Unterstützung für jungen Rollstuhlfahrer

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250 Euro überreichten Maike Schäfer (links) und Gisela Millmann vom Klein-Zimmerner Gesangverein für Jan Breyer (vorne). Die Eltern Stefan Lüttringhaus und Jutta Breyer wollen an Stelle des Hühnerstalls einenn barrierefreien Anbau errichten.

Klein-Zimmern/Wiebelsbach - „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft“, sagt Jutta Breyer. Viele Spenden hat die Familie schon erhalten, kürzlich ist eine weitere hinzugekommen. Von Ulrike Bernauer

Die Vorsitzende des Klein-Zimmerner Gesangvereins Gisela Millmann und Sangeskollegin Maike Schäfer überreichten einen Scheck über 250 Euro.

Das Geld hatten die Sänger im Rahmen ihrer Jahresabschlussveranstaltung gesammelt. „Das tun wir immer am letzten Treffen des Jahres und spenden das Geld regelmäßig für soziale Zwecke“, sagt Millmann. 230 Euro kamen zusammen, 20 Euro legte der Verein noch drauf, um die Summe abzurunden.

Millmann war durch die Zeitung auf das Schicksal von Jan Breyer aufmerksam geworden. Der 18-jährige Wiebelsbacher ist im August vergangenen Jahres von einem Wassertank aus zwei Metern Höhe gestürzt und erlitt dabei eine Querschnittslähmung. Seitdem sitzt er im Rollstuhl, kann seine Beine überhaupt nicht bewegen, die Arme nur sehr eingeschränkt. Zurzeit befindet er sich unter der Woche in der Berufsgenossenschaftlichen Klinik in Frankfurt, die Wochenenden kann er seit Anfang des Jahres zu Hause in Wiebelsbach verbringen.

Harter Einschnitt

Nicht nur für Jan bedeutet der Unfall einen harten Einschnitt, sondern auch für die Familie. Die drei leben zusammen mit zwei Hunden und einer Katze in einem alten Häuschen, das zwar viel Charme hat, aber für das Leben eines Rollstuhlfahrers denkbar ungeeignet ist. Das Bad ist zu klein und es gibt keinen ebenerdigen Eingang. Deshalb haben die Eltern Jutta Breyer und Stefan Lüttringhaus-Breyer beschlossen, einen Anbau zu errichten. Etwa 75 000 Euro wird der kosten, eine Summe, die eine Familie mit zwei Normalverdienern nicht mal eben so aufbringen kann. Lüttringhaus arbeitet als Straßenbauingenieur, seine Frau besaß einen kleinen Laden in Groß-Umstadt, den sie inzwischen aufgegeben hat, weil alles einfach zu viel ist. Die Familie fährt täglich abends zur Unfallklinik, um den Sohn zu besuchen und am Wochenende ist Jutta Breyer auch beschäftigt, wenn Jan nach Hause kommt. Für den Jugendlichen eröffnen sich glücklicherweise allmählich Perspektiven. Zumindest kann er die Arme wieder ein bisschen bewegen, das war am Anfang fast überhaupt nicht möglich. „Drei, vier Meter schaffe ich schon alleine mit dem Rollstuhl, dann wird es zu anstrengend“, sagt er.

Voraussichtlich wird der Realschüler, der vor dem Unfall gerade die neunte Klasse abgeschlossen hatte, ab dem neuen Schuljahr die Edith-Stein-Schule in Hochheim besuchen. Diese Schule ist auf Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen spezialisiert. Hier hätte Jan dann auch die rollstuhlgerechte Einrichtung und die Ergotherapie, die er nun wohl sein Leben lang benötigen wird. Angeschlossen ist ebenfalls ein Internat, in dem er Unterkunft finden kann.

Etliche Ausgaben

Jan trägt sein Schicksal mit großer Fassung, obwohl ihm die Ärzte kaum Auskünfte geben können, ob er sich jemals wieder annähernd normal wird bewegen können. „Manche, die einen ähnlichen Unfall erlitten haben, lernen später wieder gehen“, sagt er. Hilfreich für sein seelisches Gleichgewicht ist mit Sicherheit, dass Jan nicht nur viel Unterstützung von der Familie erhält, sondern ihn auch ganz regelmäßig am Wochenende die Freunde besuchen.

Für die Eltern steht neben dem seelischen und körperlichen Wohlbefinden des Sohnes die finanzielle Situation im Vordergrund. Zu den Kosten für den Anbau kamen und kommen noch etliche Ausgaben hinzu. So musste ein Auto her, mit dem der Rollstuhl transportiert werden kann. „Der Arzt hat jetzt eine spezielle Computertastatur für Jan verschrieben, die kostet 3 000 Euro. Die Krankenkasse will das aber nicht übernehmen“, so Lüttringhaus. Der Ingenieur hat auch gehofft, dass er mit dem Anbau schon weiter wäre. Ein Architektenbüro hatte versprochen, für ihn die Planung und Baugenehmigung zu erledigen. Das hat jedoch nicht funktioniert. Jetzt hat Lüttringhaus die Pläne selbst erstellt und eingereicht. „Das Bauamt des Kreises hat sehr schnell reagiert“, freut er sich. „Nun hoffen wir, dass es bei der Stadt genauso schnell geht.“ „Wenigstens sind inzwischen die Hühner umgezogen“, sagt Jutta Breyer trocken. Dort wo der Anbau entstehen soll, war früher nämlich der Hühnerstall.

Ein Lichtblick für die Familie ist die Hilfsbereitschaft von Freunden, Bekannten und Fremden. So stellte die Umstädterin Heike Christ in 26 Geschäften der Stadt Spendendosen auf, 1 673 Euro kamen so zusammen. Eine Konfirmandengruppe von Pfarrer Marco Glanz sorgte dafür, dass die Kollekte von 988 Euro von ihrer Konfirmation an Jan geht. Und ein spanischer Obstanbauer, der über einen Wiebelsbacher von Jans Schicksal erfuhr, hat eine Palette Bio-Orangen nach Wiebelsbach geschickt. „Die werden wir kistenweise verkaufen“, so Mutter Jutta.

Wer helfen will, kann sich unter  0171 8041164 an Stefan Lüttringhaus wenden oder per Mail:familie-breyer@freenet.de. Zudem wurde bei der Sparkasse Dieburg ein Spendenkonto eingerichtet, Nummer: 12203790 Blz 50852651.

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