Sterben ist unberechenbar

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Längst nicht alle Gräber werden auf dem Friedhof in Groß-Zimmern genutzt.

Groß-Zimmern -  Kürzlich diskutierten die Parlamentarier im Rathaus über „Gebührenanpassungen“ für Abwasser und die Friedhofsnutzung. Für die beiden hochkomplizierten Rechnungsmodelle hatte die Unternehmensberatung „Kalus Control“ Entwürfe vorgelegt. Von Gudrun Fritsch

Während bei der Festsetzung von Oberflächen- und Brauchwassergebühren in erster Linie kritisiert wurde, dass die zu Grunde gelegten Zahlen von 1996 hinsichtlich versiegelter Flächen, Straßen oder Hausanschlüssen absolut veraltet sind, wurde beim Friedhof bald klar, dass Sterben unberechenbar ist. Es gibt kaum verlässlichen Fallzahlen über Aufbewahrung, Bestattung oder Nutzung des Friedhofs, geschweige denn Prognosen, wie viele Menschen in den nächsten Jahren in der Gemeinde das zeitliche segnen und folglich auch bestattet werden. „Am besten gar nicht sterben“, brummelte Erich Keller von den Grünen, verzweifelt über dem wirren Zahlenwerk grübelnd. Bald stellte sich heraus, dass es nicht nur ihm so ging.

Im Rathaus hatte man nämlich vergessen, den Entwürfen das Blatt über die Kostenträger beizufügen, auf die sich die Berechnung mit vierstelligen Zahlen bezog.Nachdem dieses kopiert und verteilt war, erläuterte André Kalus das komplizierte Zahlenwerk, in dem auch moderne Trends wie etwa Baumbestattungen berücksichtigt werden. Für diese Leistung lobten ihn einige Parlamentarier. Auch Claus Rosendahl (SPD) merkte an „Die Kalkulation gefällt mir“.Der Finanzfachmann kritisierte jedoch, dass in Zimmern niemals Fremdkapital für den Friedhof benötigt wurde. In der Berechnung sei dies jedoch bei der Verzinsung von Anlagenkapital recht hoch eingeplant.

Teilfläche als Friedwald

Auch könnte durch das Hervorheben des parkähnlichen Charakters ein Erholungseffekt berücksichtigt werden. Peter Eickhoff (Grüne) regte an, man könnte zudem eine Teilfläche als Friedwald aufforsten. Unklar blieb vorerst, um welchen Prozentsatz und in welchem Zeitraum die Gebühren erhöhrt werden sollten. „Wir werden darauf dringen, nur alle vier bis fünf Jahre neu zu kalkulieren“, so Rosendahl. Dass Gebührenerhöhungen für Kommunalpolitiker keine angenehme Sache sind, brachte die Vorsitzende der Gemeindevertretung Katharina Geibel (CDU) zum Ausdruck: „Wir wollen die Kosten klein Rechnen.“Zuletzt betonte Bürgermeister Achim Grimm, dass die Gemeinde ja ein Stelbstverwaltungsorgan ist. „Wir kommen auch schrittweise zu vernünftigen Lösungen“, kommentierte er zuversichtlich und verwies auf die weitere Beratung des Themas in den Ausschüssen. 

Am Montag steht im Planungs- und Umweltausschuss neben der Erweiterung der Kläranlage und der Umgestaltung der Alten Gartenstraße auch der Bebauungsplan für das St. Josephshaus auf der Tagesordnung. Außerdem wird es in einem Antrag der Grünen um den Vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Golfakademie“ gehen. Der Sozialausschuss wird sich am morgigen Dienstag (26.) mit der Aktion „Zimmern glänzt“ im Rahmen der Sozialen Stadt und mit Berichten der Jugendfeuerwehr befassen.Am Mittwoch diskutiert der Ortsbeirat Klein-Zimmern in erster Linie über örtliche Baumaßnahmen.

Im Haupt- und Finanzausschuss geht es am Donnerstag (28.) unter anderem um die Friedhofssatzung, den Beitritt zur kreisweiten Breitbandinitiative „NGA-Netz Darmstadt-Dieburg“. Die Ausschüsse tagen am Dienstag und Donnerstag im Erdgeschoss des Rathauses. Zur Sitzung am Montag sind zunächst alle Parlamentarier ins Obergeschoss eingeladen, da ein Vortrag zur geplanten Erweiterung der Kläranlage ansteht. Der Ortsbeirat trifft sich im Feuerwehrhaus Klein-Zimmern.Alle Sitzungen sind öffentlich, Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

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