Aus dem Verborgenen ans Licht

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Die Reliefs von Well Habicht am Fabrikgebäude der „Alten Ziegelei“ müssen erhalten werden.

Darmstadt-Dieburg/Groß-Zimmern ‐ So manches Kleinod ist noch nicht recht gewürdigt und entzieht sich womöglich dem flüchtigen Blick des Betrachters. Doch könnten einige Häuser und andere Bauten etwas mehr in den Mittelpunkt rücken. Von Gudrun Fritsch

Mit einer Verdoppelung der denkmalgeschützten Objekte und Anlagen rechnet Liane Mannhardt, Leiterin der Denkmalschutzbehörde des Landkreises, wenn die derzeit entstehende, vom Landesamt für Denkmalpflege beauftragte neue Denkmalschutz-Topografie fertig ist. Und das könnte Anfang 2011 sein.

Eine Architektin durchstreift seit einem Jahr alle 23 Kommunen im Landkreis, um Objekte für die neue Topografie aufzuspüren. Die erste Denkmalschutz-Topografie für den Landkreis stammt bereits aus dem Jahr 1988 und war eine der ersten in Hessen. Sie ist inzwischen allerdings unvollständig und zum Teil auch fehlerhaft. In dieser Topografie sind 1 255 Einzeldenkmale und 90 Gesamtanlagen - zum Beispiel historische Ortskerne - mit rund 13 500 Gebäuden erfasst.

Möglicherweise „Haus Hirschkopf“ dabei

Die Recherchen für Groß-Zimmern seien zwar mit als erste gelaufen und inzwischen abgeschlossen, müssten jedoch noch von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises überprüft werden, erklärt Kreispressesprecherin Jutta Janzen auf Nachfrage des LA. Anschließend werde Bürgermeister Achim Grimm über die Ergebnisse informiert und erst danach sei eine öffentliche Information möglich.

Ob das „Haus Hirschkopf“ dabei ist, das von der Gemeinde erworben wurde, um nach dem Abriss auf dem Grundstück an der Wilhelm-Leuschner-Straße einen Parkplatz zu errichten (wir haben berichtet), könne vorerst nicht gesagt werden. Nur so viel: Bürgermeister Grimm hat der Denkmalschutzbehörde des Landkreises einen Vorentwurf für einen Antrag vorgestellt. „Die Behörde ist mit den Vorschlägen des Bürgermeisters einverstanden“, so Janzen.

Informationstafel für „Fahrradunterstand“?

Bei der „Alten Ziegelei“ werde vor allem über die zwei Reliefs von Well Habicht diskutiert, die zu erhalten sind. Die potenziellen Investoren hatten vorgeschlagen, die Kunstwerke aus dem bestehen Mauerwerk herauszuschneiden und losgelöst von Bauwerken aufzustellen. Laut Denkmalschutzbehörde müssen die Reliefs in einen Baukörper integriert sein. Dazu müsste nun ein neuer Vorschlag vorgelegt werden.

Den „Fahrradunterstand“, der als eine Art Ausgleichsbau für die alte, abgerissene Lagerhalle am neuen Supermarkt in der Reinheimer Straße entstanden ist, betrachten viele mit Kopfschütteln. Mannhardt erinnert daran, dass er eine Kompromisslösung ist und verweist auf Gerichtsurteile, wonach in ähnlich gelagerten Fällen denkmalgeschützte Objekte wieder hergestellt werden mussten. Auf die Frage, ob hier nicht eine Informationstafel angebracht sei, auf der die Hintergründe dargestellt werden, kam die Antwort, man könne gerne Informationen liefern. Die Initiative für eine solche Tafel könne jedoch nicht von der Denkmalschutzbehörde ausgehen.

Objekterfassung gestaltet sich zäh

Nach Fertigstellung der neuen Denkmal-Topografie haben wir dann einen umfassenden Überblick über schützenswerte Objekte“, sagt Kreisbeigeordneter Christel Fleischmann. Die Kosten von 26 000 Euro teilen sich die Behörde des Kreises und das Landes.

Aktuell wurden neun Kommunen abgeschlossen. Erfasst und zur Korrektur beim Landesamt für Denkmalpflege vorgelegt sind neben Zimmern die Topografien von Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Babenhausen, Erzhausen, Eppertshausen, Groß-Bieberau, Mühltal, Pfungstadt und Ober-Ramstadt. Obwohl das Denkmalschutzamt beträchtliche Vorarbeit geleistet und historisches Material oder Informationen über das Kommunale Geoinformationssystem zur Verfügung gestellt hat, gestaltet sich die Erfassung zäh. Zumal sich viel wertvolle Substanz im Verborgenen hält, etwa unter einem Verputz oder unter Schindeln. Die komplette Topografie soll bis Jahresende abgeschlossen sein.

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