Über 600 „hessische Kröpfer“ bei Bundestreffen

Aufgeplustert um gute Noten balzen

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Mit Gurrelauten suchen manche Züchter ihre Kröpfertauben dazu zu bewegen, sich noch ein wenig mehr aufzuplustern. Bei Karl-Heinz Reitzel bekommen sie hingegen auch schon mal ein Wölkchen Zigarrenrauch ab.

Klein-Umstadt/Groß-Zimmern - Es ist eine exklusive Rasse, es ist ein exklusiver Verein, um die es da bei der „Hauptsonderschau der Hessischen Kröpfer Deutschlands“ beim Kleintierzuchtverein Klein-Umstadt geht.

Rund 50 Züchter sind aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, über 600 Tauben im Gepäck, fachsimpeln, handeln und lassen ihre Tiere von zehn Preisrichtern begutachten. „Mein Name ist Werner Reichardt, ich komme aus Weißenschirmbach, das ist in der Nähe von Querfurt in Sachsen-Anhalt“, stellt sich der Vorsitzende des bundesweiten Sondervereins vor, in dem sich die Züchter der Hessischen Kröpfer unter dem Dach des Verbands deutscher Taubenzüchter (VTT) zusammengetan haben. Die Kröpfer züchtet der Rentner seit seinem zehnten Lebensjahr und kann nachdrücklich erklären: „Das Wesen dieser Taube ist das Aufblasen.“ Auf Nachfrage erklärt er weiter: „Das ist das so genannte Paarverhalten. Es ist so weitergezüchtet worden, dass die Tiere sich ständig aufplustern.“

Unwillkürlich kommt einem menschliches Paarverhalten in den Sinn, wobei die „stolz geschwellte Brust“ eher auf der männlichen Hälfte der Menschheit zu suchen ist, während bei dieser Vogelrasse auch die Täubinnen ihren Kehlsack ständig mit mächtig Luft füllen – ein ungewöhnlicher Modellfall der Gleichberechtigung. Das Imponiergehabe ist zum zentralen Merkmal dieser Rasse geworden, die es in ihrer aktuellen Form erst seit 60 Jahren gibt. Die Kriterien sind streng: „Die Taube soll zwischen 36 und 42 Zentimeter groß sein“, sagt Reichardt, „und eine abfallende Rückenlinie haben.“ Es gibt regionale Zentren – „im Osten“, wie Reichardt sagt, dann die Gruppe Nord (Bremen), Süd (Bayern) und Mitte, hier vor allem die Wetterau. Dort, in Echzell – so der Bundesvorsitzende – hätten vor hundert Jahren die Zuchtversuche begonnen.

Als ein weiteres Zentrum wird die südhessische Region Starkenburg ausgewiesen. Der Landkreis Darmstadt-Dieburg ist auf der Schau durch zwei Züchter vertreten: den weltmeisterlichen Karl-Heinz Reitzel aus Groß-Zimmern und durch Horst Schmidt aus Modautal-Webern, der auch als Preisrichter fungiert. „Ich züchte seit meinemsechsten Lebensjahr Rassegeflügel“, erzählt er, „seit 1974 bin ich Preisrichter, aber in erster Linie bin ich ein Hühnermann.“ Die Anfänge mit den Tauben hießen blaue Hessenkröpfer und Wilhelm Henkel aus Reinheim. „Der Hessenkröpfer ist für mich eine der schönsten Kropftauben. Das Imponierende an dieser Taube ist das Körperrechteck und das schöne Blaswerk, die aufrechte Haltung. Außerdem gibt es die Ziere in vielen Farbenschlägen. Da ist für jeden was dabei. Der eine spielt gern Fußball, der andere ist bei der Feuerwehr, das ist halt mein Hobby.“

Ein Hobby mit ungewisser Zukunft. „Im Osten sind wir noch ein wenig stärker, haben etwas mehr Jugendliche, bei unseren 50 Züchtern liegt der Altersdurchschnitt bei 55 Jahren, im Westen sind es 65“, erklärt Vorsitzender Reichardt. Reitzel schreitet mit stolz geschwellter Brust und rauchender Zigarre durch die Ausstellung, bei deren Organisation er mitgeholfen hat. „Das ist mein Markenzeichen“, murmelt er mit dem Glimmstengel im Mund, während er mit einem schneeeweisen Kröpfer-Exemplar posiert.

sr

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