Theater mit Kettensägen, Beziehungsstress und Toiletten

Groß-Zimmern - (guf) „Hallo liebes Requisit-Team! Ich muss sagen, ich bin total hin und weg, euer Theater ist absolut spitze! Man sieht selten Menschen, die so spontan und Publikumsbezogen ein Programm machen, ob das nun Theater oder was anderes ist. Ich bin begeistert!

Die Gesprächsrunde danach fand ich beeinedruckend, ist mir teilweise auch ziemlich nahe gegangen. Es ist was ganz anderes, zum Thema Suchtprävention jemanden reden zu hören, der weiß, wovon er spricht“. Diese begeisterten Zeilen schrieb Vivi von der Groß-Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule (ASS) an die Theatergruppe.

An zwei Tagen waren die Neuntklässler der ASS kürzlich eingeladen, einen Vormittag mit dem Improvisationstheater zu verbringen. Unterstützt wurde die Aufführung von der Barmer Krankenkasse, deren Sprecher Thorsten Burger die Veranstaltung ebenfalls genoss.

Mit Spontaneität, Witz und Einfallsreichtum erobert die Truppe die Herzen des Publikums. Stegreif-Akteurin Nicole steigt gleich zu Anfang von der Bühne und spricht mit den Schülern. Tobias und Marius sitzen am Rand in der zweiten Reihe. Sie werden sofort mit einbezogen und sind zuständig für die Stimmung im Saal und das Starten von LaOlas.

Nach Themenvorschlägen befragt, nennen die Schüler spontan Kettensäge, Beziehungsstress oder Toiletten. Innerhalb von Sekunden werden die beschlossenen Themen auf der Bühne umgesetzt. Tatsächlich wird jede Szene zur Premiere, bei der selbst die Spieler nicht wissen, was sie als nächstes erwartet. Bei RequiSiT ist fast alles möglich und auf jeden Fall nichts unmöglich.

Lediglich die Themen Drogen oder Prostitution wollen die Schauspieler - die alle früher Suchterfahrungen gemacht haben - nicht einfach so auf die Bühne bringen. Die werden bevorzugt im direkten Gespräch mit den Jugendlichen aufgegriffen.

„Die Regeln des Improvisationstheaters eignen sich hervorragend für das soziale Miteinander und eine gelungene Kommunikation. Sich gegenseitig Wahrnehmen, den anderen und seine Ideen nicht einfach ablehnen, sich selbst zugunsten des Gemeinsamen etwas zurück nehmen, das sind nur ein paar wenige Beispiele dafür, wie sinnvoll diese Theaterform auch für den Alltag sein kann und welches Potential darin steckt“, erklärt Nicole das Rezept.

Und es funktioniert. Nach dem entspannt heiteren Theater genießen die Schüler auch das ernstere Gespräch mit den drogenerfahrenen Darstellern. Und viele schreiben Kommentare wie Vivi oder Massimo: „Ich fand es echt sau geil, es war wirklich sehr lustig und hat einen riesen Spaß gemacht. Ich fand es auch gut, dass Lars uns von seiner Vergangenheit erzählt hat, um uns zu helfen, nicht auch so einen Fehler zu machen. Ich fand auch gut, dass ich dann noch mit ihm einige Worte wechseln konnte.“

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