Tag der offenen Tür

Neues Wohnheim soll Inklusion voranbringen

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Michael Wolf (v.l.) freute sich auf seine neue Wohnung. Mit Teamleiter Marcus Klatt, Betreuer Karlo Ludwig und Bereichsleiterin Bettina Grünewald hielt er das erste Schwätzchen am Küchentisch.  

Groß-Zimmern – Gute Voraussetzungen für gelingende Inklusion wurde jetzt in Zimmern mit dem Neubau eines Behindertenwohnheims in der Kettelerstraße geschaffen. Beim Tag der offenen Tür konnten Interessierte einen Einblick erhaschen.

Das Wohnheim. 

Michael Wolf freut sich schon auf den Umzug. Noch wohnt er in der Wohnanlage der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) in Dieburg. Am Dienstag wird er nach Groß-Zimmern ziehen – in die neu fertiggestellte Wohnanlage für Menschen mit Einschränkungen in der Kettlerstraße. Dort war die Bevölkerung zum Tag der offenen Tür geladen. Viele Neugierige nutzten die Chance, um sich das neu gebaute Haus anzuschauen. Wolf sitzt in seiner künftigen Wohnung, die er sich mit einem Kollegen aus Dieburg teilen wird. Der mit einer Küche kombinierte Wohnbereich ist schon mit dem Notwendigsten ausgestattet und auch schon verschönert. „Wir haben sehr viel Zeit darauf verwandt, mit den künftigen Bewohnern die Möbel und Accessoires auszusuchen“, erinnert sich Marcus Klatt, der Teamleiter des Hauses.

Bettina Grünewald, Leiterin des Wohnverbundes Dieburg der NRD, ist ganz begeistert von der Einrichtung der „Mädelswohnung“. Die Damen teilen sich ein Vierer-Appartement und haben sich sogar schon Pflanzen ausgesucht. Ab Dienstag werden vorerst Bewohner der Einrichtung Auf der Leer in Dieburg die neue Wohnanlage in Groß-Zimmern beziehen. Insgesamt 16 Menschen werden in der vollstationären Einrichtung in der Kettlerstraße leben – in Ein-, Zwei- und Vier-Zimmer-Appartements. Alle sind mit großzügigen Wohn-Küchen-Bereichen ausgestattet und jeder der neuen Bewohner hat ein eigenes Schlafzimmer. Die Bäder teilen sich die Bewohner eines Appartements, wobei die Vierer-Wohnungen mit zwei Bädern ausgestattet sind. Das wird für die Umzügler eine Wonne, denn in Dieburg nutzten neun Leute ein Badezimmer.

Der Umzug ist Teil einer langfristigen Strategie, die Einrichtung der Nieder-Ramstädter Heime zu dezentralisieren. Die begann schon vor zehn Jahren, vor einiger Zeit wurde beispielsweise eine Hofreite in Ueberau bezogen. Maxime ist, kleine überschaubare Wohneinheiten aufzubauen, in der die Bewohner trotz ihrer Einschränkungen ein möglichst normales Leben führen können. „Hier wird auch künftig kein Schild mit Nieder-Ramstädter Diakonie zu finden sein“, sagt Grünewald, „lediglich die Namen an den Klingelschildern werden Auskunft über die künftigen Bewohner geben.“

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Das Haus in der Kettlerstraße ist von Investor Janek Riedl in Kooperation mit der NRD gebaut worden und ist nun angemietet. „Das ist die Premiere“, sagt Andreas Nink, Leiter des Stiftungsvereins der NRD, bis jetzt wurden die Wohnanlagen immer gekauft oder selber neu gebaut. In Babenhausen in der Fahrstraße soll eine neue Wohnanlage für ebenfalls 16 neue Mieter gebaut werden und auch in Dieburg wird eine neue Anlage entstehen. Denn die Einrichtung Auf der Leer entspricht nicht mehr den Anforderungen an das Wohnen für Menschen mit Behinderung. Was mit den jetzigen Gebäuden geschieht, ist nicht klar. Fest steht, dass auf dem Gelände ein Neubau für 16 Bewohner entstehen wird.

Man will jetzt in die Vorplanung gehen, neun Bewohner der momentan 31 Bewohner werden nach Groß-Zimmern, ein Teil wird nach Babenhausen ziehen. Für die Zimmerner Einrichtung war den Planern nicht nur die Modernisierung und Dezentralisierung wichtig, sondern auch innenstadtnahes Wohnen. „Menschen mit Behinderung sollen am Leben teilhaben können und nicht aus der Welt gefallen sein“, sagt Grünewald.

Bilder: Kürbismarkt in Groß-Zimmern

So normal wie irgend möglich sollen die Menschen leben können, das wird für viele eine Umstellung. Wurde in Dieburg beispielsweise für alle gekocht, haben die Bewohner des barrierefreien Neubaus in Groß-Zimmern alle eine Küche, wo sie sich selbst verpflegen können. Es gibt aber auch drei große Küchen, wo nötigenfalls auch für alle eine Mahlzeit zubereitet werden kann.

Nicht nur Michael Wolf, sondern auch Bettina Grünewald freut sich auf die neuen Wohnungen. „Ich habe das Wachsen des Hauses hier erlebt“, sagt Grünewald, „in Dieburg haben wir schon ein Abschiedsfest gefeiert, und ich bin mal gespannt, wie das hier werden wird.“ (zba)

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