Trauungen auch im Glöckelchen

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Bände, Bücher und Ordner müssen umziehen. Ab dem 1. August hat das Standesamt von Groß-Zimmern in Dieburg seinen Sitz.

Groß-Zimmern/Dieburg - In zwei Wochen ist es soweit,. Ab dem 1. August befindet sich das Standesamt nicht mehr in Groß-Zimmern, sondern in Dieburg. Von Ulrike Bernauer

In Zeiten knapper Kassen wurde in Groß-Zimmern aus Gründen der Geldersparnis entschieden, dass man sich im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit dem Standesamtsbezirk Dieburg anschließen will. Rund 53 .000 Bürger aus Groß-Zimmern, Dieburg, Eppertshausen, Münster und Messel werden so ab August von Dieburg aus betreut.

Standesbeamtin Petra Fornoff wird dem Standesamt folgen und künftig ihren Schreibtisch im Dieburger Rathaus haben. Dann wird sie eine von vier Standesbeamtinnen in Dieburg sein.

Ihre Dankeskarten nimmt Standesbeamtin Petra Fornoff mit nach Dieburg. Die Anmeldung von Trauungen ist künftig nur noch im Standesamtsbezirk Dieburg möglich.

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Fornoff. „Meinen Beruf übe ich sehr gerne aus und gerade Trauungen sind ein besonders schöner Anteil dieser Arbeit.“ Das glaubt man ihr leicht in ihrem Büro, in dem an einer Pinnwand zahlreiche Dankeskarten von Paaren hängen, die sich bei Fornoff das Ja-Wort gegeben haben.

Hauptamtsleiter Stefan Herbert hingegen hätte die Standesbeamtin gerne in Groß-Zimmern behalten und auch Fornoff kann ihr weinendes Auge begründen.

Seit 18 Jahren arbeitet sie im Zimmerner Rathaus. Angefangen hat sie im Bürgerbüro bevor sie 2009 ins Standesamt wechselte. „Ich habe mich hier mit meinen Kollegen immer sehr wohl gefühlt“, betont sie.

Fast 60 Bewerbungen gab es auf ihre Stelle, denn im Hauptamt wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Fornoff gesucht. Einige ihrer Aufgaben verbleiben in Groß-Zimmern, wie zum Beispiel die Friedhofsverwaltung. Sterbefälle werden auch künftig im Rathaus am Roten Platz bearbeitet. Wer seinen Namen ändern will, sei es Vornamen oder Familiennamen, der kann dies auch weiterhin in Zimmern tun.

Trend zu Eventhochzeiten

Trauungen hingegen müssen künftig in Dieburg angemeldet werden. Geheiratet werden kann dann in allen Trauzimmern des Standesamtsbezirks Dieburg. Das schließt natürlich auch das Trauzimmer im Glöckelchen ein. Paare können sich aber auch ohne größeren Aufwand das Jawort im edlen Ambiente des Dieburger Fechenbachschlosses geben.

Natürlich können durch eine Ermächtigung der Gemeinde auch andere Orte gewählt werden, wie die Veste Otzberg oder weiter entfernt. „Der Trend geht beim Heiraten zu Eventhochzeiten und ungewöhnlichen Trauorten“, beschreibt Fornoff ihren Eindruck der vergangenen drei Jahre. Paare werden sich auch künftig von Fornoff trauen lassen können. Aus Groß-Zimmern stehen zudem Bürgermeister Achim Grimm und Hauptamtsleiter Stefan Herbert als Standesbeamte zur Verfügung. 48 Eheschließungen gab es im Jahr 2011 in Groß-Zimmern, die meisten Trauungen hat Fornoff vorgenommen.

Viele „kleine“ Eheschließungen

Neben dem Trend zur Erlebnishochzeit hat die Standesbeamtin aber auch viele „kleine“ Eheschließungen beurkundet. Da kamen lediglich die Brautleute mit den Trauzeugen. „Viele ältere Paare, die schon 20 Jahre zusammenleben, wollen dann doch lieber im ganz kleinen Rahmen heiraten. Auch um den Partner im Falle von Krankheit oder Tod abzusichern“, erklärt Fornoff.

Sie ist gespannt auf ihre neue Arbeit im Standesamt Dieburg. Dort ist mehr geregelt als in Groß-Zimmern. Konnten Paare in Zimmern praktisch jeden Samstag heiraten, so geht das in Dieburg im Sommer nur an zwei Samstagen im Monat, im Winter nur an einem Samstag im Monat. „Unter der Woche steht natürlich jeder Wochentag als Trautermin zur Verfügung“, so Fornoff.

Am 30. und 31 Juli wird die Standesbeamtin die Kisten packen, damit ab dem ersten August in Dieburg der Betrieb nahtlos wieder aufgenommen werden kann. Einige Bücher bleiben aber auch in Zimmern. So werden die alten Bücher mit den Geburtsregistern, die älter als 110 Jahre sind, die Bücher mit den Ehe- und Lebenspartnerschaftsregistern älter als 80 Jahre und die Sterberegister älter als 30 Jahre in der Gersprenzgemeinde bleiben. „Das ist für Familien- und Ahnenforscher interessant“, so Fornoff.

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