Im Unterricht auf Herz und Nieren geprüft

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Die Kinder der Klasse F5c der Albert-Schweitzer-Schule nehmen begeistert am Unterrichtsprojekt „Klein lernt von Groß“ teil.

Groß-Zimmern (ula) ‐ Im Klassenzimmer der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) qualmt und raucht es. Nicht heimliche Raucher paffen hier, sondern drei Nachwuchschemiker sind in ihrem Element. Im Nebenraum werden Nieren, Herz und andere Innereien entnommen – ein Dummy erträgt den chirurgischen Eingriff stumm.

Im Unterricht der F5c ist an diesem Morgen nichts wie sonst: Schüler schlüpfen in die Rollen von Biologen und Physikern, sie tüfteln und experimentieren. Ältere Schüler sind in die Rollen der Lehrer geschlüpft und vermitteln ihren Schützlingen das naturwissenschaftliche Einmaleins.

Die „Zehner“ des naturwissenschaftlichen Wahlunterrichts im Gymnasialzweig der ASS suchen bereits seit den Herbstferien als „Lehrer“ eine neue Herausforderung. Jeden Freitag verwandeln sich die zwölf Jugendlichen in dem über 21 Wochen angelegten Lehr- und Lernprojekt in Lehrkräfte und bilden die Kinder der drei Förderstufenklassen des Jahrgangs fünf aus.

„Lernen wie mit einer großen Schwester“

„Groß lernt von Klein“, bringt Sabine Bühler, Lehrerin für Biologie und Chemie, die ungewöhnliche Unterrichtsform auf den Punkt. Sie brachte die Idee mit an die Schule und kann bereits zum dritten Mal in Folge das Groß-Klein-Projekt betreuen.

Hier wird „Mann“ auf Herz und Nieren geprüft.

Für die Kinder ist es eine spannende Erfahrung und beide Seiten profitieren davon“, so die Pädagogin. Ältere Schüler vertiefen ihr eigenes Wissen, indem sie es weitergeben und verdienen sich außerdem die Sporen als „Nachwuchslehrkräfte“. „Das ist manchmal ganz schön anstrengend und wir Lehrer amüsieren uns, denn so erfahren die Schüler, wie es uns Lehrern manchmal geht.“

Die Kleineren lernen in einem praxisorientierten Unterricht ohne Leistungsdruck von den älteren Kommilitonen. „Das ist besser als mit Lehrern“, analysiert Maximilian aus der Klasse 5Fc. „Die wissen mehr, wie wir denken.“ Auch Klassenkameradin Sarah findet: „Lernen wie mit einer großen Schwester, das macht auch mehr Spaß.“ Mitschülerin Katharina stimmt zu, gibt jedoch zu bedenken: „Bei unseren Lehrern lernen wir allerdings mehr.“

Appetit machen auf ein Lehramtsstudium

Dass es weder Klassenarbeiten, Prüfungen noch mündliches Abfragen gibt, ist gewollt. In entspannter Atmosphäre nehmen die Kinder viel mit, trauen sich ohne Hemmungen viele Fragen zu stellen und arbeiten engagiert. „Eigentlich sind sie immer ganz lieb“, lobt Zehntklässlerin Sarah. Und wenn es mal nicht so läuft, lässt sie sich spannende Experimente einfallen, um ihre Crew zu motivieren. „Mir macht es sehr viel Spaß, man kann sein eigenes Wissen weitergeben“, so die Bilanz von Andreas, der mit seinen Kindern das „Geheimnis der Flammen“ erkundet. Er will sogar eine Laufbahn als Pädagoge einschlagen, „am liebsten an einer Grund- oder Sonderschule.“ Damit wäre eine Rechnung Bühlers aufgegangen, die ihren großen Naturwissenschaftlern in diesem Unterrichtsprojekt Appetit auf ein Lehramtsstudium machen möchte. Zur engeren Kooperation zwischen der ASS und der benachbarten Grundschule „Im Angelgarten“ hat sie allemal beigetragen. Dritte und vierte Klassen von nebenan saßen bereits begeistert im Unterricht der Zehntklässler. Stromkreise bauen, Geheimschriften entwickeln, Fingerabdrücke wie ein Polizist sichtbar machen und wie ein Biologe unter dem Mikroskop Pflanzenteile und Insekten studieren, das fasziniert.

Natürlich hat jeder seine eigenen Prioritäten, wie das Chemikertrio Marc, Gina und Joshua: „Am meisten Spaß macht es, den Bunsenbrenner anzumachen.“

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