Der Traum von der Straßenbahn

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Die Trasse nach Roßdorf wird weiterhin offen gehalten. Sie führt von der Grünen Mitte am Kindergarten Wichernweg, dem Festplatz und dem Jugendzentrum vorbei.

Groß-Zimmern ‐ „Das Busangebot nach Darmstadt ist gut“, so zumindest die Einschätzung von Bürgermeister Achim Grimm. Der Lokal-Anzeiger fragte den Verwaltungschef zu seiner Einschätzung über den neuen Nahverkehrsplan. Von Ulrike Bernauer

Dieser wurde in Form eines Zwischenberichts in der jüngsten Verbandsversammlung der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (Dadina) neben der Wahl des neuen Vorstandsvorsitzenden, des Darmstädter Stadtrats Dieter Wenzel, vorgestellt.

Im März soll ein neuer Entwurf für die Jahre 2010 bis 2015 vorliegen, so der mit der Erstellung des Konzepts beauftragte Planer Volker Blees.

Wie in den vergangenen Jahren, so wird auch in diesem Fünfjahreszeitraum die Streckenführung für eine Straßenbahn von Groß-Zimmern nach Darmstadt offen gehalten. „Die Option bedeutet allerdings nicht automatisch, dass es auch eine Straßenbahn nach Groß-Zimmern geben wird“, erklärt der Dadina-Geschäftsführer Matthias Altenhein auf Nachfrage des Lokal-Anzeigers.

Neue Bahnverbindung scheiterterte bislang an den Kosten

Ganz aktuell bedeute es nur, dass die Trasse von Baulichkeiten frei gehalten wird und der bestehende Sicherungsvertrag Bestand behält.

Bis zum Bessunger Forsthaus kurz vor Roßdorf liegen noch immer Schienen, die ab und zu von der Museumseisenbahn genutzt werden“, so Altenhein.

Sollte es zum Bau der Straßenbahn kommen, müssten diese allerdings entfernt werden, da die Eisenbahn eine andere Spurbreite hat. Vorteil einer Straßenbahn: Pendler könnten mit ihr bis ins Stadtzentrum von Darmstadt fahren.

2004 gab es die letzte Untersuchung der Pendlerströme von Zimmern nach Darmstadt. Damals entschloss sich die Dadina zu einer Ausweitung des Busverkehrs. Bis jetzt scheiterte die Bahn in erster Linie an den Kosten. „Es wird sicher ein zweistelliger Millionenbetrag“, meint Altenhein. Allerdings müssten nicht nur die Bau- sondern auch die Betriebskosten in Betracht gezogen werden.

Einfacher wäre die Entscheidung für eine Straßenbahn, wenn die Linie durch Roßdorf geführt werden könnte. Das ist aber offenbar nicht möglich. Die Straßenbahn würde um Roßdorf herum fahren, damit wäre dann wieder ein Bus-Zubringerdienst von Roßdorf aus nötig.

Verkehrsclub schägt „Stadt-Land-Bahn“vor

Sollte sich die Dadina dem Vorhaben Straßenbahn annähern, so wäre der nächste Schritt eine Untersuchung, ob die Pendlerströme groß genug sind und sich so der Bau einer Trasse lohnen könnte.

Besonders der Verkehrsclub Deutschland (VCD) plädiert für eine „Stadt-Land-Bahn“ und fordert eine vorurteilsfreie Prüfung aller Varianten. Ginge es nach dem VCD, so sollte es nicht eine meterspurige, sondern eine normalspurige Bahn geben. Statt einer teuren Querung von Odenwaldbahn und B 26 mittels Brücke oder Unterführung würden sich die Gleise der Stadt-Land-Bahn im Ostbahnhof mit der Odenwaldbahn vereinigen.

Die vorhandenen Bahnsteige könnten genutzt werden. Anschließend würden die Stadt-Land-Bahn Gleise ausgefädelt, es ginge regelspurig zum Schloss weiter und von dort an als Dreischienengleis zum Hauptbahnhof. „Um die Kosten gering zu halten, könnte der Betrieb mit Ausnahme der kurzen gemeinsamen Nutzung der Odenwaldgleise als normalspurige Straßenbahn erfolgen, die die aufwendige Eisenbahn-Signalisierung weitgehend vermeidet“, erklärt Uwe Schuchmann vom VCD-Magazin „umweltfairbund“.

Ob diese Bahn elektrisch oder dieselbetrieben fährt oder mit Hybridfahrzeugen, „in jedem Fall wird ein leistungsfähiges Schienennahverkerssystem im Korridor Groß-Zimmern/Darmstadt installiert“, meint Schuchmann. Mit dieser sinnvollen Erweiterung wäre es möglich, mit Zügen von Groß-Zimmern über Darmstadt Nord nach Frankfurt zu fahren und mit entsprechenden kurvengängigen Fahrzeugen auch die Odenwaldbahn von Eberbach über den Luisenplatz zum Hauptbahnhof zu führen. Die Lösung mit einem Dreischienengleis kann in Zwickau besichtigt werden.

Groß-Zimmerns Bürgermeister Grimm befürwortet eine erneute Prüfung. „Aber der Bau einer Trasse wird eine Frage der Finanzierung sein“, sagt Grimm. Von Seiten der Gemeinde werde in den nächsten Jahren sicher kein Geld zur Verfügung stehen, auch wenn eine Straßenbahn nach Darmstadt einen gewissen Reiz hätte.

Bezüglich des Busangebotes nach Darmstadt gäbe es derzeit keine Beschwerden. „Eine Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs würde uns die Dadina in Rechnung stellen“, so Grimm.

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