„Sie hat mir schon in der Schule sehr gut gefallen“

Groß-Zimmern - (bea) Acht Jahre haben sie zusammen die Schulbank gedrückt, Georg Palmy (80) und Helene Ritter (79). Und sie kamen ihr Leben lang nicht mehr voneinander los. Helene und Georg Palmy feiern am heutigen Donnerstag Diamantene Hochzeit.

„Sie hat mir schon in der Schule sehr gut gefallen“, sagt der Ehemann und blickt seine Frau liebevoll an. Dabei war es gar nicht so leicht, den Kontakt nach der Schulzeit zu halten. Vermessungstechniker wollte der damals 14-Jährige werden. Die Konsequenz: damit er seine Lehre beginnen konnte, musste er einen Teil der Ausbildung in Russland absolvieren. In die Ukraine schickte man ihn, wo er bei der Organisation Todt in der Baukolonne arbeitete.

„Aus Russland habe ich meinen ersten Brief von ihm bekommen“, erzählt Helene Palmy, die zu dieser Zeit ihr Pflichtjahr erfüllte. Froh war sie, als ihr Georg nach dem Krieg relativ schnell aus der Gefangenschaft heim kam. Palmy hatte Glück - nicht auf Grund seines jugendlichen Alters entließ man ihn so schnell, sondern weil der entlassende Offizier in Frankfurt gewesen war und Zimmern gut kannte.

Bald danach heirateten die beiden und bekamen drei Kinder.

Mit sechs Enkeln sind die Jubilare gesegnet. Die zwei Urenkel wohnen in Harreshausen und kommen Oma und Opa häufig besuchen.

Tochter Birgit lebt mit ihrer Familie im Elternhaus der Palmys, das im Laufe der Zeit etliche Um- und Anbauten erfahren hat.

„Fußball und der FSV, sind meine große Liebe“, sagt Georg Palmy, sieht seine Frau an und verbessert sich: „die Zweite natürlich“. Mit 16 Jahren ist der gebürtige Groß-Zimmerner dem FSV beigetreten, 38 Jahre hat er die Finanzen des Vereins geregelt. Gespielt hat er selber allerdings nie richtig. „Für das regelmäßige Training war keine Zeit“. Auch heute noch lässt er sich kein Spiel seiner Mannschaft entgehen. „Ein Sonntag ohne den FSV, das wäre einfach kein Sonntag.“

Helene Palmy steht ihm in nichts nach. Sie gehört zu den Gründerinnen der FSV-Fußballfrauen. „Heute Abend treffen wir uns wieder“, erzählt sie und beklagt, dass dieser Kreis inzwischen kleiner geworden ist.

Für andere Hobbys blieb den beiden wenig Zeit. Helene versorgte den Haushalt und die Kinder und Georg Palmy ging in seinem Beruf auf.

„Viele Urkunden habe ich für die Gemeinde und die Vereine geschrieben“, sagt der Jubilar. Als Vermessungstechniker zeichnete er nicht nur die Karten, sondern musste auch besonders schön schreiben können.

„Langweilig wird's uns nicht“, sagt Georg Palmy. Seine Frau versorgt den Haushalt bis heute alleine und hilft ihrer Tochter. „Mein Mann ist eine gute Küchenhilfe“, sagt sie und lacht. Bei der Frage, wie man es schafft, so lange zusammen zu bleiben, schauen sie sich an und sagen: „Man muss sich gegenseitig tolerieren, das ist das Rezept. Da kann es ruhig auch mal gewittern oder schneien, die Sonne kommt dann schon wieder hervor“.

Groß feiern wollen die Jubilare ihre Diamantene Hochzeit heute nicht. „Wir sind sowieso schon in einem absoluten Jubiläumsjahr“, stöhnt der Zimmerner.

Er ist in diesem Jahr 80 geworden, seine Frau folgt ihm im Herbst, der älteste Sohn Manfred wird seinen 60sten und der jüngste Sohn Torsten seinen 40 Geburtstag feiern.

„Dafür gönnen wir uns ein gemeinsames Familien-Urlaubswochenende“, freut sich die Jubilarin.

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