Leseabend bietet Einblicke in die Welt des Hunnenkönigs Attila

Aus Sicht des kleinen Mannes

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Dr. Friedhelm Kober, Professor für anorganische Chemie, entführte mit seiner historischen Erzählung in die Zeit 451 vor Christus.

Groß-Zimmern (sek) ‐ Historische Schlachten und Gemeinschaftsgefühl sind die Hauptthemen in dem Werk „Freyas Tränen – Meine Zeit mit Attila“, das Gastautor Dr. Friedhelm Kober aus Ober-Ramstadt bei der Lesereihe der Bücherwürmer vortrug.

Kober ist Professor für anorganische Chemie an der Technischen Universität Darmstadt. Seit April 2009 ist er im Ruhestand, so dass er sich neben der Chemie auch ausgiebig seiner neuen Passion, der Geschichte, widmen kann. Die von ihm geschriebene Trilogie basiert auf historischen Daten, die sich streng am geschichtlichen Abbild orientieren. Wo Unklarheiten bezüglich der Fakten - sprich also der Daten die nicht bekannt sind - bestehen, nimmt er sich, wie er sagt, die „dichterische Freiheit“ und ergänzt sie sinngemäß.

Ira Drewitz, langjähriges Mitglied der Bücherwürmer, stellte den Schriftsteller dem interessierten Publikum im Mehrgenerationenhaus vor. Die Hauptperson der Geschichte, Widukind, erzählt aus seiner Perspektive heraus den Verlauf von Feldzügen nach Italien und deren Umstände. Widukind und sein Freund Eilak müssen die Feldzüge Attilas mitmachen. Kober hat bewusst einen einfachen Krieger als Erzähler gewählt, da er die Perspektive von unten aufzeigen will, „die Sicht des kleinen Mannes sozusagen.“ Es soll vermieden werden, aus Sicht von Personen wie Königen oder Kriegsherren zu erzählen, da deren höher gestellte Position zu eindimensional erscheint.

„Die Angst kann ich greifen, spüren, fühlen“, so Widukinds Eindrücke während einer Schlacht.

Begleitet wurde Kober von Ira Drewitz, die in Art einer Souffleuse den geschichtlichen Hintergrund zu den Handlungen vortrug. Der Text ist keineswegs ein Geschichtsbuch im klassischen Sinn, sondern ein Roman mit geschichtlichem Hintergrund.

Der Leser kann damit etwas aus der Weltgeschichte erfahren. Anders als in Lehrbüchern kann man der Phantasie freien Lauf lassen, so Kober.

Einen regionalen Bezug hat die Geschichte auch zu bieten: Bei Widukinds und Eilaks Flucht nach Attilas Tod kommen die beiden ans Felsenmeer, wo ihnen ein kluger Grieche die Wissenschaften, wie beispielsweise die Geometrie, beibringt. So werden aus den Männern des Schwerts Männer des Geistes. In der anschließenden Diskussion konnten die Gäste mit Hilfe des Autors ihr Geschichtswissen noch weiter vertiefen. Die Gründung Venedigs ist vielen unbekannt, aber Kober erklärte geduldig. „Wie sind Sie als Chemiker eigentlich zur Geschichte gekommen?“, fragt jemand aus dem Plenum. Durch seinen schulischen Werdegang auf einer Lateinschule in Pforzheim wurden für ihn die Wurzeln begründet, lautete die Antwort. Alte Sprachen und Geschichte waren wichtige Ausbildungsinhalte. Somit hat man ein solides Wissen, was hängen bleibt, fügte Kober hinzu. Bisher spielten seine Erzählungen in der Vergangenheit, doch das neueste Buch blickt in die Zukunft. Im Zentrum steht der neue Mensch, der dem heutigen in seinem Sozialverhalten weit überlegen ist. Ungekannte zwischenmenschliche Beziehungen lässt der Autor Wirklichkeit werden. Man kann gespannt sein auf das Zukunftsszenario, das Kober in seinem neuesten Werk aufzeigt. Die eigenen Bücher mit persönlicher Widmung signierte der Romanschreiber für sein Publikum im Anschluss an die Gesprächsrunde.

Heute Lesung

Die vierte Lesung im Herbstzyklus der Zimm'ner Bücherwürmer ist für den heutigen Donnerstag geplant. Es geht um Geschichten. Meistens erzählen diese Großeltern ihren Enkeln. Doch diesmal ist es umgekehrt: Hannelore Gruß trägt Geschichten vor, die Enkel ihren Großeltern erzählen könnten. Treffen ist um 20 Uhr im Mehrgenerationenhaus, Otzbergring 1+3.„Wir hoffen, dass viele Zuhörer kommen und die anschließende Diskussion beleben“, so Bernd Ebert.

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