Staatssekretärin besucht Angelgartenschule

Viel Lob für Vorlaufkurs

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Singen und spielen fördern das Sprechen. Der Vorlaufkurs soll Kindern den Schulstart erleichtern. Lehrerin Nadja Kasper zeigte am Dienstagmorgen, wie 90 Minuten Unterricht an der Schule im Angelgarten aussehen. Petra Müller-Klepper (2. v. r.), Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, nahm sich gut zwei Stunden Zeit. Rechts im Bild Schulleiterin Martina Goßmann.

Groß-Zimmern - Hoher Besuch an der Schule im Angelgarten in Groß-Zimmern: Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, nahm sich am Dienstagvormittag mehr als zwei Stunden Zeit, um sich mit Schulleiterin Martina Goßmann und Heide Heilos, Direktorin des Schulamtes, über die sogenannten „Vorlaufkurse“ an der Schule zu informieren. Von Jens Dörr

In ihnen können Kinder mit geringen Deutschkenntnissen noch vor Eintritt in die Grundschule vorhandene Sprachdefizite aufarbeiten. .

Wie das in der Praxis aussieht, zeigte Lehrerin Nadja Kasper vor dem Austausch der vier Frauen in 90 Minuten eindrucksvoll. Das Deutschförderangebot, das es in Hessen seit dem Schuljahr 2002/2003 gibt, weist eine hohe Erfolgsquote auf: 98,2 Prozent der teilnehmenden Kinder haben danach eine den Einschulungsanforderungen angemessene Sprachkompetenz. Was eng mit der Arbeit der Lehrer verknüpft ist: Kasper etwa leitete die Kinder, die nach dem täglichen „Vorlaufkurs“ am Morgen dank Abholgemeinschaften anschließend wieder in die KiTa wechseln, in ihrer Doppelstunde liebevoll und mit großer Geduld an.

Im Kreis werden zu Beginn Geschichten erzählt, ein Wunschlied gesungen und es wird gespielt. Auch das gemeinsame Frühstück steht auf dem Plan.

Die Handpuppen Mimi und Drago, Katze und Drache, kommen ebenfalls zum Einsatz, um die überwiegend aus türkischen und russischen Familien stammenden Kinder zum Sprechen zu animieren. „Wer erst nur mit einem Wort antwortet, soll nach und nach ganze Sätze mit Modalverben bilden“, nannte Kasper im Gespräch mit dem LA ein Beispiel. Statt einfach nur „Schokolade!“ könne es dann bald heißen: „Ich will Schokolade.“

Was banal klingt, hat klare Auswirkungen auf die spätere schulische Laufbahn. Die Teilnahme an den „Vorlaufkursen“ ist zwar freiwillig, weshalb nicht alle Eltern von Kindern mit Sprachdefiziten diese auch schicken. An der Schule im Angelgarten (SiA) sind es derzeit zwölf, einen „Vorlaufkurs“ gibt es auch an der Friedensschule. Rund zwei Dutzend Groß-Zimmerner, die ein Jahr vor ihrer Einschulung stehen, nehmen das Angebot jährlich wahr.

Sie erwerben in der Regel eine recht passable Kompetenz in der deutschen Sprache, wenngleich später die Schriftsprache noch einmal eine hohe Hürde darstellt. Zudem müssen diese Kinder seltener die erste Klasse wiederholen. Kinder mit Migrationshintergrund wurden vor 13 Jahren noch in mehr als jedem dritten Fall in Vorklassen „zurückgestellt“, also trotz entsprechenden Alters nicht in den regulären Unterricht gelassen. Heute betrifft das in Hessen „nur“ noch 17 Prozent dieser Schulanfänger.

In schulischen „Vorlaufkursen“ seien seit der flächendeckenden Einführung in Hessen nahezu 60 000 Kinder gefördert worden, berichtete Staatssekretärin Müller-Klepper am Dienstag. Im vergangenen Schuljahr seien es 8 000 Kinder in fast 1 000 Kursen gewesen. „DieSchüler kamen aus mehr als 90 Nationen“, so Müller-Klepper.

Statistisch betrachtet macht das acht Kinder pro Vorlaufkurs. Mit zwölf Schülern hat Lehrerin Nadja Kasper deutlich mehr Teilnehmer in ihrem Kurs. Insgesamt erhielt die Lehrerin im Nachgespräch für ihre Demonstration viel Lob von Müller-Klepper, Goßmann und Heide Heilos: „Wir hätten gerne einen etwas kleineren Kurs“, sprachen sie und Schulleiterin Goßmann unisono z vorsichtig an.

Andererseits wolle man natürlich kein Kind, dessen Eltern sich die Teilnahme wünschen, vom Vorlaufkurs ausschließen. Vor dem Hintergrund, dass an der Schule im Angelgarten der Kurs doch recht groß ist und Kasper somit logischerweise weniger Zeit für jedes einzelne Kind aufbringen kann, ist es nur ein schwacher Trost, dass Hessen die kleinsten Grundschulklassen aller westdeutschen Bundesländer hat.

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