Familie und Beruf als Verdienstmöglichkeit / Betreuung auf privater Ebene

Tagesmütter in Kinderschuhen

Yvonne Bennett mit Betreuungskind Ben (22 Monate). Foto: sr

Groß-Zimmern - „Mein Mann hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass wir neben dem Spielzeug auch eine Wohnzimmerecke haben“, berichtet Yvonne Bennett, die seit einigen Jahren als Tagesmutter im Einsatz ist. Von Gudrun Fritsch

Die Anwesenden im Mehrgeherationenhaus (MGH) nicken mit wissendem Grinsen.

Eigentlich hatten die Organisatoren der CDU mehr Zuspruch erwartet, als sie kürzlich zu einem Informationsabend über Kinderbetreuung durch Tagesmütter eingeladen hatten. Neben Referentin Bennett und den Veranstaltern sind fast nur aktive Betreuerinnen von „Flitze-Floh“ oder den „Kinderfrei(t)räumen“ gekommen. Das Fazit des CDU-Vorsitzenden Christof Glaser, selber Vater einer kleinen Tochter, die mit vielen Spielgefährten die Wohnung deutlich verändert hat: „Wahrscheinlich können diejenigen, die eine Tagesmutter benötigen, nur schlecht abends weggehen.“

Umsonst war das Treffen aber nicht. Für das geplante Referat bestand zwar kaum Bedarf, aber die Anwesenden nutzten die Gelegenheit, um über die Betreuungssituation in Zimmern und die Anforderungen an Tagesmütter zu diskutieren.

Die Gemeinde kann dem Bedarf an Betreuungsplätzen, vor allem für unter Dreijährige (U 3), kaum nachkommen. Bis Ende 2013 kann mit dem geplanten Krippen-Neubau bestenfalls die Minimalforderung der 35-Prozent-Quote erreicht werden. Doch das wird wohl nicht ausreichen, denn Erfahrungen in anderen Orten zeigen, dass überall da, wo ein nennenswertes Angebot an Betreuungsplätzen für U 3-Kinder besteht, auch die Nachfrage deutlich steigt.

Deshalb sei es um so wichtiger, dass das private, von der Kreisverwaltung zertifizierte Angebot von Tagesmüttern möglichst zunimmt.

Welche Vorteile diese Tätigkeit bietet, schilderte die zweifache Mutter Bennett, die auch nach der Geburt ihrer jetzt zehn Monate alten Tochter reduziert in Elternzeit weiterhin im Einsatz ist.

Das Problem, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, habe sie so wunderbar gelöst - und einen kleinen Zuverdienst obendrauf.

Was für Bennett und andere Tagesmütter als Taschengeld rauskommt, liegt im Durchschnitt des Landkreises bei fünf Euro pro Kind und Stunde. Die werden von den Eltern selbst getragen, die so wesentlich mehr zahlen, als für einen Kitaplatz. Dafür können sie jedoch mehr Einfluss nehmen, da Tagesmütter maximal fünf Kinder betreuen dürfen. Das wiederum schafft eine persönlichere Atmosphäre und ermöglicht größere Flexibilität. Zuschüsse sind bis zu bestimmten Einkommensgrenzen möglich, so Christiane Götz vom „Tagesmütterhaus Flitzefloh“, würden jedoch selten in Anspruch genommen, „weil niemand gerne mit dem Jugendamt zu tun hat und viele sich scheuen, ihre Finanzen offenzulegen.“ Auch bei potenziellen Tagesmüttern gibt es diese Amtsabscheu. „Ob die eigene Wohnung geeignet ist, wird vom Aufsichtspersonal genauestens geprüft“, erklärt Bennett, und das sei auch gut so.

Die engagierten Tagesmütter sehen in ihrer Tätigkeit überwiegend Vorteile. Die Dänin Ann Lisbeth Rasmussen-Gumm vom Kinderladen schildert, dass im ländlichen Raum ihrer Heimat alle Anspruch auf eine Tagesmutter haben. Das sei hier wohl nicht zu schaffen, bedauerte der ebenfalls anwesende Bürgermeister Achim Grimm.

Die Teilnehmerinnen waren sich einig, dass die Arbeit der Tagesmütter noch in den Kinderschuhen stecke. Sie wollen sich mit Christiane Hucke im MGH regelmäßig treffen, um für die Tätigkeit zu werben und die Angebote besser zu vernetzen.

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