Wie versprengte Herde Schafe

Groß-Zimmern - Die gute Vorbereitung einer Reise ist nicht alles - auch ein wenig Hilfe „von oben“ ist oft vonnöten, um den gewünschten Verlauf zu erreichen. Dies erfuhren wieder einmal die Männer aus Groß- und Klein-Zimmern, die Anfang Mai zu ihrer alljährlichen Wallfahrt aufbrachen.

Der Winzenhöler-Bus war mit 63 Teilnehmern fast voll besetzt und die Stimmung an dem sonnigen Samstagmorgen blendend, als es um acht Uhr losging. Mit Pfarrer Herbert Wendt betete und sang man bis Worms, wo als erstes der Dom besichtigt werden sollte. Von den beiden bestellten städtischen Fremdenführern war allerdings weit und breit nichts zu sehen. So irrten die Wallfahrer bald wie eine versprengte Herde Schafe durch das riesige Gebäude. Rettung und Führung waren aber wider Erwarten schon ganz nah, denn ein schwarz gekleideter Herr, der sich als Domprobst vorstellte und ganz zufällig an diesem Samstagmorgen in seiner Kirche weilte, nahm sich spontan der „Zimmerner Herde“ an und führte sie eine Stunde lang durch das 800 Jahre alte Gebäude, das in seiner wechselvollen Geschichte auch schon als Schatzkammer der Wormser Bürger oder als Pferdestall der napoleonischen Truppen herhalten musste.

Nach dem Dombesuch gab es das traditionelle Frühstück mit „Worscht un Weck“ und dann ging's weiter nach Worms-Abenheim, einer kleinen Winzergemeinde mit großer Geschichte. Mitten in den Weinbergen über dem Ort lag das spirituelle Ziel der Fahrt, die mehr als 1000 Jahr alte Kapelle St. Michael auf dem Klausenberg. Ein Kreuzweg führt vom Ort durch die Weinberge hinauf und als sich die Herren im Morgendunst dem Kirchlein näherten, läuteten plötzlich die Glocken und Pfarrer Peter Kern, der extra für die Wallfahrer aus Bürstadt angereist war, winkte von oben. Welch ein freudiges Wiedersehen! Die Kapelle war gerade groß genug für die Gruppe und der anschließende Gottesdienst war der Höhepunkt des Tages. Erstmals hatten die Zimmerner Musiker aus dem Bläserchor begleitet und zusammen mit den Männern des Kirchenchores umrahmten sie die feierliche Messe musikalisch.

Nach dieser seelischen Stärkung und einem Erinnerungsfoto folgte der Abstieg „ins Ort“ und das Mittagessen im Restaurant „Zum Klausenberg“. Die Zeit bis zur Weiterfahrt nach Oppenheim nutzten die Männer für einen Rundgang durch die Gemeinde und einen Blick in dessen wunderschöne Barockkirche.

In Oppenheim erwartete sie ein besonderes Erlebnis: Eine Wanderung im Untergrund der Stadt und zu deren tiefstem Punkt 120 Meter im Berg. Der Inhaber der Sektkellerei Gillot, ein Nachfahre der Hugenotten und Hobbyarchäologe, führte die Gruppe durch sein unterirdisches Reich und zeigte und erklärte die vielen mittelalterlichen Keller und Stollen, die er in jahrelanger Arbeit vom Schutt befreite und zugänglich machte. Fünf Stockwerke geht es dort in die Tiefe. Im Hugenottenhof, einer Ansammlung historischer Gebäude, wurde dann ein Winzerbuffet serviert, wobei natürlich auch der Oppenheimer Wein ausreichend verkostet wurde. Nach einer Gesangseinlage des Männerchores, der die Stimmung weiter hob, nahmen die Zimmerner Abschied von Rheinhessen.

Die rote Abendsonne über dem Mainzer Dom, die ihnen bei der Rheinüberfahrt „heimleuchtete“, rundete den erlebnisreichen Tag ab. Und damit die Wirkung dieses Tages nicht nur auf den kleinen Männerkreis begrenzt bleibe, wurden die restlichen 127 Euro aus der Reisekasse für das Orgelprojekt gespendet. Unter http://www.ulrich-zagler.medion-fotoalbum.de kann sich jeder die Stationen der Reise noch einmal ansehen.

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