Spiele kennen keine Sprachgrenzen

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Im Kindergarten Wichernweg haben weit über die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund, in keiner anderen Einrichtung Groß-Zimmerns liegt der Anteil so hoch. Legespiele sind Bestandteil der besonderen Sprachförderung.

Groß-Zimmern - „Kopf, Schulter, Brust, Bein“,singen und tanzen die Kinder zur Begrüßung im Wichernweg. Dann werden Karten aufgedeckt. „Nasche“,wiederholt Hakan zögerlich und fasst sich mitten ins Gesicht. Langsam aber sicher lernt der Vierjährige die deutsche Sprache, mit seinen Freunden im Kindergarten kommt er bereits sehr gut klar. Von Gudrun Fritsch

„Kommen Kinder aus der Ferne hier in die Bildungsferne?“,fragte der LA, nachdem kürzlich das Berlin-Institut unter dem Titel „Ungenutzte Potenziale“ eine Analyse „Zur Lage der Integration in Deutschland“ veröffentlicht hat. Als erstes wurde eine Bestandaufnahme in der Gesamtschule gemacht, nun wird auf die Situation in den Kindergärten eingegangen.

Gut zwölf Prozent der Menschen in Groß-Zimmern sind auf dem Papier Ausländer, wesentlich mehr haben einen Migrationshintergrund: Sie gehören zu jenen Einwohnern, deren Familien seit 1950 zugewandert sind oder die ein Elternteil ausländischer Herkunft haben.

In den Kindergärten wird besonderer Wert auf die Sprachentwicklung der Kleinen mit Migrationshintergrund gelegt. „Wir haben Kinder aus aller Herren Länder“,berichtet Nicole Schild, Leiterin des Kindergartens Wichernweg. Erzieherin Hildegard Ruzicka hat sich weitergebildet und erteilt zweimal wöchentlich je acht Kindern besonderen Förderunterricht. Mit Gesang, Legekarten und anderen Materialien werden Begriffe aus dem alltäglichen Leben vermittelt. Ähnlich geht man in den anderen Kitas vor. „Diese zusätzlichen Stunden werden von Land und Bund bezuschusst“, erklärt Schild. Dass die Pädagoginnen aus den eigenen Reihen stammen, sehen alle sehr positiv. „Besonders für die Kinder ist es gut, wenn sie nicht noch eine weitere Person kennenlernen müssen“, meint Ruzicka, die so bereits seit fünf Jahren im Einsatz ist.

„Eigentlich sind die Kinder unproblematisch“ , berichtet Schild und meint damit auch die Deutschen, denn: „Spiele kennen keine Sprachgrenzen. Die nonverbale Kommunikation funktioniert besonders gut im Kindergartenalter und die Kleinen helfen sich sehr gerne gegenseitig. Wir legen großen Wert darauf, dass niemand ausgegrenzt wird.“

Neben der Sprachförderung werden gerne auch Projekte durchgeführt. Über das Kennenlernen der unterschiedlichen Feiertage oder Traditionen will man die verschiedenen Kulturen einander näher bringen. So wird im Wichernweg derzeit ein internationales Sommerfest geplant.

Schwierig sehen die Kindergärtnerinnen die Vorlaufkurse an den Schulen, die Vorschulkinder mit geringen Deutschkenntnissen besuchen sollten. „Wenn beide Eltern berufstätig sind, klappt das mit dem Bringen und Holen nicht“,so Shirin Mudroch, Leiterin im Hörnertweg. Sie hofft auf kleinere Gruppen und mehr Personal. Besonders gefördert werden müssten ihrer Meinung nach die Kinder unter drei Jahren, denn: „Die lernen ja erst richtig reden“. Fünf der 15 Kleinen in der U3-Gruppe können kaum Deutsch und „dieser Anteil wird nicht weniger. “

In Groß-Zimmern leben 14 238 Menschen aus 79 Nationen, 1 726 haben keinen deutschen Pass. Wieviele Menschen in der Gemeinde die doppelte Staatsbürgerschaft haben, ist unbekannt.

Die Zahl der Bürger mit so genanntem Migrationshintergrund liegt viel höher, weil viele in Deutschland geborene Kinder von Ausländern gleich den deutschen Pass bekommen. Die Integrations-Studie des Berlin-Instituts merkt dazu an: „Ein Pass beseitigt nicht automatisch alle Integrationsprobleme.“

Die hier heimisch gewordenen Ausländer sind jünger als die deutsche Bevölkerung. Jeder fünfte ist unter 16 Jahren. Dieser Altersgruppe gehört in Groß-Zimmern nur jeder sechste mit deutscher Staatsangehörigkeit an.

Vier Gemeindekindergärten, zwei konfessionelle und eine private Elterninitiative gibt es in Zimmern. Den Gesamtzahlen stehen folgende Anteile von Kindern mit Migrationshintergund gegenüber: Wichernweg: von 90 Kindern 50, Hörnertweg: von 90 Kindern 40, Nordring: von 80 Kindern 22, Blumenstraße von 38 Kindern 3. Ähnlich wie im Hörnertweg ist der Anteil bei den konfessionellen Kitas.

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