Würdevoll stieg die zierliche 90-Jährige schritt für Schritt am Arm ihrer Retter die Treppe hinab.

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