Feuer trägt Joannas Kappe gen Himmel

„Es war viel zu kurz“

Das Feuerwerk erlöste die Zuschauer vom Anblick der brennenden Puppe auf dem Scheiterhaufen. -  Fotos (3): Bernauer

Groß-ZImmern - Hunderte kamen am Dienstagabend auf den Roten Platz, um am Trauerzug teilzunehmen, der angeführt von den Kerbborschte zum Anglerheim führte. Kerbpuppe Joanna wurde zu ihrer Verbrennung auf einer Bahre getragen. Von Ulrike Bernauer

„Schade, dass es vorbei ist“, sagte Kerbmädchen Franziska Blank. Kerbvadder Laurin Uebel rang nach Worten und konnte die Frage „Wie geht’s jetzt?“ kaum beantworten. „Wie soll es einem gehen? Schlecht, wie sonst.“ entsetzt meinte Mundschenk Joshua Kristen: „Es war alles viel zu kurz!“

Die Kerbborschte trugen Fackeln und ihre Gesichter waren zu steinernen Mienen gefroren. Begleitet wurde der Trauerzug von den Kerb-Dixie-Stompers, die in einer Endlosschleife den herzerweichenden Trauermarsch spielten: „Saint James Infirmary“.

Tränen flossen spätestens auf dem Platz am Anglerheim, wo der Scheiterhaufen auf Joanna wartete. Diesmal gab es keinen Galgen für das „Perlchen“. Wie bei einer indischen Beerdigung wurde Joanna auf ein Gestell gebettet. Herzergreifend die Rede von Kerbpfarrer Martin Wörtge. „Mer müsse uns trenne, die Kerbborschte von Zimmern heule nur noch Rotz und Wasser“, schluchzte er ins Mikrofon. Im Verlauf seiner Rede musste er zum Taschentuch greifen, das glücklicherweise groß und stabil war.

„In einer Muschel bist du bei uns angekommen, wie sich das für ein echtes Perlchen gehört. So schön und so lieb, und warst mit allen Borschte gleich ganz dick“, schilderte Wörtge die Ankunft Joannas. „Mer habe gefeiert, die ganz Nacht, und du hast immer gelacht. Was habe die annern Borschte gegeiert, mit so ‘ner schönen Bobb habe die noch nie gefeiert. Begeistert waren auch die Leut in de Gasse und wollten dich immer wieder hochleben lasse. Mittendrin in der ganz Feierei warst immer als Erste dabei.“

Doch die Lobeshymne für die vorbildliche Kerbpuppe half Joanna nichts. Schließlich schritten die Kerbborschte zur Tat und hielten ihre Fackeln ins Heu unter der aufgebahrten Puppe. Zu herzergreifender Musik (gesungen von Nadine Wolter, aufgenommen von Tobias Geier) schlugen die Flammen langsam höher. Auf den spannenden Moment, wenn die Puppe in die Flamme fällt, warteten die Zuschauer in diesem Jahr vergeblich. Dafür konnten aufmerksame Beobachter nach einiger Zeit die Kerbkappe als feuriges Signal in den Himmel entschwinden sehen.

Das Feuerwerk erlöste zumindest die Zuschauer vom Schmerz. Nach dem himmlischen Spektakel gab es viel Applaus. Die Kerbborschte konnten es allerdings noch immer nicht fassen, dass ihre Joanna nicht mehr war und auch die Kerb bald ein Ende haben sollte. Lange standen sie schweigend im Kreis, bevor sie sich auf den Rückweg nach Zimmern machten, wo noch ein letztes Mal die Kerb 2013 gefeiert wurde.

Die Groß-Zimmernerin Elke Finsel war das erste Mal bei der Verbrennung. Sie war in diesem Jahr Kerbmutter und als ehemaliger Kerbmuffel jetzt ganz begeistert vom Zimmerner Fest der Feste. Auch ihr Kerbmutterdasein hat ihr Spaß gemacht. „Das war eine supertolle Truppe, es ist alles gut gelaufen und die Kerle haben prima zusammen gehalten. Es war einfach eine ganz schöne Zeit.“ Finsel kann sich gut vorstellen, die nächsten Jahre die Kerb häufiger zu besuchen.

„Da fällt schon was von einem ab“, berichtete Kerbvereinsvorsitzender Thomas Beutel. „Für die Kerbborschte bedeutet die Vorbereitung des Festes ein Jahr lang viel Arbeit. Und die fünf Tage, die gehen ja wie im Flug vorbei. Bei der Verbrennung der Kerbbobbe verdrücke ich jedes Jahr selber auch ein Tränchen, auch wenn ich in diesem Jahr die 31. Kerb erlebt habe. Danach kann ich 14 Tage nichts mehr von der Kerb hören, und dann juckt es schon wieder in den Fingern für das nächste Jahr.“

Das war wohl der einzige tröstende Gedanke für viele Kerbbegeisterte: Nach der Kerb ist auch vor der Kerb.

Kommentare