Sparsames Haushalten

+
Riesenlauscher beim Vortrag. Der fränkische Bürgermeister Jürgen Spahl trug den Fünf-Millionen Schuldenberg ab.

Groß-Zimmern (ula) ‐ „Nichts ist so gut, dass es nicht besser zu machen wäre“, hat sich Peter Urban, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, auf die Fahne geschrieben. Insbesondere das (wachsende) Drei-Millionen-Euro-Loch im kommunalen Haushalt dürfte die Zimmerner Politiker in den kommenden Jahren fordern.

Warum nicht über den Tellerrand gucken? Jürgen Spahl, seit 1996 Bürgermeister im fränkischen Rednitzhembach, hat das schier Unmögliche gemeistert: den fünf-Millionen-Euro-Schuldenberg abgetragen und die Bürger von Abgaben entlastet. Hexenwerk? „Der Weg war: Wir haben überall gekürzt, nur im sozialen und kulturellen Bereich die Ausgaben erhöht“, so der fränkische Gast, der kürzlich im Glöckelchen vor seinem erwartungsvollen Publikum seine Erfolgsstrategie offenbarte.

„Im Prinzip gibt es nur drei Möglichkeiten“, so Spahl: „Mehr Schulden machen, die Einnahmen erhöhen oder die Ausgaben senken.“ Er entschied sich für das zuletzt Genannte. Mit Erfolg. Während die Einwohnerzahlen Dank guter Kinderbetreuung vom Hort bis zur Ganztagsgrundschule sowie guter Kulturangeboten in knapp fünfzehn Jahren von 6554 auf 7286 Einwohner kletterten, sank die Pro-Kopf-Verschuldung von 1520 Euro auf Null. Öffentliche Gebäude wurden saniert, das Arbeitsplatzangebot auf 1400 Jobs hochgefahren, die Investitionsmarke gilt im Umkreis als die Höchste.

Wer pünktlich das Büro räumt, hat verloren

In seinem erfrischenden Vortrag wurde klar: alt eingefahrene Muster haben abgedankt und wer auf die Uhr schaut, um pünktlich zum Dienstschluss das Büro zu räumen, ist auf der Verliererspur. Innovative Ideen, unpopuläre Entscheidungen, Flexibilität und das Wissen, dass viele Köche manchmal den Brei verderben, führten die kleine Gemeinde bei Nürnberg aus der Schuldenfalle. Wo Einsparungen möglich seien würde oft vorab in kleinen Projektgruppen erörtert, um „die Dinge nicht zu zerreden“. Der Gemeinderat könne später immer noch zustimmen, so der Erfolgsbürgermeister. Auch bei dem Verkauf von Gewerbeflächen setzt er auf kleine Gremien und hohes Tempo.

Zu der Baulandbesichtigung mit einem Firmenchef (der Termin war zwei Stunden zuvor telefonisch vereinbart) wurde der Notar mit allen notwendigen Unterlagen gleich mitgebracht.

Motivation sei die Losung in der Verwaltung. Hier wurde Personal sozialverträglich abgebaut, die Anzahl der vollen Stellen zu Gunsten von Teilzeitstellen reduziert und vor allem: Mitarbeiter nach Fähigkeiten und Kompetenzen neu eingesetzt. Die jährliche Einsparungen lägen bei 500.000 Euro, berichtete Spahl, dessen Kerntruppe 45 Mitarbeiter zählt.

Gemeinderatstreffen im Internet

Auch am Unterhalt von Gebäuden wurde erfolgreich gespart. Unsinnige Verwaltungsaufgaben wurden an Fremdfirmen vergeben.

„Zum Beispiel das Reinigen der Sinkkästen durch den Bauhof, seitdem ist außerdem der Krankenstand gesunken“, erzählte der Verwaltungschef schmunzelnd. Vieles klang simpel, scheint jedoch der Erfolg zähen Ringens und unermüdlichen Einsatzes. „Ich kann Ihnen nicht sagen wie sie ihre Schulden abbauen“, so Jürgen Spahl zum erwartungsvollen Publikum, „aber vielleicht gibt es Parallelen.“ Effizienz und fruchtbare politische Streitkultur könnten auch in ein Gemeindeparlament getragen werden, das die Geschicke der Kommune ja letztlich lenkt: Ob das Rednitzhembacher Modell auch in Zimmern Schule macht?

Das Treffen des Gemeinderats können die Bürger dort live im Internet miterleben (die Zuschauerzahlen liegen zwischen 300 und 600). Der Effekt: „Unsere Sitzungen sind kürzer geworden, es gibt inzwischen keine Beschimpfungen mehr – und die Kommunalpolitiker sind besser angezogen.“

Kommentare