Unschuldig fünf Jahre im Gefängnis

Kassel/Groß-Zimmern (dpa/tho/guf) - Nach fünf Jahren unschuldig im Gefängnis verbrachter Haft muss ein vom Vorwurf der Vergewaltigung nachträglich freigesprochener Lehrer wohl noch lange auf seine Entschädigung warten.

Diese könne erst nach einem rechtskräftigen Urteil beantragt werden, sagte der Anwalt des 52-Jährigen, Hartmut Lierow. Das Landgericht Darmstadt hatte Horst A. 2002 zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er seine damals 36 Jahre alte Kollegin Heidi K. in Reichelsheim vergewaltigt haben sollte.

Eine ungewöhnlich hohe Strafe für einen Ersttäter, befand jetzt der Vorsitzende Richter aus Kassel. Weil der Lehrer immer wieder seine Unschuld beteuerte, wurde er nicht vorzeitig aus der Haft entlassen. Er saß die Strafe vollständig ab.

Wegen neuer Beweise wurde das Verfahren nun vor dem Landgericht Kassel wieder aufgerollt, die Richter sprachen den Mann wegen erwiesener Unschuld frei.

Eine Haftentschädigung ist laut Gesetz auf 25 Euro pro Tag festgelegt - abzüglich rund sechs Euro für die Kosten für Betreuung und Verpflegung während der Haftzeit. Sie wird gezahlt, wenn jemand unschuldig in Haft saß. Demnach kann der Lehrer für mehr als 1800 Tage hinter Gittern auf etwa 34 000 Euro hoffen.

Derweil prüft die Bezirksdirektion Detmold, ob die Biologielehrerin, die diesem Urteil nach mit einer Falschaussage für die Verurteilung des 52-Jährigen sorgte, weiterhin Lehrerin an einem Bielefelder Gymnasium bleiben kann. Zunächst müsse man jedoch die Widerspruchsfrist gegen das Urteil des Landgerichts Kassel abwarten.

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