Stimmbänder, die für Gott schwingen

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Ehrungen für viele Jahrzehnte im katholischen Kirchenchor „Cäcilia“ gehörten zur Feierstunde anlässlich des 125. Geburtstages des Kirchenchores. Unser Foto zeigt (von links): Pfarrer Christian Rauch, Gabriele Meyer, Anneliese Geiß, Roswitha Rudolph, Agnes Darnieder, Elisabeth Glaser und Willibald Herlt.

Groß-Zimmern (ula) ‐ Mit einem Festgottesdienst feierte die katholische Kirchengemeinde in der Pfarrkirche St. Bartholomäus Groß-Zimmern das stolze 125-jährige Jubiläum des Kirchenchors „St. Cäcilia“. Zwei befreundete Chöre, der evangelische Kirchenchor der Gemeinde sowie der katholische Kirchenchor Eppertshausen, verstärkten die Jubilare musikalisch, so dass ein fulminanter Gesang zu Ehren des Schöpfers im Gotteshaus erklang.

So manches Lied wurde auch beim anschließenden Empfang im Pfarrzentrum angestimmt. „Lasst eure Stimmbänder für Gott schwingen“, motivierte Roswitha Rudolph ihre Sänger. Dieser Geist hatte bereits die „Pioniere“ des Kirchenchores in seinem Gründungsjahr 1885 beflügelt.

Der Chor hat eine wechselvolle Geschichte, geprägt von den Herausforderungen seiner Zeit“, so Pfarrer Christian Rauch, der die Historie Revue passieren ließ. So geriet der Dirigent 1946 in Kriegsgefangenschaft, die Sänger mussten in den beiden Weltkriegen notgedrungen zu den Waffen greifen. Eine Chance für Groß-Zimmerns musikalische Entwicklung, denn bereits in den zwanziger Jahren fanden Frauen Zugang zu der bisherigen „Männerdomäne“ Chor.

Cäcilias von Pfarrer Rauch gewürdigt

1936 gab es erste ökumenische Berührungspunkte“, führte der katholische Geistliche aus. Als noch niemand von Ökumene sprach, wurde ein großes geistliches Konzert der evangelischen und katholischen Chöre veranstaltet. 14 Dirigenten und sieben Vorsitzende prägten die Entwicklung des Chores, vor allem jedoch seine Sänger, aktuell 44 an der Zahl. „Die Seele des betenden Menschen wird durch keine Musik mehr erhoben“, würdigte Pfarrer Rauch die Chormusik Cäcilias, die zu Gottesdiensten und besonderen kirchlichen Anlässen erklingt.

Seit etwa einem Jahr leitet Barbara Wörtche die musikalische Entwicklung des Chores, der über ein umfangreiches Repertoire geistlicher und weltlicher Werke verfügt.

„etwa 100 Chöre sterben jährlich aus“

Chorgesang habe in der Gemeinde einen besonderen Status, so Bürgermeister Achim Grimm, der in seinen Recherchen auf erste Dokumente stieß, die Aktivitäten eines Männergesangvereins 1863 belegen. Heute sei die Chorlandschaft einem großen Wechsel unterworfen, „rund 100 Chöre sterben in der BRD jährlich aus“.

In Groß-Zimmern gibt es gegenläufige, sehr positive Tendenzen: 30 Kinder im Kinderchor und ein neuer Projektchor, der sich der Gospelmusik widmet, bereichern die musikalische Landschaft der Kirchengemeinde. In Groß-Zimmern selbst pflegen zwei kirchliche und zwei weltliche Chorensemble dieses schöne Hobby.

40 Jahre singt Anneliese Geiß aktiv im Verein

Manch einer hat mehr als sein halbes Leben als Sänger verbracht, wie in der anschließenden Ehrung deutlich wurde: Für 40 Jahre aktives Singen wurde Anneliese Geiß geehrt, auf immerhin 25 Jahre Chorkarriere bringt es Gabriele Meyer. Seit 70 Jahren ist Anna Hoffmann förderndes Mitglied des Chors. Für 30 Jahre Fördermitgliedschaft wurde außerdem Fritz Baldames geehrt, Agnes Darnieder und Elisabeth Glaser sind jeweils zehn Jahre passive Förderer.

Viele Gratulationen und Grußworte zum großen Jubiläum erklangen neben musikalischen Darbietungen. Am kommenden Sonntag, 3. Oktober, wird der Geburtstag Cäcilias noch einmal mit einem großen musikalischen Ereignis gewürdigt: Ab 17 Uhr gestalten sechs Ensembles das Kirchenkonzert in der St. Bartholomäus-Kirche. Neben den Jubilaren sind die Formation Crescendo, Flötenkreise, die Kirchenspatzen und die Kantorinnen sowie der katholische Bläserchor zu hören.

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