Friedensschule sucht Lesepaten

Spielerisch den Spaß am Lesen vermitteln

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In der Schulbibliothek der Friedensschule schauen sich Petra Köster von den Lesementoren, die beiden künftigen Leselernhelfer Jürgen Kämmer und Ingrid Reinhard sowie Schulleiter Axel Pucknat (von links) einige Bücher des umfangreichen Bestandes an.

Groß-Zimmern - Geschätzt gibt es wohl rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, die nicht in der Lage sind, einen längeren Text zu lesen, geschweige denn zu schreiben. Von Ulrike Bernauer

Die Zahl der Analphabeten ist erschreckend und was liegt näher, als diesem Problem im frühen Kindesalter entgegen zu wirken. Das dachte sich auch der Schulleiter der Friedensschule Axel Pucknat, als er vom Verein „Mentor – Die Leselernhelfer Hessen“ hörte.

In der Dieburger Marienschule kommen mit großem Erfolg schon Lesementoren zum Einsatz. „Auch wir haben Schüler mit Schwächen beim Lesen“, sagte Pucknat am Donnerstag, als er sein Projekt vorstellte. Mit dabei war Petra Köster, Mitglied des Vereins, die sich schon als Mentorin betätigt hat, jetzt aber ihr Hauptaugenmerk darauf gerichtet hat, die Idee weiter zu verbreiten. Die ist einfach: Lesementoren oder Lernhelfer treffen sich einmal pro Woche für eine Stunde mit einem Kind, das Probleme beim Lesen hat, und sprechen, spielen und lesen mit ihm. Da die Helfer ehrenamtlich arbeiten, kostet das Eltern oder Schule nichts.

Vier Groß-Zimmerner hat Pucknat schon für die ehrenamtliche Tätigkeit begeistert. Mit Ingrid Reinhard und Jürgen Krämer waren am Donnerstag zwei anwesend. „Ich habe eine Zeitlang die Schulbibliothek verwaltet“, erzählte Reinhard, „und das hat mir viel Spaß gemacht.“ Die Idee, Kinder mit Leseschwäche zu unterstützen, hält sie für eine prima Sache. Sie hat sich schon mit einigen Kindern der zweiten Klassen getroffen und mal geschaut, mit wem sie zusammen lernen könnte. Denn die Chemie zwischen Mentor und Schüler muss stimmen, sonst gibt es nicht den erhofften Lerneffekt.

Der ist meist schon nach einigen Monaten spürbar. „Oft haben sich die Schüler um eine ganze Note verbessert“, berichtete Köster aus ihrer Erfahrung.

Der Bedarf ist auch an der Friedensschule gewaltig. Den Lehrern sind 44 Kinder aufgefallen, die mit dem Lesen Schwierigkeiten haben. „Aus dem ersten Schuljahr sind es acht Kinder, aus dem zweiten 15, aus dem dritten fünf und aus dem vierten 16 Kinder“, sagte Pucknat. Die sollen nun alle in den Genuss von ganz persönlicher Zuwendung und Aufmerksamkeit durch den Mentor kommen, was bei insgesamt vier Lesepaten natürlich unmöglich ist.

„Wir suchen noch händeringend Lesementoren, die sich einmal die Woche für eine Stunde Zeit nehmen können, um mit einem Kind zu lesen“, appelliert Pucknat an die Bevölkerung. Von den Mentoren wird nur erwartet, dass sie wöchentlich zu einem mit ihrem Schützling fest vereinbarten Zeitpunkt an die Schule kommen. Dort wird für das Lesen ein Raum zur Verfügung gestellt.

Sinnvoll ist es, wenn die Lesestunde in einer Freistunde des Kindes oder direkt nach dem Unterricht stattfindet. „Das muss man dann individuell mit dem Schüler vereinbaren, abgestimmt mit dem Stundenplan“, so Pucknat.

Die beiden Lesementoren Reinhard und Kämmer freuen sich auf ihre Aufgabe.

Kämmer arbeitet schon länger ehrenamtlich in der Zimmerner Bücherei und hat auch dort viel Kontakt zu Kindern, die regelmäßig kommen.

Vor allem die Jungen sollen zum Lesen animiert werden, Mädchen haben da noch die Nase vorn.

Das wissen auch die Lehrer und die Schulleitung, und sie haben auch in anderer Form reagiert. „Wir haben eine Umfrage unter den Jungen gemacht, was sie gerne lesen würden, und haben daraufhin für unsere Schulbibliothek viele Bücher mit für Jungen interessanten Themen wie Superman, Piraten, Technik oder Fußball angeschafft“, sagt Pucknat. Ob die männlichen Schüler dann tatsächlich kommen, wird sich zeigen.

Wer sich vorstellen kann, einmal die Woche eine Stunde mit einem Kind zusammen zu lesen, der kann sich an das Sekretariat der Friedensschule wenden, unter s  06071 41544. Wer erst einmal mehr über den Verein „Mentor – Die Leselernhelfer“ wissen will, der kann sich bei Petra Köster melden, unter 06151/374974.

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