Margarete Grohe könnte jetzt Kronjuwelen-Jubiläum feiern

Statt auf die Kerb ging es in die Munitionsfabrik

Margarete Grohe zeigt ein Bild ihrer Goldenen Kerb. In diesem Jahr feiert sie sozusagen ihre Kronjuwelenkerb. - Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Margarete Grohe freute sich wie jedes Kerbmädchen auf ihr „Amt“. Auch wenn die Kerb im Jahr 1939 noch in einem ganz anderen Rahmen spielen sollte wie heute. Von Ulrike Bernauer

Mit den Kerbborschte hatte sie den Kranz gebunden und kichert heute noch bei der Erinnerung. „Mein Vater hatte Reben am Haus und am Schuppen, daraus hat er Wein gemacht, und den hat er ausgeschenkt. Die Kerbborschte waren ganz schön betrunken an diesem Abend.“

Die Freude war allerdings von kurzer Dauer. Kerbvadder Ludwig Lorz kam früher als verabredet und zudem nicht, um das Kerbmädchen abzuholen. Er hatte die Kerbrede auf die Bürgermeisterei gebracht, damit sie dort

Zensur gelesen werden konnte. „Das war unter Hitler so“, sagt

Grohe.

Der

Bürgermeister wollte die Rede aber gar nicht haben, um sie zu lesen, sondern er erklärte Lorz, dass die Kerb ausfallen müsse, weil die Generalmobilmachung anstehe. Der Kerbvadder hatte noch eine Flasche Sekt mitgebracht, und so betranken sich das Kerbmädchen und Lorz, anstatt die Kerb zu feiern, und vergossen bittere Tränen.

Für die Kerbborschte fiel dann nicht nur das Fest aus, sondern sie mussten in den folgenden Wochen in den Krieg ziehen. „Es sind viele gefallen“, erinnert sich Grohe an die düstere Zeit.

Auch sie hatte kein leichtes Schicksal. Sie musste zwar nicht an die Front, wurde aber ebenfalls einberufen. „Ich wurde dienstverpflichtet und musste   dann in einer Munitionsfabrik in Hessisch-Lichtenau arbeiten.“ Auch diese Arbeit konnte das Leben kosten. Als Grohe später nicht mehr dort arbeitete, wo die Granaten gepresst wurden, sondern im Büro, flog ein Teil der Fabrik in die Luft. 25 Arbeiterinnen kamen ums Leben.

Neben dem Grauen des Krieges markierte das Jahr 1939 dann auch erst einmal ein langes Aus für die Kerb. „Ich glaube erst im Jahr 1956 wurde danach wieder die erste Kerb gefeiert“, erinnert sich Grohe, die im Mai dieses Jahres 94 Jahre alt geworden ist. Bei ihr dauerte es noch länger, bis sie tatsächlich das Kerbmädchen war.

Erst bei der Goldenen Kerb im Jahr 1989 konnte sie ihr Ehrenamt ausüben. Stolz wurde sie begleitet von Kerbvadder Ludwig Lorz und konnte endlich in der Kutsche beim Kerbumzug mit fahren und zudem am Samstag den Kerbtanz mit eröffnen.

In diesem Jahr feiert sie ihre Kronjuwelenkerb, also die 75. Kerb seit ihrer Ernennung zum Kerbmädchen.

„Die Goldenen würden mich im Wagen mitnehmen, aber ich gucke den Umzug doch lieber von zu Hause aus“, sagt die 94-Jährige. Schließlich wurde sie erst vor kurzem an der Hüfte operiert.

Sie hätte auch keine Begleitung aus ihrem Jahrgang, denn die Kerbborschte sind inzwischen alle verstorben. auch Kerbvadder Lorz könnte ihr nicht mehr die Hand reichen. Tochter Rita Grohe hat es hingegen geschafft, Kerbmädchen zu werden.

Sie feierte 1978 ihr Fest der Feste und so finden sich im Fotoalbum nicht nur Fotos von der Goldenen Kerb von Margarete Grohe, sondern auch ein Foto von der Silbernen Kerb der Tochter.

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