Vereinsgelände in der Johannes-Ohl-Straße

Drum prüfe, wer sich lange bindet

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Mediationsgespräche anberaumt: Tennis-Club möchte auf Gelände investieren, das der Athletenverein verpachtet. Beide Vereine sehen hohe Risiken Derzeit ein passendes Bild: dunkle Wolken über dem Gelände des Athletenvereins, auf dem neben der AVG-Halle seit 43 Jahren auch der Tennis-Club als Pächter zuhause ist.

Groß-Zimmern - Konflikt in der Johannes-Ohl-Straße: Dort nutzt der Tennis-Club 70 (TC) auf 6.000 Quadratmetern Fläche den Löwenanteil des Grundstücks, das dem angrenzenden Athletenverein (AV) gehört. Von Jens Dörr

Während der AV selbst derzeit nur den kleineren Teil des fast 10.000 Quadratmeter großen Areals - unter anderem mit seiner Athletenhalle - benötigt, verpachtet er bereits seit 1970 den Rest an den TC. Der TC legte hier sieben Tennisplätze mit Entwässerung an, für je 30 .000 bis 50 .000 Euro, eine Flutlichtanlage, ein Clubheim und Sanitäranlagen. Nun müssen Teile von Clubheim und Sanitärbereich saniert werden. Weil hohe Investitionen vonnöten sind (siehe Infokasten), wünscht sich der TC eine langfristige Verlängerung des bis 2017 laufenden und sich normalerweise „nur“ um automatisch vier Jahre verlängernden Pachtvertrags. Beim AV gibt man sich allerdings zurückhaltend.

„Ich kann verstehen, dass sich der Tennis-Club einen Bestandsschutz bis zum St. Nimmerleinstag wünscht“, sagt Olaf Nimmerfroh, Vorsitzender des AV. Auch könne er den Wunsch nachvollziehen, die Anlagen auf Vordermann zu bringen. Der Knackpunkt nennt sich „Teilwert“: Kündigt der AV eines Tages den Pachtvertrag, weil er mit dem Gelände andere Pläne verfolgen will, müsste er dem TC einen Teilwert der errichteten Anlagen erstatten. Errechnet wird er aus dem verbliebenen Schäthwert der Anlagen zum Kündigungs-Zeitpunkt. Nimmerfroh nennt ihn auc: „Entschädigung, die man dem TC dann zahlen müsste.“

Zwar gingen im Fall einer Kündigung und Zahlung des Teilwerts die Plätze und Gebäude in das Eigentum des AV über, der könnte damit allerdings wenig anfangen. Nimmerfroh stellt heraus, dass in absehbarer Zeit keine anderen Pläne mit dem Areal bestünden. Würden nun aber hohe Investitionen getätigt, der Wert des Geländes gesteigert und am Athletenverein im Falle einer Kündigung hohe Kosten hängenbleiben, sähe Nimmerfroh den Verein in der Bredouille: „Das hieße für uns praktisch, dass wir den Vertrag mit dem Tennisclub immer wieder verlängern müssten. Eine Entschädigung von mehreren zehntausend Euro oder noch mehr könnten wir nicht bezahlen.“ Er wolle künftigen Vorständen nicht den Handlungs-Spielraum nehmen. Deshalb lehnt der AV eine langfristige Pachtvertrags-Verlängerung grundsätzlich ab.

Das stößt - wie zwei weitere Punkte - beim TC auf Unverständnis. Deren Vorsitzender Marc Faig heißt etwa die seitens der Athleten geplante Pachterhöhung nicht gut: Die bisherigen 3 .500 Euro Pacht pro Jahr (rund 300 Euro pro Monat) sollten „auf eine für uns im Fremdvergleich nicht nachvollziehbare Summe“ angehoben werden. Zudem bemängelt Faig: „Weiterhin soll es künftig keine Sicherung der vom TC getätigten Investitionen in Form der im Moment bestehenden Teilwertklausel mehr geben.“

Vor diesem Hintergrund hofft Faig auf ein Mediationsgespräch, das der Gemeindevorstand initiieren soll. „Es geht an dieser Stelle um eine auch staatliche Aufgabe, welche der TC wie auch der AV und alle anderen Vereine übernehmen. Aktuell arbeiten wir mit circa 100 Kindern und Jugendlichen im sportlichen und sozialen Bereich.“ Vor allem werde es nach TC-Ansicht „keinen anderen Sportverein geben, der dieses ausgewiesene Sportgelände nutzen könnte“. Hier liege es „in unseren Augen an der Politik, auch langfristig dieses Sportzentrum zwischen AV und TC zu erhalten, indem eine Änderung des Flächennutzungsplans unterbunden wird.“

Nimmerfroh räumt unterdessen ein, dass die Sache „in Groß-Zimmern derzeit ein großes Thema“ sei, ärgert sich aber auch über „viele Dinge, die dazu erzählt werden und nicht stimmen“. Er betont, es gehe „nicht in erster Linie um den Preis“. Dennoch: „Derzeit liegen wir in der Sache noch weit auseinander.“ Für eine Lösung, mit der beide Seiten leben könnten, müsse das „Geschäftsmodell“ passen. Dessen Ausgestaltung und Verhandlung unter den beiden Vereinen wird die Herausforderung der nächsten Zeit sein.

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