Symbiose: Chorgesang und Blechblasmusik

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Ein vielseitiges Repertoire präsentierte der Gesangverein 1893 Klein-Zimmern.

Klein-Zimmern ‐ „Das Blech ist des Sängers Tod“, diese Prophezeihung eines berühmten Dirigenten solle sich an diesem Abend nicht erfüllen, so Moderator Rolf Kreisel. Sprach's, und gab die Bühne frei für ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Chorgesang und Blechblasmusik. Von Ursula Friedrich

Über 250 Besucher füllten die katholische Pfarrkirche, um das Konzertereignis des Gesangsvereins 1893 Klein-Zimmern und der Reiterlichen Jagdhornbläser Maingau mitzuerleben. Passend zum Sommereinbruch am Wochenende hatten die Interpreten ihr Konzert unter das Motto „Musikalisch beschwingt in den Sommer“ gestellt.  Das Publikum wurde gebührend gefeiert und mit Häppchen, kühlen Getränken und der Ehrenfanfare empfangen. „Eigentlich haben wir Ihnen nichts zu bieten, außer 2,70 Metern Blech und acht Tönen“, flachste Petra Palm-Hantke, Dirigentin der Jagdhornbläser. Trotz der vermeintlich schlichten Ausgangsbasis, entlockten die rund 20 Bläser ihren Parforcehörnern der Stimmung B komplexe Klangmuster.

Auch das Repertoire erstaunte durch seine ungewöhnliche Bandbreite: Klassische Jagdhornsignale wie „Jagdgalopp“ und „Hals- und Beinbruch“ wurden ebenso sicher intoniert, wie ein munteres „Wanderliedchen“ oder der „Sächsische Zapfenstreich“ aus Carl Maria von Webers „Freischütz“. Das hohe Niveau des Parforceensembles brachte den Bläsern 2006 sogar den Sieg im Bundeswettbewerb der Jagdhornbläsergilde ein.

Der „Jägerchor“ krönte die Zusammenführung

Die musikalische Verbundenheit mit dem Gesangverein geht auf die Hubertusmesse im November 2009 zurück, als beide Formationen den Gottesdienst im Sankt Josephshaus musikalisch ausschmückten. Nach diesem stimmungsvollen Ereignis, planten beide Gruppen ein gemeinsames Konzert, so Gisela Millmann, Vorsitzende des Chors. Der Erfolg dieser ungewöhnlichen musikalischen Symbiose krönte nun die wochenlange Vorbereitungen.

Dem Schmettern der Parforcehörner setzten die Klein-Zimmerner Sänger vielstimmige Vokalstücke entgegen. Chorleiterin Larissa Förderer spornte ihr Ensemble zu stimmlichen Höchstleistungen an. Auch dieses Musikerlebnis umfloss die Sinne der Zuhörer zuckersüß – bot das Gotteshaus für diesen Vortrag gleichsam einen hervorragenden akustischen Raum. Der Chor, dominiert von 21 Frauen, präsentierte vielstimmigen Gesang, mitunter mit gewagten Klangmustern: Das Jäger-Quodlibet verwob zwei Volkslieder mit einem Kanon – alles wurde gleichzeitig vorgetragen. Trotz der vermeintlichen Unterzahl von nur acht Chormitgliedern standen die Sänger auch stimmlich „ihren Mann“. Ein vielseitiges Repertoire entführte das Publikum vom geistlichen Gesang („Geh aus mein Herz und suche Freud“) in die Welt der Klassik („Warnung“ nach Wolfgang Amadeus Mozart) über die Volksmusik bis in die Welt des Musicals (Memory aus „Cats“). Angelehnt an das Programm der Maingauer Bläser, deren musikalische Heimat Babenhausen ist, erklangen Volkslieder rund um die Jagd. Zu guter Letzt wagten Sänger und Bläser den gemeinsamen Schritt zur Bühne: Kein geringeres Werk als der berühmte „Jägerchor“ aus der Oper Freischütz krönte die gelungene Zusammenführung von Jagdhörnern und Chorgesang.

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