Stimmgewaltige Kerbtaufe

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Ein feuchtfröhliches, spritziges Vergnügen: die Zimmerner Kerbborschtetaufe 2011.

Groß-Zimmern - Hart ran genommen wurden die Kerbtäuflinge am Samstag. Zwar ließen die hochsommerlichen Temperaturen ein Bad in der Gersprenz auch den Zuschauern als gar nicht so unangenehm erscheinen. Von Ulrike Bernauer

Aber eine halbe Stunde im doch kalten Wasser auszuharren, war zumindest für so manchen Taufpaten nicht gar so angenehm.

Die aktuellen Kerbborschte wollten erst mal so gar nicht in die kühlen Fluten. Sehr zögerlich setzten sie ihre Füße vom Uferrand in das trübe Nass, später allerdings nach der Taufe hatten sie sich sichtlich an das Gersprenzwasser gewöhnt und planschten auch nach dem offiziellen Akt eifrig weiter.

Während die Täuflinge sich stimmgewaltig dem Taufplatz näherten, waren die Taufpaten vom Jahrgang 1988/89 eher überraschend für die zahlreichen Zuschauer, die sich an der Gersprenz versammelt hatten, gekommen. Still und heimlich hatten sie sich nach Indianerart übers Wasser angepirscht, um dann doch noch ihre Gesänge anzustimmen. Die Paten erhielten für ihren Auftritt viel Applaus, in rotweiße 1900-er Badeanzüge gekleidet, waren sie schon weit unterhalb vom Gailsloch in die Gersprenz geklettert.

Sensationsfund: Die zehn Kerbgebote

Ihrer Forderung nach zwei Kasten Bier wurde anfänglich nur sehr zögerlich entsprochen. Ohne die Unterstützung durch den Gerstensaft waren die Paten aber auch nicht bereit, ihrer Pflicht nachzukommen. Selbst mit Flüstertüte hatte Kerbvadder Steffen Selmes Schwierigkeiten, seiner Forderung so richtig Gehör zu verschaffen. Zu laut waren die Gesänge der Kerbborschten 2010, die zwar zahlenmäßig nicht stark vertreten, dafür aber umso stimmgewaltiger waren. Selbst bei der Taufe musste Selmes die Blauweißen öfter mal um Mäßigung bitten, da der Taufakt für so manchen Zuschauer kaum noch zu verstehen war.

Mit Wasser war Kerbmädche Katharina Fröhlich (2008) bei der Taufe so richtig großzügig.

Harte Regeln hatte der Kerbvadder der Kerb 2008 den Täuflingen vor ihrer eigentlichen Taufe verkündet. Neu war nicht nur für die künftigen Kerbborschte, sondern wohl auch für so manchen Zuschauer, dass bei der Sprengung der Schornsteine der alten Ziegelei die Kerbborschte des Jahres 2008 auf Tafeln die „Zehn Kerbgebote“ gefunden hatten. „Mir sin glei emol zu unserm Ortshistoriker gonge, und wollte wisse, wie old des is, was mer uns do oigefonge. Der hot gesogt, mindestens 750 Joahr, des Ding is so old wie die Kerb, des is doch ganz klor“, berichtete Selmes.

Kerbborsche hatten sich ihren Baum schon klauen lassen

„Du sollst koa anner Farb hewwe“, so lautete das erste Gebot, das der Kerbpfarrer verlas und das die künftigen Kerbborschte begeistert wiederholten. Die Puppe soll geehrt werden, ebenso wie das Dreigestirn. Auf den Baum soll „Owacht gewwe werre“ lautet das siebte Gebot. Das sorgte für viel Gelächter im Publikum, hatten sich die künftigen Kerbborschte schließlich schon ihren Baum klauen lassen.

Aufgepasst haben die Diesjährigen zumindest beim Wiederholen der Gebote, dem zehnten Gebot, die Kerb 2008 sei die beste gewesen, stimmten sie natürlich nicht zu, für sie wird selbstverständlich die Kerb 2011 die Beste aller Zeiten sein.

Dann ging es endlich zur Sache, das Kerbmädchen 2008, Katharina Fröhlich überschüttete jeden Täufling mit einem ordentlichen Schwall Wasser, Feuerwasser (Chillischnaps) wärmte innerlich und ganz zum Schluss musste der ganze Kerl noch mal mit dem Kopf unter Wasser.

29 Kerbborschte wurden am Samstag getauft, sie sind vom Jahrgang 1991/92. Carsten Schott fand das Gersprenzwasser anfänglich ziemlich kalt. „Aber man gewöhnt sich dran und dann war es richtig gut“, so sein Fazit der Taufe.

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