Spanier für die Backstube

„Mit denen arbeiten, die wir haben.“/ Paten helfen Jugendlichen bei der Ausbildungsplatz-Suche.

Groß-Zimmern - Der Fachkräftemangel schlägt sich auch in Groß-Zimmern allmählich nieder. Während die Firmen zunehmend Schwierigkeiten haben, Personal zu finden, profitiert eine andere Gruppe davon, nämlich die Jugendlichen, die es auf dem Ausbildungsmarkt bisher schwer hatten. Von Ulrike Bernauer

„Die demographische Entwicklung macht sich auch bei uns bemerkbar“, sagt Klaus Nennhuber, Vizepräsident der Handwerkskammer Rhein-Main und Zimmerner Bäcker. Er hat in seiner Backstube zwar auch in diesem Jahr wieder eine Lehrstelle besetzt, der neue Lehrling ist allerdings schon 22 Jahre alt. Über eine Eingliederungsmaßnahme kam er in die Bäckerei, ein halbes Jahr hatten Auszubildender und Meister Zeit sich kennen zu lernen.

Insgesamt will der Bäckermeister in Zukunft neue Wege gehen. Er ist der Meinung: „Wir müssen mit den jungen Menschen arbeiten, die wir haben.“ Und sieht sich darin auch von vielen Politikern bestätigt.

Nennhuber kann sich gut an das Jahr 1975 erinnern, als er Obermeister wurde. Damals sei die Ausbildungssituation ähnlich wie heute gewesen. Der Zimmerner denkt dabei auch europäisch: „In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit aktuell bei 56 Prozent. Wir müssen uns Wege überlegen, wie wir auch solchen Jugendlichen Chancen verschaffen.“

Von einer Entspannung der Lage auf dem Ausbildungsmarkt berichtet auch Klaus Roth. Er ist einer der Zimmerner Paten, die Jugendliche bei der Lehrstellensuche unterstützen. „Auch Jugendliche mit nicht optimaler Qualifikation finden eher einen Ausbildungsplatz. Sie haben im Moment bessere Chancen“, so Roth. Sein „Patenkind“, ein Hauptschüler mit Migrationshintergrund, wird demnächst in einem Zimmerner Markt eine Ausbildung zum Bürokaufmann beginnen. „Der junge Mann weiß allerdings ganz genau, was er will“, berichtet Roth, der sich über den hohen bürokratischen Aufwand bei der Lehrstellensuche empört. „Die jungen Leute können die vielen Ämtergänge in dem Alter noch gar nicht alleine bewältigen“, sagt Roth, der auch einen großen Wirrwarr zwischen den einzelnen Behörden konstatiert.

Von mangelndem Selbstbewusstsein vieler Schulabsolventen weiß dagegen Pate Ralf Oesswein zu berichten. „Die Jugendlichen lassen sich von Stellenbeschreibungen und Ausbildungsplänen abschrecken, die oft kaum zu überschauen sind.“ Es gelte diese jungen Menschen zu stärken und ihnen klar zu machen, dass sie etwas können. „Früher nahm ein Geselle einen Lehrling unter seine Fittiche und half ihm durch die Ausbildungszeit, das geht heute aufgrund der Arbeitsbelastung gar nicht mehr“, kritisiert Oesswein die Situation in vielen Betrieben. „Wir haben so viele junge Leute mit guten Potenzial, die können wir nicht im Stich lassen.“

Für Pate Peter Urban besteht die hauptsächliche Arbeit in der Klärung, welche Ausbildung für seinen Schützling am besten ist. Zudem hat der ihm anvertraute Hauptschüler große Schwellenangst, die sich nicht nur auf persönliche Bewerbungsgespräche erstreckt, sondern bereits beim Verfassen von Bewerbungsschreiben bemerkbar macht. „Wir üben jetzt schon mal einen Lebenslauf und Bewerbungen zu schreiben“, sagt Urban. Auch wenn sein „Patenkind“ noch ein wenig Zeit hat, nachdem es sich entschieden hat, zunächst ein Berufsbildungsjahr zu absolvieren.

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