Sturz zweier Giganten

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Die abgetragenen Ziegel (oben) werden vor Ort zerkleinert und für eine zukünftige Nutzung als Baustoff vorbereitet. Linkes Bild: umstürzt.

Groß-Zimmern ‐ Seit Ende Januar laufen die Abrissarbeiten an der alten Ziegelei. Doch der Höhepunkt steht erst heute bevor: Die beiden riesigen Schornsteine werden zu Fall gebracht. Das geschieht nicht etwa mit Bagger oder Abrissbirne, sondern per Sprengung. Von Michael Just

Bevor hier in naher Zukunft ein Neubaugebiet entsteht soll es zu einem großen „Show-Down“ kommen. „Das wird ein ganz besonderes Ereignis“, verspricht Christian Früchtenicht von der Eigentümergesellschaft des Grundstücks „ARGE“. Für heute ist ab 11 Uhr eine Party in der Darmstädter Straße angesagt, die mit der Sprengung der 70 und 40 Meter hohen Schornsteine um 14 Uhr ihren Höhepunkt findet. Das Gelände selbst ist abgesperrt, die Besucher können das Schauspiel sicherer Entfernung vom Waldrand des   Naturschutzgebiets bei Essen und Trinken beobachten.

Mehr Bilder von der Sprengung

Schornstein-Sprengung der Alten Ziegelei

Das Catering wird Luigi Del Geso vom Golfbistro  übernehmen.  Dabei stellen sich die Firmen, die an der weiteren Entwicklung des Grundstücks beteiligt sind, den Besuchern an Ständen vor.

Harald (links) und Christian Früchtenicht versprechen für die Sprengung der Schornsteine reichlich Nervenkitzel. Im Inneren der „Fallschlitze“ wurden in 32 Bohrlöchernfür den kleinen Schornstein 200 und für den großen 300 Kilo Sprengstoff angebracht. Sie zerstören die dazwischen liegende Verbindung und sorgen für eine Sollbruchstelle, damit der Turm wie ein Baum

Vor allem für die Interessenten der 46 Bauplätze bietet der Termin reichlich Gelegenheit zur Information. Für alle anderen dürfte die Sprengung der Schornsteine ein „Event“ sein, das man nicht alle Tage erlebt. Deren Ende wird ein Sprengmeister Dieter Schaal aus Göppingen mit „schwäbischer Präzisionsarbeit“ besiegeln.
„Mit ihm haben wir schon öfters zusammen gearbeitet und sechs bis sieben Schornsteine gesprengt“, erzählt Martin Bock von der Abrissfirma „InduRec“, die die alte Ziegelei abträgt. Er schätzt das Gewicht der beiden dunkelroten Riesen zusammen auf rund 500 Tonnen. „Die größte Gefahr bei der Sprengung von Türmen besteht darin, dass diese nicht in die

richtige Richtung fallen könnten“, erklärt der Bauleiter. Auch ein Einsacken hieße „Ziel verfehlt.“ Hier müsse die Sache beim ersten Versuch funktionieren. Wie Bock erklärt, werden am Fuß eines Schornsteins jeweils zwei nebeneinander liegende Öffnungen, sogenannte Kamine, geschaffen. Die Sprengladung zerstört dann die dazwischenliegende Verbindung, so dass eine Sollbruchstelle entsteht. „Es ist das gleiche Prinzip wie beim Fällen eines Baumes. Lediglich die Kosten liegen etwas höher“, meint der Ingenieur lachend.
Wieviel man für eine solche Sprengung in Euro berappen muss, will Bock nicht verraten. Nur so viel, dass es sich um eine „beträchtliche, vierstellige Summe“ handele.

Wer mittels der Kamine in das Innere der Schornsteine blickt, realisiert sofort, dass diese äußerst massiv gebaut sind. Eine weitere, gemauerte Innenschale sorgt für enorme Stabilität.

„So ein Schornstein hat einiges auszuhalten. Den schmeißt man nicht so einfach mit einem Bagger um“, erklärt Bock. Bei der Statik treffe man hier auf die Sicherheitsstufe sieben, was einen enorm hohen Widerstand bedeutet.

Die Worte von Bock verheißen eindeutig, dass der Samstag mit reichlich Nervenkitzel aufwartet: „Der Boden wird zittern, wenn die Kolosse fallen“, verspricht der Fachmann.

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