Dem Tier auch ins Maul geschaut

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Bei der schnellen Laufrunde wird die Gangart der Hündinnen überprüft.

Klein-Zimmern - „Siehst Du diese da, die hat zwar eine gute Haltung, aber einen zu kleinen Kopf. Oder die Helle da hinten, die ist jetzt nach der zweiten Runde schon platt“. Mit derlei fachkundigen Kommentaren betrachteten die Zuschauer und Züchter die vorgestellten Hunde, die sich im Ring befanden. Von Verena Scholze

Diese dort hat einen tollen Gang. Die kommt bestimmt unter die ersten Plätze“, mutmaßte ein Züchter aus dem Odenwald. Und seine Voraussage bewahrheitete sich, denn die so beurteilte Hündin belegte schließlich den dritten Platz in ihrer Klasse.

Am Sonntag veranstaltete der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) Groß-Zimmern - Mitte - an der Klein-Zimmerner Straße seine traditionelle Zuchtschau. „Diese Veranstaltung findet seit über dreißig Jahren statt“, berichtete Lothar Galinski, vom vorstand des Vereins und Schauleiter der Zuchtschau. 106 Teilnehmer hatten sich gemeldet, darunter auch Aussteller aus Finnland, Italien, Frankreich und den Vereinigten Staaten. „Wir haben bereits seit Jahren internationale Besetzung, zu der die Teilnehmer extra anreisen“, meinte Galinski zufrieden.

„Agly vom Casselwald“, mit elf Monaten Sieger der Nachwuchsklasse.

Die Prüfungen, die über den ganzen Tag verteilt stattfanden, betrafen verschiedene Klassen. „Es wird getrennt nach Hündinnen und Rüden beurteilt“, erklärte Galinksi. „Die Jüngsten sind die neun bis 12 Monaten alten Tiere“. Es folgten die Jugendklasse (12 bis 18 Monate) und dann die Junghunde (18 bis 24 Monate). „Älter als 24 Monate kommen sie in die Klasse der Gebrauchshunde“, so Galinski. „Diese müssen bereits ihre Schutzhundeprüfung abgelegt haben“. Bei den Herdegebrauchshunden trat ein Teilnehmer aus Schweinfurt an. Karl Füller, ebenfalls seit vielen Jahren aktiv bei den Veranstaltungen, besitzt eine Schafherde, die von seinen Hunden behütet wird.

Bei den heutigen Prüfungen wird vor allem auf die Ganganlagen geachtet“, erklärte Galinksi. „Die Richter richten ihr Augenmerk auf den leichtfüßigen Gang und das traben der Hunde sowie den Ausdruck“. Aber nicht nur das Äußere war ausschlaggebend. Mit scharfem Blick prüften die Juroren Dirk Gabriel aus Büttelborn und Karl-Heinz Zygadto aus Bürstadt den Allgemeinzustand der Hunde. Hierzu gehörte auch der obligatorische Blick ins Maul, um die Zähne zu kontrollieren, was nicht jeder Hund gleichgültig über sich ergehen ließ. Danach ging es an die Messlatte. „Bei den Hündinnen ist eine Widerristhöhe von 55 bis 60 Zentimetern zugelassen, bei den Rüden sind es 60 bis 65 Zentimeter“, so Galinski.

Dana Du Val D’anzin muss ihre Zähne überprüfen lassen.

Nachdem auch Standhaltung und der Gehorsam überprüft wurden, kam Tempo auf. Beim Lauf hatten die Hunde ihren Besitzern einiges voraus. Nicht jeder Besitzer konnte konditionell mit seinem Vierbeiner mithalten. Viele der Aussteller hatten Helfer aus Familie und Freundeskreis dabei, um die Hunde lautstark zu motivieren und anzufeuern. Mit Trillerpfeifen, Bällen und Beißwerkzeug sowie lautstarkem Rufen, Schnalzen, Gurren und Zischlauten versuchten die Aussteller, ihre Prüflinge auf sich aufmerksam zu machen. „Ob die Hunde das bei diesem Geschrei und Gepfeife überhaupt unterscheiden“, fragte eine Besucherin. „Mein Hund erkennt mich und reagiert auch in dem Lärm“, entgegnete ein Hundehalter überzeugt.

Nach einer kurzen Beratung war die Entscheidung gefallen. Die Hunde wurden von Platz eins beginnend der Reihe nach aufgestellt und mit einer ausführlichen Beurteilung seitens der Richter präsentiert. „Wir hatten hier eine ganz starke und hervorragende Jugendklasse mit 15 Hündinnen“, sagte Zygadto. „Ich konnte insgesamt 14 Mal sehr gut und einmal gut vergeben. Die Wertung sehr gut bedeutet, das die Hunde den hohen Anforderungen entsprechen“. Voller Stolz konnte der aus Frankreich angereiste Besitzer Eric Fretanarre mit der Hündin Dana Du Val D'anzin den ersten Platz in dieser Klasse feiern.

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