Schulprojekt fördert Sozialverhalten und Gewaltprävention

Starkes Team: Alle stecken auf einer Decke

Teamarbeit: Die Decke, auf der die Kinder stehen, muss gewendet werden, ohne dass einer den Boden berührt. Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Eine schwierige Aufgabe haben die Kinder der Klasse 1b der Schule im Angelgarten (SiA) zu bewältigen. Sie sollen eine Decke auf die andere Seite drehen, auf der sie gerade selber stehen. Von Ulrike Bernauer

Das funktioniert nur mit Teamarbeit, wenn alle auf den Kapitän hören und alle wirklich zusammenwirken. Aber die Schüler schaffen die erst mal unlösbare Aufgabe. Sie stehen erst auf der orangenen Seite der Decke, dann auf der roten und fast keiner hat während dem Wendemanöver den Boden berührt.

Ein soziales Training „Stark im Team“ bei der Sozialpädagogin Maria Schiffner vom Institut für Gewaltprävention, Selbstbehauptung und Konflikttraining (I-GSK) durchlaufen die Erstklässler der SiA an diesem Freitagmorgen. Schon das dritte Mal ist Schiffner mit den Kindern zusammen, gestärkt werden soll der Klassenzusammenhalt und das Miteinander der Schüler soll positiver werden.

Dazu gibt es viele Spiele und Aufgaben zu bewältigen, in der ersten Stunde wurden allerdings auch feste Regeln aufgestellt. Bricht jemand diese Regeln, wie einer der Jungen, dann muss er Kniebeugen oder Liegestütze machen. Paul hat sich am Beginn für das Brechen einer Regel selbst 35 Kniebeugen verordnet und kommt jetzt ganz schön ins Schwitzen. Er hat die anderen nicht respektvoll angesprochen und muss deshalb besonders sportlich sein.

Beim Training geht es darum, anderen Raum zu geben, aber auch, auf sich selber zu achten. So soll jedes Kind dem anderen zuhören, beispielsweise, als sich die Kinder mit ihrem Namen und den Sachen, die sie besonders gut können, vorstellen.

Angelina kann besonders gut schwimmen und tanzen, Ramazan hingegen klettert toll und ist besonders gut dabei von der Schaukel abzuspringen.

Einen neuen Nachnamen können sich die Schüler für diesen Vormittag auch wählen. Dr muss mit dem ersten Buchstaben ihres Vornamens beginnen und eine Speise benennen. So heißen jetzt die Kinder Paprika, Döner, Erdbeere, Donauwelle oder Lolli.

Einem Jungen gefällt das nicht, doch das ist für Trainierin Schiffner in Ordnung. Die Kinder sollen sich zwar an die Regeln halten, aber keiner wird zu etwas gezwungen, was er absolut nicht will.

So darf ein Junge, der zu aufgeregt ist, auch auf die Vorstellung verzichten. „Wir machen jetzt erst mal eine Pause“, beruhigt Schiffner. „Vielleicht willst du dich später vorstellen.“ Es funktioniert, eine Viertelstunde später nennt Daniel seinen Namen und seine Stärken.

Das Training hat sich schon ausgewirkt, haben die Klassenlehrerinnen Barbara Nottarp und Chang Prochaska festgestellt. Das Miteinander der 18 Schüler ist besser geworden, es wird weniger gestritten und insgesamt ist es in der Klasse ruhiger geworden. „Wünschenswert wäre ein solches Training für alle Klassen“, sagt die Sozialpädagogin. Leider lässt sich das momentan nicht finanzieren. Deshalb wurden zwei Klassen ausgewählt, eine erste und eine dritte, bei denen man sich besonders viel Erfolg verspricht.

Zwar hat Schiffner ein klares Konzept für ihr Training, reagiert aber auch sensibel auf die Schüler. „Es zeigt sich immer, welches Thema in dieser Klasse brisant ist. Allerdings muss ich meine ganze Wahrnehmung auf die Kinder richten.“ Neben den Spielen geht es mitunter auch theoretisch zu. Gefragt werden die Schüler, warum sie nicht schlagen dürfen. Die Antwort folgt ganz einfach: „Wenn ich nicht geschlagen werden will, weil das weh tut, dann darf ich das auch bei anderen nicht tun.“

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