Spannende Kirchennacht

+
Märchenerzählungen und Gospelkonzert, Meditation und Bibelkochkurs, Lichterandacht, Trommeldonner und vieles mehr eröffnen dem Publikum Kirche in unterschiedlichsten Facetten.

Groß-Zimmern ‐  Immer schmäler und steiler wird der Weg bis in die Spitze des Turmes. Bei den drei mächtigen Glocken der evangelischen Kirche muss ein Zwischenstopp eingelegt werden, die kleine Besuchergruppe hält sich die Ohren zu, als das Geläut machtvoll erklingt. Von Ursula Friedrich

Die Turmbesteigung ist der spektakulärste Programmpunkt in der zweiten „Nacht der offenen Kirche“, die Aussicht ins Umland, rund 55 Meter über Straßenniveau, ist atemberaubend. „Ich habe ein bisschen weiche Knie bekommen“, gesteht Kerstin Kubesch, Gemeindepädagogin des evangelischen Dekanats. Gemeinsam mit Dekanatsjugendreferent Dieter Stab, den beiden Geistlichen Michael Fornoff und Michael Merbitz-Zahradnik hat die junge Frau den Kirchentag organisiert, unterstützt von vielen Helfern der Gemeinde.

Kirche einmal anders erleben

Über neun Stunden Programm werden den Besuchern geboten. Spannend, abwechslungsreich, verblüffend neu und anders. Märchenerzählungen und Gospelkonzert, Meditation und Bibelkochkurs, Lichterandacht, Trommeldonner und vieles mehr eröffnen dem Publikum Kirche in unterschiedlichsten Facetten. „Ziel ist es, Kirche einmal anders zu erleben, als Ort wo gelacht werden kann, man Spaß hat und kommunizieren kann“, so die Helfer der Gruppe Nexus - einem ehemaligen Gemeindeprojekt junger Leute, das nun eine Renaissance erfährt. Für hungrige Gäste halten die jungen Leute Bratwurst, Brezeln und Getränke bereit.

Die Teilnehmer des Kinderprogramms lassen die Gastronomie wie zu Lebzeiten Jesu aufleben. Nüsse werden zermahlen, mit Honig gesüßt zu Äpfeln gereicht, Falafel im Zelt gekocht - nur der Gaskocher gehört zum moderneren Kücheninventar, er ist eine Leihgabe der Pfadfinder.

Es wurde gesungen, getrommelt, geklatscht

Beim Gottesdienst mit dem Gospelchor unter Leitung von Rainer Geitl hält die Popband „Abba“ Einzug ins Gotteshaus, Besucher singen und klatschen mit. „Wir bieten heute mal eine ganz andere Art Kirche zu erleben“, so Pfarrer Michael Fornoff. Auch die Chöre und Trommler der Schule im Angelgarten sowie der Albert-Schweitzer-Schule bereichern die musikalische Bandbreite.

Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik mit jungen Besuchern in luftiger Höhe auf dem Kirchturm.

Stimmungsvoll wird es mit Einzug der Dämmerung. Kantor Ulrich Kuhn (Trompete), Erich Daub (Orgel) und Gerhard Schlepper (Horn, Klarinette) intonieren ein fulminantes Konzert. Noch einmal dürfen Besucher die luftigen Höhen des Turmes ersteigen, der neben dem Fundament und Absiss der Kirche zu den ältesten Teilen anno 1475 zählt. Das Kirchenschiff sei jünger, so Pfarrer Fornoff, entstamme dem 17. Jahrhundert. Hier sammeln sich Gläubige zur stimmungsvollen Lichterandacht. In die Welt der Volksmärchen dürfen auch Erwachsene zu später Stunde eintauchen, Geschichtenerzähler Gerrit Langenbruch lauschend.

Kirche in dieser Form als Erlebnisort zu zeigen, wird in Groß-Zimmern zum zweiten Mal geboten. „Wir möchten zeigen, was Kirche alles sein kann“, so Kerstin Kubesch. Ihre Vision für die Zukunft: Auch andere Gotteshäuser im Dekanat sollen ihre Pforten für eine facettenreiche Nacht der Kirchen öffnen.

Kommentare