Gericht glaubt Opfers

Zwei Jahre und acht Monate wegen Vergewaltigung

+

Groß-Zimmern/Dieburg - „In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten“, mahnte Rechtsanwalt Sven Golüke am Donnerstag in seinem Plädoyer vor dem Schöffengericht in Dieburg. Von Gudrun Fritsch 

Er wollte für seinen Mandanten einen Freispruch erwirken, denn Gewaltanwendung sei diesem nicht nachzuweisen und die nicht anwesende Belastungszeugin hätte sich bei ihren Aussagen in Widersprüche verstrickt. Zudem müsse man bei angeblichen Sexualdelikten besonders vorsichtig sein. In letzter Zeit hätte sich oft gezeigt, dass „die Frauen, wenn man ihnen mal richtig auf den Zahn fühlt“, oft die Unwahrheit sagten. Dem 26-jährigen M. Reinhard (Namen von der Redaktion geändert) wurde vorgeworfen, am 21. Februar 2012 in Dieburg eine junge Frau aus Ungarn, die seinerzeit in Groß-Zimmern als Au-pair-Mädchen arbeitete, vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte, der mittels DNA-Spuren an der Kleidung der Frau ausfindig gemacht wurde, behauptete bis zuletzt, die sexuelle Handlung sei von der Frau willentlich vorgenommen worden.

Am Donnerstag wurde die Verhandlung im Amstgericht Dieburg gegen den Rumänen fortgesetzt. Dass die sexuelle Handlung einvernehmlich gewesen sein soll, glaubt Staatsanwältin Susanne Weber nicht. Sie forderte zwei Jahre und acht Monate Haft (unter Einbeziehung einer Bewährungsstrafe). Ihrem Antrag folgte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dr. Gerhard Oefner. Da die junge Frau kurz nach dem Vorfall in ihre Heimat zurückgekehrt war und aus gesundheitlichen Gründen nicht befragt werden kann, war man auf Vernehmungsprotokolle und Zeugenaussagen angewiesen.

Am zweiten Verhandlungstag wurden zwei Polizisten und drei Bekannte der Frau gehört. Sie berichteten, was sie über den Tathergang wussten und wie sie den Zustand und die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers einschätzen. Demnach hatte der Angeklagte die Frau am Tattag gegen 22 Uhr vor dem Fastnachtszelt im Fechenbach-Park angesprochen, sie dann gewaltsam bis zur Wand eines Elektrohäuschens gezogen und dort zur Durchführung von Oralverkehr gezwungen. Keiner der Zeugen zweifelte am Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Eine Freundin und ihr Begleiter, die sie nach dem Vorfall aufgefunden hatten, verstanden zwar nicht sofort, was geschehen war, erlebten die Frau jedoch anschließend als sehr verstört und verzweifelt. Die Gastmutter aus Groß-Zimmern beschrieb das Au-pair-Mädchen als „für ihr Alter sehr unerfahren, unselbständig und zu labil, um sich solche Lügen auszudenken“.

Die Ausführungen des Sachverständigen Dr. Jürgen Kupka, Aufnahmen von Hämatomen an Armen und Handgelenk sowie einer Wunde unterhalb der Nase, die den Zustand des Opfers verdeutlichten und die Zeugenaussagen seien Beweise dafür, dass Gewalt im Spiel war, begründete Richter Dr. Oefner das Urteil. Zudem hatten alle übereinstimmend gesagt, Der Täter hätte der Frau den Mund zugedrückt, um ihre Hilferufe zu unterdrücken. Eine Woche hat der Angeklagte nun Zeit Berufung einzulegen. Danach ist das Urteil rechtskräftig.

Kommentare