Was soll ich nur werden?

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Disziplin gehört bei Bundeswehr und Polizei zum Berufsbild. Strammstehen fällt vielen Schülern schwer.

Groß-Zimmern (bea) ‐ „Ich werde gewiss kein Erzieher“, das steht für Miles Günther aus der Gymnasialklasse 10a der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) fest. Beim Berufsparcours hat er sich an den Tisch mit dem Berufsziel Erzieher gesetzt und dabei vier von zwölf Fragen richtig beantwortet.

Auch vorher war der Gymnasiast nicht davon ausgegangen, dass er mal Erzieher wird, Miles weiß bis jetzt nur, dass er nach dem erfolgreichen Abschluss der zehnten Klasse weiterhin zur Schule gehen will. „Viele Jugendliche sind sich ihrer Fähigkeiten und Wünsche nicht recht bewusst“, sagt Simone Weiser, Sozialpädagogin in der Fachstelle Jugendberufswegebegleitung des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Dieses Nichtwissen hat gesamtwirtschaftliche Folgen. Rund 25 Prozent Abbrüche sind bei Ausbildungen die Regel. Das bedeutet eine starke Verunsicherung der Jugendlichen, hat aber auch finanzielle Folgen für die Unternehmen.

Ein Gerät zum Piepsen bringen, ist gar nicht so leicht, finden (v. l.) Lana Klindt, Nahal Karimi und Sara Binyam.

Mit einem niedrigschwelligen Angebot wollen wir den Schülern helfen, sich selbst und ihre Fähigkeiten besser einzuschätzen“, erklärt Weiser. Dabei werden Geschirrtücher gefaltet und in eine zugegebenermaßen sehr kleine Box gelegt, Anforderungen, die für eine Hauswirtschafterin oder Ingenieurin wichtig sind. Verdad Turic aus der G 10  hat sich diese Station ausgesucht, weil er so etwas ähnliches schon mal in einem Schülerjob gemacht hat. Eigentlich wollte er BWL studieren, „aber das machen sehr viele, da bin ich mir nicht mehr so sicher.“

Die meisten wollen nach dem Abitur studieren

Die meisten Gymnasiasten der neunten und zehnten Klassen wollen weiter zur Schule gehen und nach dem Abitur studieren. Lana Klindt, Nahal Karimi und Sara Binyam versuchen, einen Piepser anzuschließen. Das gelingt nicht so gut. „Wir wollen ja auch keine Elektriker werden“, sagen die drei Mädchen. Sie haben diese Station gewählt, weil hier Platz war.

Viele Schüler werden in ihrer Auffassung von ihren Vorlieben und Fähigkeiten bestätigt, so mancher erlebt aber auch eine Überraschung. Beim Bundeswehrtest geht es um die Disziplin. Sieben Minuten müssen die Schüler mit Kappe auf dem Kopf strammstehen. Eine Übung, die nicht alle schaffen.

Bei manchen steht der Berufswunsch schon fest

Yaren Celebioglie will zur Polizei, die Disziplinübung hat die Schülerin noch nicht hinter sich gebracht. Sie weiß allerdings, dass sie sich für ihren Wunsch noch anstrengen muss. „Ich muss das Abi schaffen“, sagt die Hauptschülerin. Deshalb will sie den qualifizierten Hauptschulabschluss machen und dann weiter zur Schule gehen. Realschülerin Vanessa Krämer findet den Berufsparcours gut. Sie hat bei einem Praktikum vor kurzem im Kindergarten Nordring den Beruf der Erzieherin näher kennengelernt.

Gymnasiast Alexander Toth bastelt an einer Knet-Rose. Was er da macht, interessiert ihn nicht wirklich, sein Berufswunsch steht fest: „Ich fotografiere gerne und gestalte am Computer, deshalb ist mein Studienwunsch Kommunikationsdesign“, sagt er.

Schulen müssen sich für den Parcour bewerben

Dass die Übungen dennoch hilfreich zur Selbsteinschätzung sein können, erkennen die Schüler am Ende des Parcours. In eine Laufkarte tragen sie für alle Stationen, die sie geschafft haben, 25 sind es an der Zahl, Punkte ein. Miles, der als Erzieher nicht so gut abschnitt, hat die volle Punktzahl beim Dachpfannenwerfen, hilfreich für den Beruf des Dachdeckers.

Beim anschließenden Nachbereitungsgespräch in der Klasse können die Schüler noch einmal über ihre Erfahrungen reden und Kritik loswerden. Am Parcours, der nun schon ein halbes Jahr durch die Schulen des Landkreises tourt, wurden auch schon einige Veränderungen vorgenommen. „Die Krankenpflegestation wurde neu aufgenommen“, erklärt Alex Jakusch, der das niedrigschwellige Angebot zur Berufsfindung vor Ort leitet. Insgesamt nehmen die Schüler den Berufsparcours gut an. Der kommt nicht automatisch an die Schule, sondern die Bildungseinrichtung muss sich bewerben.

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