Silos sichern kurze Wege für Ökogetreide

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Die technischen Finessen und weitere Vorteile der neuen Getreidespeicher wurden den anwesenden Bio-Landwirten und interessierten Gästen bei einem offiziellen Umtrunk genau erklärt.

Klein-Zimmern -  Silbern funkeln die neuen Getreidesilos in der Sonne. 1300 Tonnen können sie fassen, neben Gerste, Hafer, Roggen, Weizen und Dinkel sollen auch Mais, Bohnen und Erbsen eingelagert werden. Von Ulrike Bernauer

Ein Kriterium muss aber jedes Lagergut erfüllen: es muss biologisch angebaut sein.

Die Marktgesellschaft der Naturland-Betriebe hat das neue Getreidesilo gebaut. Es steht auf dem Land von Thomas Schaffer in Klein-Zimmern. Der junge Landwirt befindet sich mit seinem Betrieb zur Zeit in der Umstellungsphase auf biologischen Landbau und er wird selbstverständlich seine Ernteerzeugnisse auch im neuen Silo einlagern.

Der Klein-Zimmerner fungiert sozusagen als Verpächter des Grund und Bodens und wird die neue Anlage auch warten.

Für ihn gibt es nur Vorteile bei dieser Lösung. „Ich hätte sowieso ein neues Silo bauen müssen und die Wartung wäre mir bei eigenen Lagerstätten auch nicht erspart geblieben“, sagt er. Allerdings wird nicht nur Schaffer sein Getreide hier einlagern, dazu wäre die Lagerkapazität eindeutig überdimensioniert.

Die großen neuen Getreidesilos wurden am Dienstag auf dem Gelände des Birkenhofes feierlich eingeweiht. Foto: Bernauer

„Aus dem ganzen südhessischen Raum werden Bio-Landwirte ihr Getreide anliefern und lagern können“, sagt Landwirt Felix Prinz zu Löwenstein. Der hat schon länger Erfahrung mit dem Öko-Anbau und gehört zu den zehn Stammgesellschaftern von Naturland. „In unserer Gegend ist der Bio-Landbau noch nicht so sehr verbreitet wie in anderen Anbaugebieten. Wir sind eine reine Ackerbauregion. Auf Bio wird in Grünlandregionen schneller umgestellt als bei uns“, erklärt er. Dennoch hofft Löwenstein, dass sich auch in Südhessen mehr Bauern den Bio-Verbänden anschließen werden.

Die 650. 000 Euro teure Anlage, die am Dienstag am Rande einer Stammgesellschafterversammlung feierlich in Betrieb genommen wurde, bietet jetzt zumindest die Lagerkapazitäten. Mit einem zweifachen Umschlag pro Jahr, also nicht 1 300 Tonnen, sondern rund 2 500 Tonnen, rechnet Löwenstein im Jahr. „Der Vorteil eines solchen Lagers besteht nicht nur in der Aufbewahrung bis zum Verkauf, sondern wir können beispielsweise für die Mühle in Mannheim, die das Getreide dann verarbeitet, auch größere Partien zusammenstellen.“ Das sei ein großer Vorteil oder wohl fast ein Muss, wenn an Großmärkte wie Tegut geliefert wird.

Die Silos in Klein-Zimmern werden nicht alleine auf weiter Flur bleiben. Es sollen auch in anderen Regionen Lagerstätten für den Naturlandverband entstehen. Denn: „Bio bedeutet ja auch kurze Wege“, so Löwenstein.

Sicherheit bedeutet das neue Silo sowohl für den Naturlandverband als auch für die Öko-Bauern. Der Verband ist verpflichtet, die Erzeugnisse der Bauern zu einem festgelegten Betrag abzunehmen. Im Gegenzug sind die Landwirte verpflichtet, ihre Ernten beim Naturlandverband abzuliefern. Preisschwankungen können damit aufgefangen werden.

Sollte das Silo, das zu 35 Prozent aus Zuschüssen finanziert worden ist, in Zukunft zu klein werden, dann kann schnell Abhilfe geschaffen werden. 600 Tonnen Silokapazität könnten ohne neuerlichen Bauantrag noch zugebaut werden.

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