Bester hessischer Landwirtschaftsazubi

Steffen Zöller lernt auf dem Dresselhof

Steffen Zöller (Mitte) prüft mit den Landwirten Jörg Dressel (links) und René Sander, ob die Kartoffel richtig liegt. - Foto: Bernauer

. Von Ulrike Bernauer

Groß-Zimmern - Nicht viel Aufhebens macht Steffen Zöller von sich. Dabei hätte der Landwirtschaftsauszubildenden der Landrat-Gruber-Schule (LGS) jeden Grund zum Feiern. Schließlich wurde gerade festgestellt, dass er Hessens bester Nachwuchslandwirt ist. Am 8. und 9. April setzte er sich gegen 25 Kollegen aus ganz Hessen durch.

Der 20-Jährige steht auch nach dem Unterricht an der Berufsschule auf dem Acker und lässt sich von René Sander; Kompagnon von Landwirt Jörg Dressel, das maschinelle Einlegen der Kartoffeln in den Boden zeigen. Die große Maschine muss genau eingestellt werden, damit die Kartoffeln in der richtigen Tiefe und im korrekten Abstand liegen und so die besten Voraussetzungen zum Wachsen haben.

Am besten löste Zöller bei der Prüfung die praktischen Aufgaben, dazu gehörte die Einstellung eines Düngersprayers und der Bau einer Viehtränke sowie die entsprechenden theoretischen Fragen sowie eine Präsentation. Hier sollten sich die Auszubildenden Gedanken machen, wie sich das Image der Landwirtschaft verbessern ließe. Zöller wird nun Hessen beim Bundesentscheid vom 3. bis 7. Juni im bayerischen Schwarzenach vertreten, wo er auf die Sieger der anderen Bundesländer trifft.

Auf die Frage: „Wie wird man bester Nachwuchslandwirt?“ antwortet Zöller: „Da müssen Schule, Interesse und Ausbildungsbetrieb passen, man muss aufmerksam sein und Spaß am Beruf haben.“ Er hat Abitur gemacht und muss deshalb nur zwei Jahre lernen. Im ersten Ausbildungsjahr war er auf einem Milchviehbetrieb im Odenwald, seit Sommer 2012 ist er beim Dresselhof in Groß-Zimmern . „Die Auszubildenden sollen ein möglichst großes Spektrum ihres Berufes kennenlernen, deshalb wechseln sie jedes Jahr den Betrieb“, erklärt der Ausbildende Landwirt Jörg Dressel.

Zöller kommt von einem landwirtschaftlichen Betrieb in Seligenstadt, dem Zöllerhof. Ackerbau, Milchkühe und einige Mastschweine gibt es auf dem elterlichen Betrieb. Getreide, Mais und Kartoffeln baut sein Vater an, deshalb war ihm etliches auf dem Dresselhof schon vertraut. Neu sind die Zuckerrüben, die gibt es auf dem Zöllerhof nicht. Auch im Odenwald konnte er einiges lernen, „der Betrieb hatte einen Melkroboter, den kannte ich noch nicht.“

Interessant ist für den Auszubildenden auf dem Dresselhof auch der Betrieb der Biogasanlage zur Energiegewinnung. Zwar hat Zöller auch schon zu Hause immer mit angepackt. „Aber daheim lernt man nicht so viel wie im Ausbildungsbetrieb, da steht die Schule im Vordergrund.“

Der künftige Landwirt will in diesem Beruf bleiben, allerdings wird er nicht so bald als Arbeitskraft auf den elterlichen Hof zurückkehren. Ein Studium der Landwirtschaft will er noch anschließen. Wo genau, das weiß er noch nicht. „Ich habe mich noch nicht an den Unis beworben,“ Sein Vater ist Vollerwerbslandwirt, da kann er nach dem Ende seiner Ausbildungszeit gut einsteigen.

Innovationen will er dann schon gerne einführen, aber was, das weiß er nicht noch nicht genau.

Jetzt will er sich erst einmal auf seine Prüfung konzentrieren. Als bester Nachwuchslandwirt wurde er durch einen von der Deutschen Landjugend in Kooperation mit dem Bauernverband veranstalteten Berufswettbewerb gekürt, der für alle Auszubildenden verpflichtend ist. Die ganz normale Prüfung folgt jetzt bald.

Im Pflanzenbau muss Zöller sein Wissen auf dem Acker beweisen, in der Tierhaltung wird er geprüft und die Theorie kommt auch nicht zu kurz.

Eine kleine Prüf-Lektion bekommt der Nachwuchslandwirt von seinem „Lehrherren“ Dressel am Rande auch noch verpasst. Dressel deutet auf einen benachbarten Getreideacker, dessen Pflanzen sehr licht stehen und eine gelbliche Färbung zeigen. „Eine Nährstoffanalyse des Bodens“, schlägt der Azubi vor, „weil die Pflanzen ganz offensichtlich irgendeinen Mangel haben.“

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