Ritter, Recken und eine Wüstenamazone

Tornado im Galopp durch Feuerwand

Groß-Zimmern - Verwegene Helden, böse Ritter und zarte Prinzessinnen – aus diesem Stoff werden Märchen und Sagen gewoben. In eine märchenhafte Welt tauchten tausende Besucher des dritten Ritterspektakels in Groß-Zimmern am Wochenende ein. Von Ursula Friedrich

Ritter-Spektakel in Groß-Zimmern

Ritter-Spektakel in Groß-Zimmern

Drei Tage dauerte das große Ritter-Spektakel in Groß-Zimmern. Unter anderem stand ein Ritter-Turnier auf dem Programm, auf die Besucher wartete auch ein Mittelaltermarkt sowie Feuershows, Gaukler und Schwertkämpfe.

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Wo die Aktiven des Reit- und Fahrvereins (RFV) sonst ihre Rösser in eleganten Dressuren und im Springreiten trainieren, wagten tollkühne Recken gefährliche Stunts, mittelalterliche Gruppen musizierten auf zeitgenössischen Instrumenten, Marktweiber verkauften Stoffe und der Met floss reichlich.

Wer nach den Erlebnissen der Ritterdarbietung „Die Streiter des Orients“ und Streifzügen durch die mittelalterliche Stadt noch immer nicht genug hatte, wurde mit dem Höhepunkt des Abends belohnt: Der Feuershow zu Pferde. Stuntman Horst Bulheller sprengte mit seinem Vollbluthengst Tornado in rasantem Galopp in die Arena, entzündete mit lautem Knall ein Dutzend spiritusgefüllter Ballons – und das „Volk“ honorierte die spekakuläre Einlange mit mächtigem „Handgeklapper.“

Die besten Stuntreitern Europas

Zum fulminanten Höhepunkt des Abends rasten sechs Reiter durch eine Feuerwand – ein faszinierendes Spektakel, das die einbrechende Kälte vergessen ließ.

Der Reinheimer Horst Bulheller, Leiter des European Horse Show Teams, gastierte mit seiner Truppe bereits zum dritten Mal beim Reit- und Fahrverein. Seine Leute zählen zu den besten Stuntreitern Europas und werden mit unterschiedlichen Shows im internationalen Raum gebucht. Vom Wilden Western bis ins Mittelalter sprengen die tollkühnen Sportler mit ihren Rassepferden, die entgegen ihrer Natur alle Fluchtinstinkte ausblenden.

Falkner Detlef Kotsch und seine imposanten Greifvögel waren wieder beim dritten Ritterspektakel mit von Partie.

Viele Jahre Arbeit mit seinen beiden Hengsten stecken hinter den spektakulären Showeinlagen, erklärte Bulheller. Wer die Natur dieser vom Fluchtinstinkt beherrschten Tiere kennt, weiß, welche Leistung es bedeutet, mit Funken sprühenden Feuerwerkskörpern und ohne Zügelhilfe auf einem schwarzen Vollblüter durch die Nacht zu preschen.

Lebt seinen Kindheitstraum: Stuntman Horst Bulheller, Macher des Ritterspektakels in Groß-Zimmern, ganz in seinem Element.

Bulheller selbst legt im Alltag die Ritterrüstung ab und verdient sein Brot als Chef eines Metallbauunternehmens. „Stuntreiter wollte ich schon als kleiner Junge werden“, erzählt er mit leuchtenden Augen. Seinen Traum hat er wahr gemacht, die aufwendigen Kulissen in seiner Firma selbst gezimmert und mit seiner Freundin Sandra Stritz sitzt nun eine patente Partnerin im Sattel. Als einzige Frau machte die Dressur- und Springreiterin bei ihrem Debüt in Zimmern als Wüsten-amanzone eine tolle Figur unter den ruppigen Recken.

Das mittelalterliche Lager, Gaukler, Zauberer, Spielleute und Falkner Detlef Kotsch, der seinen imposanten Adler mitgebracht hatte, machten das Ritterspektakel zu einer runden Sache. Unter die Gewerbtreibenden, Kunsthandwerker und Gastronomen mischten sich zahlreiche Lagergruppen. Privatpersonen, die das Leben des einfachen Volks als aufwendiges Hobby zelebrieren. „Wir verkörpern das 13. Jahrhundert“, erzählte eine Familie aus Gießen, die einmal monatlich mit Kind und Kegel ins Leben anno 1300 schlüpft.

Bilder vom Ritterspektakel

Ritterspektakel mit Gauklern und Feuershow

Zelte, Kochgeschirr, Tische und Betten gehören zum Equipment, das inzwischen zweieinhalb Tonnen wiegt und von Markt zu Markt gekarrt wird. Dass Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts wie Fernseher, Nintendo und elektrisches Licht an diesen Wochenenden tabu sind, versteht sich.

Rubriklistenbild: © Friedrich

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