Christel Fleischmann: „Wir planen mit Hochdruck eine Straßenbahn bis Zimmern“

Signal für freie Fahrt?

Mögliche Straßenbahnführung von Darmstadt über Roßdorf nach Groß-Zimmern. Skizze: Dadina/ZiV

Groß-Zimmern/Darmstadt -. Von Gudrun Fritsch

„Wir planen mit Hochdruck eine Straßenbahn bis nach Groß-Zimmern“, betonte Christel Fleischmann, Verkehrsdezernent des Landkreises, am Mittwoch im Rahmen der Dadina-Verbandsversammlung.

Kürzlich erst war bekanntgeworden, dass die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) mit der Stadt Darmstadt sowie den Gemeinden Roßdorf und Groß-Zimmern ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, das fünf Varianten einer möglichen Straßenbahnlinie auf der alten Bahntrasse berechnet (wir haben berichtet). Seit 1983 wird diese Trasse freigehalten und immer wieder gab es Überlegungen, das Schienenbett erneut nutzbar zu machen.

Grund für die aktuelle Prüfung ist vor allem die enge Verkehrssituation in Darmstadt. „Die direkte Busverbindung wird sehr viel genutzt“, erklärte Dadina-Geschäftsführer Matthias Altenhein. Aber die Grenze der Belastbarkeit in Darmstadt sei eigentlich schon überschritten. Bei steigender Nachfrage ist es also dringend notwendig, zusätzliche Anbindungen zu schaffen.

Wolfgang Kittler vom Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZiV) stellte der Verbandsversammlung im Europasaal über dem Darmstädter Bahnhof die mögliche Vorgehensweise mit klarem Zeitplan vor. Berücksichtigt werden müssten Bau- und Betriebskosten sowie Nachfragewirkungen und neben der technischen Machbarkeit vor allem potenzielle Konflikte mit umweltschutzrechtlichen Regelungen. Bei dem „Riesenprojekt“, so Fleischmann, geht es um erhebliche finanzielle Mittel: In einer früheren Hochrechnung war von über 82 Millionen Euro die Rede. Folglich ist die zeitliche Planung wichtig, denn 2019 läuft das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz aus, das den Kommunen Mittel für die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zusichert - mit einer Förderquote von 70 bis 80 Prozent. „Und was danach kommt, das weiß keiner“, so Fleischmann.

Kittler konstatierte, dass die Führung der Straßenbahnlinie vom Luisenplatz zur Lichtwiese, von dort durch den Wald nach Roßdorf und auf der alten Bahntrasse weiter nach Groß-Zimmern wohl an naturschutzrechtlichen Hürden scheitern werde. Folglich blieben nur zwei mögliche Straßenbahnlinien, über die diskutiert werden könnte.

Bei der Straßenbahnverbindung von Darmstadt in den Ostkreis geht es um zwei jeweils 9,5 Kilometer lange Streckenvarianten, wobei das größte Problem im Bereich des Ostbahnhofs liegt. In Variante A ginge es per Unterführung auf die Trasse der ehemaligen Bahnlinie, Variante B würde der B 26 folgen. Beide würden bis zur alten Eisenbahnbrücke östlich von Roßdorf führen. Von dort ginge es um Roßdorf herum, im Osten an der B 38 könnte der Endpunkt sein.

Für die Variante mit Weiterführung auf der Bahntrasse zwischen Gundernhausen und dem Stetteritz hindurch bis nach Groß-Zimmern wären 14,5 Kilometer überwiegend über freies Feld zurückzulegen. Kein sehr guter Kosten-Nutzen-Faktor.

Problematisch wäre zudem die Querung der Darmstädter Straße und an der Grünen Mitte sei nicht genügend Platz für einen ÖPNV-Knotenpunkt. Dennoch dränge sich keine Variante unmittelbar auf, so Fleischmann. Er wehrte sich gegen Behauptungen, denen zufolge es bereits eine Vorentscheidung für die Straßenbahn mit Endpunkt in Roßdorf gebe und betonte, die nachvollziehbare und belastbare Empfehlung, basierend auf der vergleichenden Beurteilung sei „die vielleicht letzte Chance“.

Vertreter von CDU und FDP hingegen kritisierten, die Untersuchung sei keineswegs systemoffen, da weder Möglichkeiten einer Stadt-Land-Bahn noch die einer normalspurigen Eisenbahn einbezogen wurden.

Bereits im April soll nun die Bewertung nach Kriterien der Kosten-Nutzen-Rechnung beginnen.

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