Cabaret Paris mit Geschichten von Geistern, Vampiren und Werwölfen

Spuk im Glöckelchen

Yvonne Vogel hielt es nicht auf der Bühne. Immer wieder trug sie den Grusel direkt ins Publikum.

Groß-Zimmern - Sehr viel Geistreiches gab es am Samstagabend im Glöckelchen zu hören und zu sehen. Ein wenig gruseln konnte es einem dabei und die Lachmuskeln wurden ebenfalls strapaziert. Von Ulrike Bernauer

Schon vor der Geisterstunde unterhielt Cabaret Paris sein Publikum mit viel Musik, aber auch gesprochenen Kabarettbeiträgen. .

Umgetextete Gassenhauer versetzten das Publikum im voll besetzten oberen Saal des Kulturzentrums in Begeisterung. Passend zum Thema war der Eröffnungssong „Bad Moon rising“, den Yvonne Vogel, Sängerin und Frontfrau des furiosen Musikkabaretts, mit viel Grusel in der Stimme zum Besten gab.

Erstaunlich, was der Chansonette zum Thema Geister, Vampire und Werwölfe so alles einfiel. „Man musste die Ganze Zeit mit dem Intellekt voll dabei bleiben“, sagte Friedrich Faust in der Pause, die offensichtlich auch die Geisterwesen benötigen, um wieder frisch zu sein. Wer nicht genau zuhörte, verpasste so manche der vielen Pointen und Anspielungen auf Filme, Bücher oder Musiker. „Man konnte sich überhaupt nicht unterhalten“, meinte Faust mit viel Schalk im Blick.

Unterhalten wurden die Zuhörer allerdings bestens von Vogel, die ihr Publikum - sei es von der Bühne aus oder auch mitten im Saal - bestens im Griff hatte. Neben dem Ohrenschmaus gab es bei diesem 13. Bühnenprogramm, das in Groß-Zimmern sogar Premiere feierte, auch eine Augenweide. Die opulenten Kostüme Vogels erwarten erfahrene Cabaret-Paris-Besucher mittlerweile schon regelrecht, aber auch die Herren hatten sich diesmal so richtig in Schale geworfen. Akkordeonist Jochen Bernhardt trat als Werwolf auf, Gitarrist und Sänger Jens Horn kam als Gerippe auf die Bühne (besonders sehenswert dabei die Brille, die mit zwei Gitarren eher an AC-DC erinnerte) und Holger Fehr, Gitarrist und Bassist, hatte sich als Vampir gruselig in Szene gesetzt.

In einer furiosen Bühnenschau, bei der Vogel diesmal nicht mit häufigen kleinen Kostümwechseln glänzte, dafür aber immer mal wieder neue Requisiten auf die Bühne zauberte, gab es einen rasanten Ritt durch Vampir- und Geistergeschichten. Texte von Kabarettisten und Sängern wie Friedrich Holländer oder Wilhelm Busch hatten die Musiker übernommen und aufgearbeitet, aber auch bekannte Titel von anderen Musikern umgedichtet.

Anne Boleyn, zweite Ehefrau König Heinrichs des VIII von England, geisterte über die Bühne, ebenso wie ein Nachtgespenst, das herumgeisterte, weil es nicht mehr Nacht für Nacht im Bett neben seiner Gattin verbringen wollte.

Auch die „Blutentnahmeschwester vom Roten Kreuz“ besang Vogel, welch Zufall - Bettina Gibson Altmann vom DRK Groß-Zimmern saß in der ersten Reihe.

Auch die Probleme der Vampire durch die „Vogel“-Grippe oder Karies und Zahnfleischschwund waren Thema.

Begeistert waren die Zuhörer vor der Pause, als Rio Reisers Melodie „Wenn ich mal König von Deutschland wär‘...“ ertönte. Vermischt mit Falcos „Kommissar“ sorgte der Song für Heiterkeitsausbrüche im Publikum. „Dra di net um, der Werwolf, der geht um“, sangen Horn und Fehr, während Bernhardt im Hintergrund ein Wolfsheulen ertönen ließ. Vogel hingegen ließ das Publikum an ihren Fantasien teilhaben, was sie alles machen würde, wenn sie ein Werwolf wär.

Ebenso furios war auch das Ende der Veranstaltung. Mit einem Lied der Gruppe „Die Ärzte“ lud Cabaret Paris zur Monsterparty und gab mit der Zugabe „Skeleton in the closet“ noch eins obendrauf.

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