Ihr stilles Örtchen steht auf der Bestenliste

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Tanja Bach ist stolz auf die Auszeichnung ihrer Gästetoilette.

Groß-Zimmern (me) ‐ Auch wenn der Welttoilettentag bereits Mitte November war, ist das stille Örtchen doch eigentlich immer ein top-aktuelles Thema. In den seltensten Fällen gelangt eine Toilette jedoch zu großem Ruhm – eine Ausnahme bildet da das Gäste-WC der Zimmerner Künstlerin Tanja Bach.

Durch ihr detailreiches und außergewöhnliches Design erzielte „Lillys Gästetoilette“ Platz 23 von 800 Projekten im Rahmen des europaweiten Wettbewerbes „Selbermacher des Jahres 2010“, den die Fachzeitschrift „DiY – selber machen“ ausgeschrieben hatte.

Weitere Informationen rund um die Objekte, die Tanja Bach gestaltet, erteilt die Künstlerin gern auch telefonisch unter  06071/72546.

Damit hat die Gersprenzgemeinde nun eine Attraktion im künstlerischen und praktischen Bereich mehr. Tanja Bach arbeitet in jeder freien Minute nicht nur an neuen Schmuckkreationen, sondern werkelt mit großer Leidenschaft auch in und um ihr „Blaues Haus“ im Zimmerner Ortskern, das sie liebevoll auf den Namen „Lilly“ getauft hat. Eines der letzten Projekte, die die Künstlerin im vergangenen Jahr erfolgreich abschließen konnte, war die Gestaltung der kleinen Toilette im Eingangsbereich des Hauses. „Lillys Gästetoilette“ – wie dieses stille Örtchen von Tanja Bach getauft wurde, war bereits im Rahmen des Kürbismarktes ein Geheimtipp unter den gebotenen Attraktionen: Wer die Kunstausstellung und den Edelsteinpfad im Reich der Zimmerner Künstlerin besucht hatte, nutzte die Gelegenheit, um der Keramikabteilung einen Besuch abzustatten – kam voller Begeisterung zurück und erzählte es weiter. So gab es zeitweise eine richtige Schlange, weil sich die Besucher das Gesamtkunstwerk Gästetoilette ansehen wollten.

„Kunst im Klo“

Ein absoluter Hingucker: Das Waschbecken ruht auf einem Damenbein.

„Ich war erstaunt und erfreut, dass gerade mein Klo auf so großes Interesse stieß“, berichtet Tanja Bach, die wenig später durch Zufall vom Wettbewerb „Selbermacher des Jahres“ erfuhr und sich, von so viel Zuspruch bestärkt, dafür mit „Lillys Toilette“ kurzerhand anmeldete. Inspiriert durch das Buch „Toiletten aus aller Welt“ gestaltete sie ein Fotobuch ihres stillen, aber stilvollen Örtchens, versehen mit näheren Beschreibungen zu den von ihr eingesetzten Techniken und Kunstelementen. Die Herausforderung war hier, auf engstem Raum etwas entstehen zu lassen, was faszinierend und gleichzeitig funktionell ist. Das Design, überwiegend in Schwarz-Weiß gehalten, kombiniert klassische und moderne Elemente miteinander. Auf kleinstem Raum – nämlich 80 Zentimeter breit, 110 Zentimeter tief und 200 Zentimeter hoch – gestaltete Tanja Bach hier „Kunst im Klo“. Die Wandgestaltung beginnt im Eingangsbereich mit „normalen“ weißen Rechteckfliesen, die dann nach und nach in ein Mosaikmuster zerfließen, hier und da durch bunte Glassteine, Dekorfliesen mit klassischen Kunstmotiven sowie eine Amethyst-Druse aufgelockert.

Die Ideen entstanden bei langen „Sitzungen“

Toiletten fand die junge Frau eigentlich immer langweilig und steril: „Man erledigt sein Geschäft und geht wieder“, fasst sie kurz die allgemein bekannte Situation zusammen. Auf Tanja Bachs Gästetoilette wird jedoch aus einer „einfachen Sitzung“ nun ein künstlerisches Highlight. Damit der Toilettennutzer auch was zu gucken hat und ihm die Zeit nicht langweilig wird, gestaltete die Künstlerin eine „faszinierende, surrealistische, inspirierende und provokative Gästetoilette“.

Die Ideen zur Gestaltung der Gästetoilette entwickelten sich Stück für Stück – die im Rahmen von langen „Sitzungen“ am Wochenende realisiert wurden. Ein provokantes Detail ist das nette, kleine Schild „Aus hygienischen Gründen wird diese Toilette videoüberwacht“ an der Toilettenwand, welches auf die an der Decke befestigte Kamera(attrappe) hinweist. „Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen wohler“, ist der schelmisch-lächelnde Kommentar der Künstlerin dazu. Sie weist auf ein weiteres Highlight hin: Das etwas surreal anmutende Schaufensterpuppenbein unter dem Waschbecken, in das teilweise die Ablaufrohre sowie ein Handtuchhalter integriert wurden.

Zimmern hat nun eine bundesweit bekannte Toilette

Alles in allem also wirklich ein Kunstwerk, das sich sehen lassen kann. Das fand auch die Jury des Do-it-yourself-Magazins. Tanja Bach staunte nicht schlecht, als sie vor einigen Tagen das Januar-Heft von „selber machen“ in der Hand hielt und ihr auf Seite 13 die eigene Gästetoilette – auf Platz 23 – entgegen lächelte: „Das war eine super Überraschung und hat mich sehr gefreut, schließlich hat Groß-Zimmern jetzt ein bundesweit bekanntes Gästeklo. Wenn das mal keine besondere Attraktion ist.“

Die Künstlerin ist es mittlerweile schon gewöhnt, wenn sie bei Veranstaltungen rund um „Lilly“ gefragt wird: „Dürfen wir mal ihr Klo anschauen?“

Sie selbst hat von stillen Örtchen auch noch nicht genug: Während sie noch auf Frühlingswetter wartet, um in „Lillys Garten“ eine Mosaiksäule abschließen zu können, gestaltet sie derzeit in Klein-Zimmern „Die Toilette der helfenden Händchen“.

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