Projektplanung zur „Alten Ziegelei im Umbruch“

Tausch: Schornstein gegen Fassade

Offenbach-Post

Groß-Zimmern -

(guf) „Das Gespräch mit Vertretern der Denkmalschutzbehörde und der Kreisbauaufsicht ist sehr gut verlaufen und lässt hoffen“, berichtete Harald Früchtenicht gestern dem LA am Telefon. Am Montagabend hatte der Leiter der Babenhäuser „Projektentwicklung Früchtenicht GmbH“ gemeinsam mit Ingenieur Michael Schweiger den Gemeindevertretern des Planungs- und Umweltausschusses (PU) im Rathaus erste Vorstellungen für die Bebauung der alten Ziegelei vorgestellt (der LA berichtete).

„Wir werden die Pläne wohl noch einige Male ändern müssen“, erklärte Früchtenicht und verwies auf seine Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt in Wembach. Der potenzielle Investor skizzierte für die Bebauung der gut vier Hektar an der Darmstädter Straße einen Vier-Jahresplan.

Das erste Konzept ging von einer „lockeren Bebauung“ mit 55 Ein- bis Zweifamilienhäusern und Grundstücken von 400 bis 800 Quadratmetern sowie einem Gebäude für altengerechtes Wohnen aus.

Die Entsorgung von Altlasten der derzeitigen „Trümmerlandschaft“ sei zwar teuer, aber machbar. Die zu erhaltenden Klinker-Kunstwerke von Well Habicht in der Fassade des alten Fabrikgebäudes wolle man im geplanten Wohnheim integrieren.

Nicht tolerierbar sei hingegen die Instandsetzung und Erhaltung des großen Schornsteins, wie es der Denkmalschutz vorsieht. Bis zu einer Höhe von zehn Metern sei der innen mit Bauschutt gefüllt. Eine Nutzung als Blockheizkraftwerk sei ausgeschlossen und nicht geplant. Es bestehe zwar aktuell keine Einsturzgefahr, aber „das Mauerwerk bröckelt, Fugen sind offen und ganz obern hängt ein lockeres Teil. Wenn der Schornstein bleibt, haben wir kein Interesse an dem Projekt“, betonte Früchtenicht. Nach hoffnungsvollen Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter, dem Grundpfandgläubiger und der Denkmalschutzbehörde hat er ein Gutachten erstellen lassen, aus dem hervor gehe, dass die Sanierung rund 180 000 Euro kosten würde und alle fünf Jahre mit Wartungskosten von 20 bis 40 000 Euro zu rechnen sei.

Darüber habe er gestern mit Liane Mannhardt von der Unteren Denkmalschutzbehörde diskutiert, um sie davon zu überzeugen, dass der Schornstein fallen muss.

Als Tausch habe er angeboten, dem Denkmalschutz entgegen zu kommen und den westlichen Teil der Fassade mit dem Portal und den zwei integrierten Plastiken komplett zu erhalten. Das sei zwar schwierig und teuer, aber realisierbar. „Damit würde sich natürlich auch wieder eine komplett neue Wegeführung ergeben“, meint Früchtenicht und hält folglich eine genauere Darstellung des ersten Planes für verfrüht.

„Dass dem Gebäude schon bei seiner Entstehung eine besondere Bedeutung beigemessen wurde, werde auch dadurch belegt, dass bekannte Künstler in die Gestaltung des Gebäudes involviert wurden“, erläuterte Kreispressesprecherin Jutta Janzen die Position des Denkmalschutzes. Heute wird Mannhardt mit Vertretern der Landesbehörde über die Ziegelei und wohl auch über andere schützenswerte Gebäude in Groß-Zimmern beraten.

Heute um 20 Uhr tagt der Haupt- und Finanzausschuss im Rathaus. Unter anderem ist der Antrag der FDP zur „Villa Hirschkopf“ Thema.

Verborgen hinter einem Dickicht aus Büschen liegt das Portal mit den integrierten Plastiken.Fotos (2): Fritsch

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