„Verrickte in dere Bitt“

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Mit langen Nasen und rauschenden Gewändern tanzten die Huppdohlen als Hexen und Weinköniginnen.

Groß-Zimmern (ula) ‐ „Der Aafang fan heit liejt schon lange zurück – als die erste Verrickte war´n in dere Bitt“, erinnert sich Protokoller Hans Hix. Seit 40 Jahren unterwirft sich die katholische Pfarrei Sankt Bartholomäus in der fünften Jahreszeit dem närrischen Regiment.

Mit wachsender Begeisterung. Was klein, im Kaisersaal, vor 40 Jahren begann, sprengte 2011 fast den Rahmen. Über 500 Gäste gingen in der Mehrzweckhalle begeistert mit auf eine närrische Reise, darunter der früherer Pfarrer Peter Kern, zahlreiche Kommunalpolitiker und viele Klein-Zimmerner. Das immense Bühnenprogramm der größten Zimmerner Fastnachtssitzung erstreckte sich bis weit nach Mitternacht.

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Über 500 Narren bei der 40. Pfarrfastnacht

150 Akteure brachten im kunterbunten Wechsel Gesänge, Tanz, Büttenreden und Sketche auf die Bühne. „Und kein Programmpunkt ist gekauft“, sagte Sitzungspräsident Friedrich Faust stolz, dessen Haupt unter einem mächtigen Federschmuck verborgen war. Zur 40. Pfarrfastnacht entführte er als Häuptling „Rote Socke“ mit wildem Anhang im Elferrat das Publikum in den Wilden Westen. Sekt, Küsse und ein Traumfänger als Fastnachtsorden winkten allen, die an Büttenreden feilten, Tänze und Sketche einstudierten, um das Fastnachtsfeuerwerk zu entfachen.

Sechs Tanz- und Showtanzgruppen sorgten mit anspruchsvollen Darbietungen auf den Bühnenbrettern für viel Wirbel. Dank des Zimmerner Urgesteins, Elfriede Burger, sind Katholiken und Turnverein bereits vor vielen Jahren eine fruchtbare, närrische Fusion eingegangen: die TV-Tanzgruppen, die Gerätturnerinnen des Vereins sowie die inzwischen autarke Große Garde und die Desert Roses bereicherten das Narrenprogramm.

Nicht nur die Show, auch das Publikum war einfach klasse.

Jenseits von Kanzel und Altar brillierte Pfarrer Christian Rauch als Protagonist in der Sondersendung „Herzblatt“. Als spitzfindiger Moderator suchte Achim Grimm die geeignete Haushälterin für das geistliche Oberhaupt der Zimmerner Katholiken. Ob Liesel Röhrig, Thomas Unterleider als kesse Blondine oder Elke Till die Gelüste des Pfarrers nach „Lewwerworscht und Ramsauerkraut“ befriedigen könnten?
Von der Traumhaushälterin ging es mit der katholische Jugend ins Casino, mit den „Elfchen“, dem wenig grazilen Männerballett ins Schwimmbecken und mit den Quasselstrippen Sandra und Tanja Ihring durch Trockenwüsten und deutsche Rechtschreibung. Selbst Marilyn Monroe machte einen Abstecher nach Zimmern. Die sexy Blondine fand in einem Fan eine widerwillige Karikatur – bei dieser Parodie von Gisela Blohme und Claudia Kointza kamen die Lachmuskeln des Publikums ordentlich in Wallung.

Hand aufs Herz und die Hymne gesungen: (von links) Pfarrer Christian Rauch, Achim Grimm und  Hans Wichmann.

Ganz ohne Beistand aus einer Narrenhochburg lebte die 40. Pfarrfastnacht nicht. Gregor Beckmann, ein „Kölle-Import“, gestand: „Isch hab en Migrationshintergrund – isch komme aus Köln!“ Dass er in Zimmern eine wunderschöne neue Heimat fand, konnten alle nachfühlen. „Hätte Eva nur uf de Adam gehört säßen mir heute noch nackisch unnerm Apfelbaum“ – trotz dieser Hypothese des „Oigeplackten“ fiel es den Narren im Saal nicht schwer, jenseits des Paradieses ausgelassen zu feiern.

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