Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung

Zwei Zimmer frei

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 Mieterin Tanja Weber und Martin Michel, Leiter des Ambulant Unterstützen Wohnens, blicken von der Wohngemeinschafts-Küche auf den geräumigen Balkon.

Groß-Zimmern - In der Wohnküche steht ein einladend großer Tisch mit acht Stühlen. Noch hängen keine Bilder an den Wänden, aber ein gemütliches Sofa an der Seite lässt gesellige Spieleabende erwarten. Von Gudrun Frtisch 

Seit Juli leben Tanja Weber und zwei weitere Frauen mit geistiger Behinderung zwischen 40 und 60 Jahren in der hellen und geräumigen Wohnung im Norden Groß-Zimmerns. Der Verein für Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung bietet hier fünf Menschen die Möglichkeit, selbständig in eigenen Räumen zu leben - noch sind zwei Zimmer frei.

„Es besteht kein grundsätzlicher Unterschied zum betreuten Wohnen in der eigenen Wohnung“, erklärt Martin Michel, Leiter des Ambulant Unterstützen Wohnens (AUWO). „Der Gedanke einer Wohngemeinschaft ist entstanden, weil es Menschen mit Behinderungen gibt, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchten, aber aus den verschiedensten Gründen nicht alleine in einer Wohnung leben wollen.“ Der Verein unterstützt diese Menschen, aber jeder Bewohner erhält einen eigenen Mietvertrag. Zum eigenständigen Leben gehöre weniger, als man denkt. „Man muss nicht kochen, backen, einkaufen oder mit Geld umgehen können. Wichtig ist es, die Bereitschaft mitzubringen, es zu lernen oder sich helfen zu lassen.“

Gemeinsam oder lieber für sich alleine

Folglich ist es den Bewohnern frei gestellt, ob sie gemeinsam essen oder lieber für sich alleine sein wollen. „Wir machen Angebote, die sich möglichst nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Betroffenen richten, unterstützen da, wo alltägliche Dinge nicht allein bewältigt werden können und fördern die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft“, so Michel. Tanja Weber tippt derweil eifrig etwas in das Handy, das fest um ihren Hals hängt, aber sie hört auch aufmerksam zu. „Ich habe vorher bei meinem Vater gewohnt“, erzählt sie. „Die Wohnung hier ist schön, viel besser als ein Wohnheim.“ Weber fährt täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrer Arbeit bei der Werkstatt in Dieburg. Es gibt auch einen speziellen Transportservice, der bei Bedarf genutzt wird. Eine Mitbewohnerin ist in der Tagesförderstätte tätig, die dritte ist zur Zeit nicht berufstätig. „Ich mache hoffentlich bald ein Praktikum. Jetzt bin ich noch im Berufsbildungsbereich und gehe zur Berufsschule“, erzählt sie und ist offensichtlich stolz auf ihre Eigenständigkeit.

Nach Plan und Bedarf sind täglich ein bis zwei Betreuer zu Gast, andere Unterstützer - etwa von der Pflegestation zur Medikamentenausgabe - kommen regelmäßig vorbei. „Gerne helfen wir auch den Neuen beim Einrichten und Aussuchen der Möbel, zeigen ihnen, wo sie hier einkaufen können, gehen gemeinsam zur Bank oder zum Arzt“, sagt Michel. Natürlich sind die Fachkräfte auch verlässliche Ansprechpartner bei Problemen und Krisen, sie helfen, therapeutische Hilfen zu organisieren, sowie soziale Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

Leben in den eigenen vier Wänden

Aber Weber genießt vorerst hauptsächlich das Leben in den eigenen vier Wänden. „Bisher essen wir hier nicht zusammen. Jeder kauft für sich ein“, beschreibt sie zufrieden die neu gewonnene Freiheit. In ihrer Freizeit löst sie gerne Rätsel oder stickt. Während die anderen am Wochenende mit Begleitern auf die Kerb gegangen sind und sich über die Band und die Fahrgeschäfte gefreut haben, zog sie es vor, in Ruhe zu Hause zu bleiben. Die 190 Quadratmeter große Wohnung auf zwei Etagen befindet sich in einem neuen Dreifamilienhaus von Dieburg kommend am Ortseingang von Groß-Zimmern. Ein Supermarkt und eine Bushaltestelle sind in unmittelbarer Nähe.

Als neue Mitbewohner könnten zwei Personen in Einzelzimmer oder auch ein Paar einziehen. Die Kosten für die ambulante Unterstützung übernimmt der Landeswohlfahrtsverband (Lwv). Die Kosten für die Miete werden durch die Grundsicherung oder eine Rente getragen. Bei Anträgen und Behördengängen zur Absicherung des Lebensunterhalts helfen Betreuer. Jeder Mieter entscheidet für sich, welche weiteren Leistungen er in Anspruch nehmen will. Interessenten können sich an die Leitung des Ambulant Unterstützten Wohnens wenden, unter Tel.: 06071/8269856 oder per E-Mail: martin.michel@bh-di.de.

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