Heinrich Nelius ist tot / Groß-Zimmern trauert um den Begründer des Lokal-Anzeigers

Vom Spätheimkehrer zum Zeitungsverleger

Heinrich Nelius beim 50-jährigen LA-Jubiläum. Foto (Archiv): wd

Groß-Zimmern - Mehr als Ortsbekannt ist Heinrich Nelius in Groß-Zimmern. Der Begründer des Lokal-Anzeigers wird durch sein Lebenswerk wohl für immer unvergessen bleiben. Heinrich Nelius starb am Mittwoch im Alter von 91 Jahren.

Am 17. Dezember 1920 kam er in Groß-Zimmern zur Welt. Nach der Schule lernte er Buchdrucker und Lektor. Es folgten der Krieg und eine lange Gefangenschaft. Ende 1944 heiratete er die Groß-Zimmernerin Philipine Held, später kam zum Glück Sohn Hans-Jürgen hinzu.

„Als Spätheimkehrer sah und stellte man damals fest, wie weitgehend sich Ende 1949 auch das graphische Gewerbe verändert hatte. Setzmaschinen und schnelllaufende Druckmaschinen standen in den Druckereien. Nach neuneinhalb Jahren hatte man noch Glück, sich in einem Adressbuchverlag als Schriftsetzer mit den Neuerungen und Entwicklungen vertraut machen zu können“, schrieb Nelius zum 50. Jubiläum des Lokal-Anzeigers 2002. 1952 wurde in Roßdorf in einem Schuppen eine alte Druckmaschine entdeckt. Freund Arthur Held machte die Maschine druckreif. Die Anschaffung der Buchstaben, der Bleitypen, war ein verhältnismäßig teure Angelegenheit. Sie wurde mit einem Kleinkredit vorerst gelöst.

Die Grundlage für seine Druckerei in Selbstständigkeit und damit der Wunsch nach einem Verlag, waren fürs Erste vorhanden. In der Petersgasse wurde der Raum einer stillgelegten Schreinerei gemietet. Mit Rudolf Angermeier, dem Herausgeber eines hektographierten Informationsblattes, wurden Verbindungen aufgenommen. Druckerei und Verlag hatten bald eine zufriedenstellende Entwicklung. Schriften, moderne Maschinen und wichtige Einrichtungen konnten angeschafft werden.

Einem Hausanbau in der Friedensstraße folgte der Umzug aus der Petersgasse, und acht Jahre später kam der Bau eines Betriebsgebäudes in der Lebrechtstraße.

Die historische Ortsgeschichte war schon zu Beginn ein Steckenpferd von Nelius. Er schrieb die längere Artikelserie „Gang durch die Jahrhunderte“, die großen Anklang in der Bevölkerung fand, ebenso wie Themen zu den Kirchenverhältnissen im Laufe der Jahrhunderte, über den Wald und die Feuerwehr. Eingehend berichtete er über Gemeindevertretersitzungen und Haushaltspläne sowie über Investitionen der Gemeinde. Der Sport war dem engagierten Ringer immer sehr wichtig.

Auch in der Kommunalpolitik war Nelius aktiv. Neben den Volksparteien entstanden in den 60er Jahren Bürgervereinigungen, so etwa die Wählervereinigung WVG. Sie zog 1964 mit dem Herausgeber des Lokal-Anzeigers als Spitzenkandidat in den Wahlkampf. Nelius errang 21,3 Prozent der Stimmen, die SPD gewann mit 43,8 Prozent. Als erfolgreicher Unternehmer stand Nelius auch einige Zeit der Groß-Zimmerner Volksbank vor. Und er war natürlich Mitglied in vielen Vereinen, die kostenlosen Vereinsnachrichten wurden von ihm eingeführt. Sie gibt es auch noch beim heutigen Verlag, was nur bei wenigen Orts- und Stadtzeitungen der Fall ist. Nicht vergessen werden sollten die Veröffentlichungen der humorvollen Beiträge des „Gänseflitsch“.

Viel Wissenswertes sollte in insgesamt 38 Jahren folgen. Die Vielfalt der Zeitung erforderte entsprechenden Einsatz. „Hauptaufgabe war und blieb immer, der Bevölkerung etwas geben und in voller Meinungsfreiheit dem Einzelnen zu dienen“, schrieb Nelius.

Im 70. Lebensjahr gab der Gründer des Lokal-Anzeigers 1990 „das Blättchen“ ab. Das Weiterbestehen als Ortszeitung stand dabei im Vordergrund. Bei Dr. Udo Bintz von der Offenbach-Post, der bereits den Dieburger Anzeiger erworben hatte, kam der LA in beste Hände, zumal so beide Heimatzeitungen in einem besonderen Verlag, dem „Dieburger Aneiger GmbH & Co.“ zusammengelegt wurden. Unter dem Namen „Groß-Zimmerner Lokal-Anzeiger“ erscheint die Zeitung seit 22 Jahren weiter.

Gerne und viel ist Heinrich Nelius mit seiner Ehefrau gereist. „Am liebsten in die Berge“, berichtet der Neffe Heinz Held und ergänzt: „Energie und Kraft dafür meinte er, im Frankenwein aus dem Bocksbeutel gefunden zu haben.“

‹ Die Beerdigung findet am Donnerstag, 12. April, um 13.30 Uhr auf dem Groß-Zimmerner Friedhof statt.

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