Kerbverein hilft bei Arbeiten

Steine vom Roten Platz fürs Denkmal

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Wie einst die Trümmerfrauen säubern die Helfer des Kerbvereins Pflastersteine vom Roten Platz. Sie sollen demnächst gesäubert und mit einem Schriftzug versehen zur Finanzierung des Kerbbrunnens verkauft werden.

Groß-Zimmern - Es ist bitterkalt am Samstagmorgen auf dem Roten Platz, der wohl bald einen anderen Namen erhalten wird. Die Bäume stehen nicht mehr und nun werden die ersten Steine entfernt.

Allerdings ist kein Bautrupp angerückt, der mit großem Gerät das Pflaster aufreißt, das dem Platz seinen Namen gegeben hat, sondern Helfer des Kerbvereins sind mit Pickel, Schaufel und Besen an der Arbeit. Trotz der Kälte schwitzen Johannes Mayer, David Fornoff, Thorsten Kröger, Ralf Knieriehme, Gunter Seib und Achim Rudolph, so dass einer zur Flasche Wasser greift. Die hat allerdings wohl die Nacht im Freien verbracht und das Wasser ist im wahrsten Sinne des Wortes eisgekühlt.

Die Steine auf dem Platz werden nicht nur herausgebrochen, sondern anschließend von Sand befreit und ordentlich auf eine Palette sortiert. Fünf Lagen mit jeweils 30 Steinen ergeben 150 Steine, dabei wollen es die Kerbborschte auch belassen. „Das kann man dann leichter handeln und Paletten haben wir genug“, sagt Mayer. Am Zeughaus werden die Steine dann gelagert. Demnächst sollen sie mit einem Schriftzug versehen und dann meistbietend verkauft werden. Die Auflage ist limitiert. „Voraussichtlich werden wir es bei 400 Exemplaren belassen“, sagt Thomas Beutel. Das Geld ist für die Finanzierung des Brunnens geplant, der den neu gestalteten Platz nach seiner Fertigstellung zieren soll.

Die Männer spucken trotz der Kälte noch einmal in die Hände und nach kurzer Zeit ist einer der Pickel hin. Allerdings wissen sich die Herren zu helfen: Die nächsten Steine werden mit dem Zimmermannshammer aus dem eisigen Sandbett geschlagen. Das geht gut, und da der Stiel aus Metall ist, kann er nicht brechen. Schneller als erwartet haben die Kerbborschte der verschiedenen Jahrgänge drei Paletten voll mit Steinen, eine vierte wird als Ersatz mitgenommen. Laut Bürgermeister Achim Grimm sollen die Kanalbauarbeiten auf dem Roten Platz am Montag, 16. Januar, beginnen. Bis dahin bleibe der Platz so wie er jetzt daliegt. Auch andere Bürger könnten sich bei Bedarf Pflastersteine holen, sagt der Verwaltungschef. Allerdings müssten sie sich die Steine selber holen, ansonsten werden sie entsorgt.

Empfang im Glöchelchenkeller

Am Sonntagvormittag trafen sich dann die Mitglieder des Kerbvereins im Glöckelchenkeller zum Neujahrsempfang. Sie sind es gewohnt, Thomas Beutel hinter dem Rednerpult zu sehen. Diesmal stand dort jedoch der neue zweite Vorsitzende, Michael Schulmeister, der auch gleich Bezug nahm auf die Neuerungen im Vorstand.

Zunächst entschuldigte er den Vorsitzenden Mark Pullmann, der im Urlaub weilt. Dann ging er auf die Änderungen ein. Beutel habe schon einige Zeit vorher angekündigt, dass er das Amt nicht mehr übernehmen werde und sich an sein Wort gehalten. „Zeit ist heutzutage ein sehr wertvolles Gut. Viele von uns haben nicht mehr so viel Zeit, das Ehrenamt im Verein so zu gestalten wie früher. Jeder hat Verpflichtungen, sei es im Beruflichen, Privaten oder in anderen Vereinen.“ Deshalb freute sich Schulmeister, dass es gelungen sei, die Arbeit im Kerbverein auf viele Schultern zu verteilen. 23 Personen stark ist nun der Vorstand und man sei sogar am Überlegen, ihn noch größer werden zu lassen. „Für 2018 steht der Gedanke im Raum, den Vorstand in Richtung Kinder- und Jugendarbeit zu erweitern“, sagte Schulmeister. Er freute sich auch, dass neben neuen Vorstandsmitgliedern auch die Vorgänger motiviert sind, weiter mitzumachen.

Der Höhepunkt 2016

Einer der Höhepunkte des Jahres 2016 sei die Teilnahme der Kerbumzugsgruppe am Festumzug des Hessentages in Herborn gewesen. Bei der HR-Sommertour hätten sich Kerbmädchen und -väter von ihrer besten Seite gezeigt. Dank Helmut Kriha habe man belegen können, dass es 2016 das 525. Fest in Zimmern war. Anlässlich dieses Jubiläums hatten einige Kerbväter einen historischen Marsch von Seeheim-Jugenheim nach Zimmern unternommen und brachten für das Fest die Puppe sowie den Wein mit. „Und 17 Blasen an den Füßen“, warf Beutel ein, wobei er aber nicht genauer ausführte, ob er die alleine mit nach Hause gebracht hatte oder ob die aller Kerbväter zusammengezählt worden waren.

Schulmeister sagte, er sei angesichts der Neugestaltung des Roten Platzes gespannt, wie die Kerb 2017 gefeiert wird. Er kündigte auch einige Aktionen des Vereins an, durch die das Kerbdenkmal, der Brunnen auf dem Platz, finanziert werden soll. Wer sofort etwas spenden wolle, dem stehe die Kerbsau zur Verfügung. „Da darf man auch ruhig etwas Größeres einwerfen“, regte der Ehrenvorsitzende Heinz Held an.

Bürgermeister Achim Grimm hatte dann noch Neuigkeiten zur Platzsanierung mitzuteilen. Die Fläche werde wohl bis zur Kerb fertiggestellt sein, so dass dort voraussichtlich gefeiert werden kann. Allerdings gelte das nicht für den Parkplatz an der Post, wo traditionell Reitschule, Autoskooter und andere Stände aufgestellt werden. Er habe aber mit dem Vorsitzenden Pullmann einen Termin vereinbart, bei dem man über alternative Standorte reden wolle. „Wir Zimmerner sind ja flexibel, deshalb können wir auch so gut Kerb feiern“, sagte Grimm.

Viel Applaus gab es nicht nur für die Redner, sondern auch für die Sternsinger, die das Segenszeichen anbrachten. Ihr Becher war am Ende der Runde durch den Gewölbeteller gut gefüllt. Für Kenia waren die Sternsinger an diesem Wochenende deutschlandweit und auch in Zimmern unterwegs. (bea)

Winterlandschaft in weiten Teilen Deutschlands

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